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Jahrbuch
der
Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt nnd Bergakademie
Berlin
für das Jahr
1897.
Band XVIIl.
Berlin.
Im Vertrieb bei der Simon ScHROPp’schen Hof- Landkartenhandlung
(J. H. Neumann).
1898.
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Inhalt.
I.
Mittheilungen aus der Anstalt.
Seite
1. Bericht über die Thätigkeit der Königl. geologischen Landesanstalt
im Jahre 1897 . vii
2. Arbeitsplan für die geologische Landesaufnahme im Jahre 1898 . xx
3. Mittheilungen der Mitarbeiter der Königl. geologischen Landesanstalt
über die Ergebnisse der Aufnahmen im Jahre 1897 xxvii
H. Loretz: Bericht über die Ergebnisse der geologischen Auf- nahmen 1897 in der Gegend von Iserlohn und Hagen . xxvji
A. Leppla: Bericht über die Aufnahmen im Bereich der Blätter
Neumagen und Wittlich während des Sommers 1897 . . xxxv
W. Frantzen: Mittheilung über die Aufnahme des Blattes Treffurt xxxix H. Schröder: Bericht über die Aufnahme der Blätter Mohrin und
Soldin und über Bereisung des diluvialen Mietzel- Thaies xlv P. Krüsch: Bericht über die Aufnahmearbeiten auf den Blättern
Schönfliess N. M. und Wartenberg ........ XLix
C. Gagel: Bericht über die Aufnahmearbeiten auf den Blättern
Uchtdorf und Wildenbruch lii
R. Michael: Bericht zu Blatt Schwochow und Beyersdorf ... lv
G. Müller: Mittheilungen über seine Aufnahmen im Sommer 1897
auf den Blättern Wartenburg und Mensguth Lxri
C. Gagel: Bericht über die Aufnahmearbeiten auf den Blättern
Reusch Werder und Muschacken Lxvii
4. Personal -Verhältnisse . lxxiii
II.
Abhandlungen von Mitarbeitern der Königl. geologischen Landesanstalt.
Die Granite der Gegend von Aachen. Von Herrn A. Dannenberg und
E. Holzapfel in Aachen 1
Eine grosse Felis -Art aus märkischem Diluvium. Von Herrn Henry
Schröder in Berlin 20
Seite
Maasse einiger Kentliierstangen aus Wiesenkalk. Von Herrn Alfred
Jentzsch in Königsberg in Pr 28
Ueber zwei anscheinend bearbeitete Gesteinsstücke aus dem Diluvium.
Briefliche Mittheilung des Herrn G. Maas an Herrn W. Hauchkcorne 32
Bemerkungen zur Gliederung des Senon am nördlichen Harzrande. Von
Herrn Gottfried Müller in Berlin 36
Neuere Forschungen auf dem Gebiete der Glacialgeologie in Norddeutsch- land erläutert an einzelnen Beispielen. Von den Herren G. Berendt,
K. Keilhack, H. Schröder und F. Wahnschaffe. (Tafel I— IV.) . . 42
Abhandlungen von ausserhalb der Königl. geologischen Landesanstalt stehenden Personen.
Ueber norddeutsche Basalte aus dem Gebiete der Weser und den angren- zenden Gebieten der Werra und Fulda. Von Herrn F. Kinne in
Hannover 3
Zwei isolirte Tertiär -Vorkommen im Röth auf Blatt Wilhelmshöhe bei
Cassel. Von Herrn Max Blanckenhorn in Erlangen 103
Der Muschelkalk auf Blatt Wilhelmshöhe bei Cassel und seine Lagerungs- verhältnisse. Von Demselben 109
Tektonische Störungen der triadischen Schichten in der Umgebung von
Kahla. Von Herrn Ernst Naumann in Jena. (Tafel V u. VI.) . . 130
Sach-Kegister 160
Orts-Register . 166
Druckfehler und Berichtigungen 178
I.
Mittheilungen aus der Anstalt.
1.
Bericht über die Thätigkeit der Königlichen geologischen Landesanstalt im Jahre 1897.
I. Die Aufnahmen im Gebirgsiande.
Im Mittel harz setzte Landesgeolo^e Dr. Koch die Aufnahme des Blattes Elbingerode (G. A. 56; 15) fort und führte zur Er- mittelung der Altersstellung der kalkreichen Schieferzonen bei Wernigerode Begehungen im westlichen Theil des Blattes Wer- nigerode aus (G. A, 56; 9).
Im Oberharz wurde von demselben der ihm zur Aufnahme überwiesene südöstliche Theil des Blattes Zellerfeld (G. A. 56; 7) kartirt und im nördlichen Theil dieses Blattes die Aufnahme der Devonablagerungen am Adenberg bei Oker in Gemeinschaft mit Bezirksgeologen Dr BeüSHAusen einer Schlussrevision unterzogen.
Bezirksgeologe Dr. BeüSHAUSEN kartirte auf Blatt Zellerfeld (G. A. 56; 7) das Culmgebiet zu beiden Seiten der Oker nördlich des Schulenberger Gangzuges und brachte darauf durch eine Schlussbegehung des Devons den ihm übertragenen Theil des Blattes zum Abschluss. Sodann begann er die Revision des Blattes St. Andreasberg (Braunlage) (G. A. 56; 14).
Professor Dr. Klockmann brachte die Revision der ihm über- tragenen Antheile der Blätter Zellerfeld und Riefensbeek sowie des südlich des Lautenthaler Gangzuges liegenden Theiles des Blattes Seesen zum Abschluss (G. A. 56; 7, vs. 55; 12).
Landesgeologe Professor Dr. Ebert setzte die Aufuahme des Blattes Osterwieck fort (G. A. 56; s).
.. Der H
VIII
Geheimer Bergrath Professor Dr. von Koenen beendigte die Revision der Blätter Gr. Freden, Einbeck und Jühnde (G. A. 55; 4, 10, 33), bei dem erstgenannten in Gemeinschaft mit dem Bezirks- geologen Dr. Müller, brachte diejenige des Blattes Dransfeld (G. A. 55 ; 27) dem Abschluss nahe und setzte die Aufnahme der Blätter Salzhemmendorf, Gronau, Sibesse, Hardegsen, Alfeld und Lamspringe fort (G. A. 41; 56, 57, 58. 54; 21, 3, 5).
2. Thüringen. Professor Dr. Scheibe förderte die zur Erläuterung des
Blattes Brotterode (G. A. 70; 7) noth wendigen Begehungen im krystallinischen Grundgebirge soweit, dass sie im nächsten Jahre abgeschlossen werden können.
Durch eine mit Professor Dr. Bücking gemeinsam unter- nommene Begehung des Grenzgebiets der Blätter Schmalkalden und Brotterode (G. A. 70; 13, 7) wurde der Anschluss letzterer sichergestellt und Uebereinstimmung in der Auffassung und Dar- stellung des Gneisses im nordwestlichen Thüringer Wald erzielt.
Bezirksgeologe Dr. Zimmermann beendete die Aufnahme des Blattes Lehesten (G. A. 71; 31) und führte diejenige der Blätter Lobenstein und Hirschberg (G. A. 71; 32, 33) soweit, dass sie im nächsten Jahre wird abgeschlossen werden können.
Derselbe führte die Untersuchung der Aufschlüsse an der Eisenbahnlinie Camburg-Zeitz aus.
Bergrath Frantzen setzte die Aufnahme der Blätter Treffurt und Langula fort (G. A. 55; 54. 56; 49).
3. Die Provinz Professor Dr. Beyschlag beendete die Aufnahme der Blätter
Hessen-Nassan. uud Obcrkaufungen (G. A. 55; 38, 44) und führte diejenige
des Blattes Wilhelmshöhe (G. A. 55; 37) in Gemeinschaft mit Dr. Blanckenhorn ihrem Abschlüsse nahe.
Bezirksgeologe Dr. Denckmann brachte im Gebiete des Kellerwaldes die Aufnahme des Blattes Rosenthal (G. A. 68; 4) zum Abschluss und diejenige der Blätter Kellerwald und Gilserberg (G. A. 54; 59. 68; 5) der Abschliessung nahe.
Major a. D. Dr. von Seyfried begann die Aufnahme des Blattes Schlüchtern (G. A. 69 ; 38).
IX
Professor Dr. Holzapfel führte die Aufnahme der Blätter 4 St. Goar, St. Goarshausen, Caub-Bacharach und Pressberg (G. A. 67 ; 51, 57, 58) vorbehaltlich einer Schlussrevision zu Ende.
Derselbe setzte die Aufnahmearbeit in der Gegend von Aachen fort. ■
Landesffeoloo^e Grebe führte die Aufnahme der Blätter
Ö O
St. Vith und Recht (G. A. 65; 47, 4i) weiter.
Bezirksgeologe Dr. Leppla schloss die Revision der Blätter Wittlich und Neumagen ab (G. A. 80; 4, 10), und untersuchte die neueren Aufschlüsse im Saargebiete.
Landesgeologe Dr. Loretz führte die Kartirung der Blätter Iserlohn (G. A. 53; 39) und Hagen (G. A. 53; 37) weiter und begann sie innerhalb der Blätter Schwerte und Menden (G. A. 53; .32, 33).
Ausserdem wurden von demselben, zur Vergleichung der mittel- und oberdevonischen Schichten im Kartirungsgebiete mit ihrem Verhalten weiterhin, eine Reihe von Excursionen im an- schliessenden Verbreitungsgebiete der genannten Schichten nament- lich im westfälischen Sauerlande ausgeführt.
Landesgeologe Dr. Dathe vollendete die Aufnahme des Blattes Wünscheiburg (G. A. 76; 25), brachte das Blatt Neurode (G. A. 76; 26) dem Abschluss nahe und revidirte die älteren Auf- nahmen des Rothliegenden und Carbons mit Rücksicht auf deren Neugliederung auf den Blättern Rudolfswaldau und Langeubielau.
II. Die Aufnahmen im Flachiande.
Geheimer Bergrath Professor Berendt setzte in der von Re- visionsreiseu nicht beanspruchten Zeit die Aufnahme des Blattes Zehden fort und brachte dasselbe unter Benutzung der die West- hälfte des Blattes umfassenden Probeaufnahme des Dr. KoRN zum Abschluss. Ausserdem stellte derselbe das schon früher mit Hülfe des Dr. Gagel aufgenommene Blatt Wölsickendorf nunmehr druck- fertig (G. A. 45; 12, 16).
Bezirksgeologe Dr. Schröder beendete die Aufnahme des Blattes Mohrin und begann sodann ein aus 6 Blättern bestehendes
Die Rhein- provinz.
5. Provinz Westfalen.
6. Provinz Schlesien.
7. Provinz Brandenburg.
X
8. Provinz Pommern.
9. Provinz Posen.
Arbeitsgebiet in der Soldiner Gegend mit der Bearbeitung des Blattes Soldin, welches dem Abschluss nahe gebracht wurde (G. A. 46; 7, 4).
Hülfsgeologe Dr. Krusch stellte das Blatt Schöofliess fertig und begann sodann die Aufnahme der Blätter Schildberg und Wartenberg (G. A. 46; 2, 8 und s).
Hülfsgeologe Dr. Michael setzte die Aufnahme der im Vor- jahre begonnenen Blätter Schwochow und Beyersdorf fort und stellte dieselben fertig (G. A. 29; 51, 57).
Kulturtechniker Dr. WöLFER brachte die Aufnahme des Blattes Tamsel dem Abschlüsse nahe und führte einen Theil der Schlussbegehung der Blätter Bärwalde, Fürstenfelde und Quartschen aus (G. A. 46; 13, 14, 20, 21).
Dr. Korn nahm zunächst die Westhälfte des Blattes Zehden als Probearbeit auf (siehe oben G. A. 45; 12) und ging sodann auf Blatt Vietz über, das zur Hälfte fertig gestellt wurde (G. A. 46; 22).
Bezirksgeologe Dr. Schröder ftihrte in Gemeinschaft mit Dr. WöLFER eine Begehung der Terrassen und Beckensande zwischen Soldin, Landsberg a/W. auf den in Arbeit befindlichen Blättern aus.
Landesgeologe Dr. Keilhack nahm eine Schlussbegehung der Blätter Münchendorf und Gollnow vor, durch welche die Terrassen- verhältnisse klar gestellt wurden und bearbeitete die Blätter Pölitz und Gr. Stepenitz (G. A. 29; 21, 27, 20, 26).
Hülfsgeologe Dr. Schmidt brachte die Aufnahme des Blattes Schwessow zum Abschluss, begann und vollendete sodann diejenige der Blätter Paulsdorf und Pribbernow und ging schliesslich auf das Blatt Gülzow über (G. A. 29; 11, 14, 15, 10).
Landesgeologe Professor Wahkschaffe beendete die Aufnahme der Blätter Obornik und Lukowo (G. A. 48; 21, 22) und führte in Gemeinschaft mit Dr. Kühn und Dr. Maas eine Schlussbegehung der sämmtlichen abgeschlossenen Blätter der Umgegend von Posen aus (G. A. 48 ; 27, 28, .S3, 84, 39, 4o).
Hülfsgeologe Dr. Maas beendete die Aufnahme des Blattes
XI
Gurtschiu und stellte durch eine Schlussbegehung das Blatt Dom- browka druckfertig (G. A. 48; 40, 39).
Hülfsgeologe Dr. Kühn führte, nach einer Schlussbegehung des bereits im Stich befindlichen Blattes Posen (G. A. 48; 34), die Aufnahme der Blätter Lukowo und Murowana-Goslin zu Ende und brachte diejenige des Blattes Schocken dem Abschlüsse nahe (G. A. 48; 22, 23, 29).
Geheimrath Berendt und Professor Wahnschaffe stellten durch eine gemeinschaftliche Bereisung des Warthe- und Netze- Thales die hier zu unterscheidenden Terrassen fest. An derselben nahmen längs des unteren Flusslaufes bis in die Gegend von Wronka und Kol mar Dr. Schröder, oberhalb genannter Orte Dr. Kühn und Dr. Maas Theil.
Professor Dr. Jentzsch bearbeitete die Blätter Stadt Graudenz und Okonin und begann nach Fertigstellung derselben die Auf- nahme des Blattes Linowo (G. A. 33; 33, 34, 35).
Professor Dr. Grüner begann im Monat August die Bear- beitung des Blattes Briesen, stellte dasselbe fertig und begaun die Aufnahme des Blattes Gollub, dessen südliche Hälfte bis auf eine Schlussbegehung fertig gestellt wurde (G. A. 33; 46, 53).
Hülfsgeologe Dr. Zeise brachte die im Vorjahre begonnenen Blätter Oliva und Weichselmünde zum Abschluss (G. A. 16; 32, 39).
Dr. WoLFF führte zunächst als Probearbeit die Aufnahme der Nordhälfte des Blattes Pranst aus und brachte dasselbe durch Bearbeitung auch der Südhälfte sodann zum Abschluss (G. A. 16; 44).
Hülfsgeologe Dr. Maas begann und vollendete die Aufnahme des Blattes Tuchei (G. A. 32; 2s).
Professor Dr. Klees vollendete die Aufnahme des Blattes Gr. Schöndamerau, begann und beendete diejenige des Blattes Gr. Schiemanen und stellte durch Schlussbegehungen die 11 öst- lichen Blätter des Orteisburger Arbeitsgebietes Gr. Schöndamerau, Theer wisch, Babienten, Orteisburg, Olschienen, Schwentainen, Gr. Schiemanen, Lipowitz, Liebenberg, Willenberg und Gr. Leschi- nen druckfertig (G. A. 35; 22/24, 28/30, 34/36, 40/41).
10. Provinz Westpreussen.
11. Provinz Ostprenssen.
XII
Stand der Publicationen.
Sodann untersuchte er die neuen Aufschlüsse in den Ein- schnitten der Eisenbahnlinien Rothfliess-Rudczany und Sensburg- Rastenburg.
Hülfsgeologe Dr. Schulte begann die Aufnahme der Blätter Steinort und Kutten und brachte ersteres dem Abschluss nahe (G. A. 19; 51, 52).
Hülfsgeologe Dr. Kaünhowen stellte durch eine Schlussrevision das Blatt Babienten druckfertig und begann die Aufnahme des Blattes Rosengarten (G. A. 35; 24 und 19, 5o).
Bezirksgeologe Dr. Müller stellte durch eine Schlussbegehung Blatt Gr. Bartelsdorf druckfertig, vollendete die Aufnahme des Blattes Mensguth und begann diejenige des Blattes Wartenburg (G. A. 35; 15, 16, 9).
Hülfsgeologe Dr. Gagel bearbeitete die Blätter Muschaken und Reuschwerder, stellte letzteres fertig und brachte ersteres dem Abschlüsse nahe (G. A. 35; 38, 39).
Im Laufe des Jahres sind zur Publication gelangt:
A. Karten.
1. Lief. LXHI , enthaltend die Blätter Schön- berg, Morscheid, Oberstein, Buhlenberg . . 4 Blätter.
2. Lief. LXXIV. Gegend von Pollnow. Die zu dieser Lieferung gehörenden bisher noch nicht gedruckten Bohrkarten sind fertig ge- stellt und publicirt.
3. Lief. LXXVII, enthalten die Blätter Wiu- decken, Hüttengesäss, Hanau, Gr. Krotzen-
burg 4 »
4. Lief. LXXXIH, enthaltend die Blätter Lan- zig, Vitte, Saleske, Rügenwalde, Grupenhagen,
Peest 6 »
5. Lief. LXXXVHI, enthaltend die Blätter
Wargowo, Owinsk, Sady, Posen .... 4 »
Latus 18 Blätter.
XIII
Transport 1 8 Blätter.
6. Lief. LXXXIX, enthaltend die Blätter Grei- fenhagen, Wohin, Fiddichow, Bahn ... 4 »
zusammen 22 Blätter.
Es waren publicirt 394 »
Mithin sind im Ganzen 416 Blätter
publicirt. In der 2. Auflage ist ferner das Blatt Gera fertig ge- stellt und publicirt worden.
Was den Stand der noch nicht publicirten Kartenarbeiten betrifft, so ist derselbe gegenwärtig folgender:
1. In der lithographischen Ausführung sind nahezu beendet:
Lief. LXIV, Gegend von Ilmenau . . 6 Blätter.
Lief. LXVII, Gegend von Stettin ... 6 »
Lief. LXXVI, Gegend von Angermünde 6 »
Lief. LXXX, Gegend von Oderberg . . 6 »
Lief. LXXXV, Gegend von Freystadt
(Westpr.) 4 »
zusammen 28 Blätter.
2. In der lithographischen Ausführung begriffen sind:
Lief. LII, Gegend von Halle a/S. ... 7 Blätter.
Lief. LXIX, Gegend von Kyritz ... 6 »
Lief. LXXIX, Gegend von Bernkastel . 6 »
Lief. LXXXI, Gegend von Freienwalde 5 »
Lief. LXXXIV, Gegend von Orteisburg 6 »
Lief. LXXXVI, Gegend von Garnsee . 4 »
Lief. LXXXVII, Gegend von Woldegk-
Gandenitz 5 »
zusammen 1. u. 2. 67 Blätter.
3. In der geologischen Aufnahme fertig, jedoch
noch nicht zur Publication in Lieferungen abgeschlossen 131 »
4. In der geologischen Bearbeitung begriffen . 168 »
Es sind mithin einschliesslich der publicirten
Blätter in der Anzahl von 416 »
im Ganzen 782 Blätter
zur Untersuchung gelangt.
1. Neue Folge.
B. Abhandlungen.
Heft 22. E. Dathe, Das Schlesisch-sudetische Erdbeben vom 11. Juni 1895. Mit 1 Karte.
2. Neue Folge. Heft 26. K. Keilhack, E. Zimmermann und
R. Michael, Verzeichniss von auf Deutschland bezüglichen geologischen Schriften- und Karten-Verzeichnissen.
3. Neue Folge. Heft 27. R. Wagner, Der Muschelkalk von Jena.
4. Neue* Folge. Heft 28. Gr. Berendt und F. Kaunhowen, Der
tiefere Untergrund Berlins.
Ausserdem sind noch folgende Abhandlungen im Druck und in der Lithographie befindlich:
1. Neue Folge. Heft 9. Beyschlag und Potonie, Ueber das
Rothliegende des Thüringer Waldes. Theil I : Zur Geologie des Thüringer Rothliegenden von F. Beyschlag.
2. Neue Folge. Heft 18. H. Schröder, Die Säugethierfauna des
Mosbacher Sandes.
3. Neue Folge. Heft 24. A. von Koenen, Die Mollusken des
Norddeutschen Neocom.
4. Neue Folge. Heft 25. G. Müller, Die Mollusken des Unter-
Senon von Braunschweig und Ilsede.
C. Jahrbuch
der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt und Berg- akademie für das Jahr 1896.
Nach dem Berichte für das Jahr 1896 betrug die Gesammt- zahl der im Handel debitirten Kartenblätter . . 35520 Blätter.
Im Jahre 1897 wurden verkauft: von Lief. I, Gegend von Nordhausen . 32 Bl.
» » II, » » Jena . . . 45 »
» » III, >' » Bleicherode . 37 »
114 Blätter.
Latus 35 634 Blätter.
XV
Transport 35 634 Blätter.
|
von |
Lief. IV, |
Geg. |
von |
Erfurt |
16 Bl. |
||
|
» |
» |
V, |
» |
» |
Petersberg . |
16 |
» |
|
» |
» |
VI, |
» |
» |
Saarbrücken |
||
|
I. Theil . . |
35 |
» |
|||||
|
» |
» |
VII, |
» |
» |
Saarbrücken |
||
|
II. Theil . . |
53 |
» |
|||||
|
» |
» |
VIII, |
» |
» |
Riechelsdorf |
51 |
» |
|
» |
» |
IX, |
» |
des KyflPhäusers |
86 |
» |
|
|
» |
» |
X, |
» |
von |
Saarburg |
14 |
» |
|
» |
» |
XI, |
» |
» |
Nauen . . . |
5 |
» |
|
» |
» |
XII, |
» |
. » |
Naumburg a. S. |
35 |
» |
|
» |
» |
XIII, |
» |
» |
Gera .... |
46 |
» |
|
» |
» |
XIV, |
» |
» |
Berlin NW. . |
6 |
» |
|
» |
» |
XV, |
» |
» |
Wiesbaden . . |
33 |
» |
|
» |
» |
XVI, |
» |
» |
Mansfeld . . |
21 |
» |
|
» |
» |
XVII, |
» |
» |
Triptis . |
19 |
» |
|
» |
» |
XVIII, |
» |
» |
Eisleben . |
44 |
» |
|
» |
» |
XIX, |
» |
» |
Querfurt |
69 |
» |
|
» |
» |
XX, |
» |
» |
Berlin S. |
21 |
» |
|
» |
» |
XXI, |
» |
» |
Frankfurt a. M. |
25 |
» |
|
» |
» |
XXII, |
» |
» |
Berlin SW. |
9 |
» |
|
» |
» |
XXIII, |
» |
» |
Ermschwerdt . |
35 |
» |
|
» |
» |
XXIV, |
» |
» |
Tennstedt . |
8 |
» |
|
» |
» |
XXV, |
» |
» |
Mühlhausen |
3 |
» |
|
» |
» |
XXVI, |
» |
» |
Berlin SO. . |
17 |
» |
|
» |
» |
XXVII, |
» |
» |
Lauterberga. H. |
21 |
» |
|
» |
» |
XXVIII, |
» |
>; |
Rudolstadt . |
21 |
» |
|
» |
» |
XXIX, |
» |
» . |
Berlin NO. . |
14 |
» |
|
» |
» |
XXX, |
» |
» |
Eisfeld in Thür. |
31 |
» |
|
» |
» |
XXXI, |
» |
» |
Limburg |
19 |
» |
|
» |
» |
XXXII, |
» |
» |
Gardelegen . |
16 |
» |
|
» |
» |
XXXIII, |
» |
» |
Schillingen . . |
19 |
» |
|
» |
» |
XXXIV, |
» |
» |
Nassenheide |
1 |
» |
809 Blätter.
Latus 36 443 Blätter.
XVI
Transport 36443 Blätter.
|
von |
Lief. XXXV, |
Geg. |
von |
Rathenow . |
9 Bl. |
||
|
» |
» |
XXXVI, |
» |
» |
Hersfeld . |
109 |
» |
|
» |
» |
XXXVII, |
» |
» |
Meiningen . . |
52 |
» |
|
» |
» |
XXXVIII, |
» |
» |
Stendal . . . |
2 |
» |
|
» |
» |
XXXIX, |
» |
» |
Gotha |
28 |
» |
|
» |
» |
XL, |
» |
» |
Saalfeld i. Thür. |
15 |
» |
|
» |
» |
XLI, |
» |
» |
Selters |
48 |
» |
|
» |
» |
XLIl, |
» |
» |
Taugerinünde . |
16 |
» |
|
» |
» |
XLIII, |
» |
» |
Marienwerder . |
3 |
» |
|
» |
» |
XLIV, |
» |
» |
Ems .... |
25 |
» |
|
» |
» |
XLV, |
» |
» |
Melsungen . |
56 |
» |
|
» |
» |
XLVI, |
» |
» |
Birkenfeld . . |
16 |
» |
|
» |
» |
XLVII, |
» |
» |
Heilsberg . . |
10 |
» |
|
» |
» |
XLVIII, |
» |
» |
Burg .... |
4 |
» |
|
» |
» |
XLIX, |
» |
» |
Bieber . . . |
25 |
» |
|
» |
» |
h, |
» |
» |
Trier .... |
19 |
» |
|
» |
» |
LI, |
» |
» |
Oberweiss |
13 |
» |
|
» |
» |
LIII, |
» |
» |
Eberswalde . |
1 |
» |
|
» |
» |
LV, |
» |
» |
Schwarzburg |
44 |
» |
|
» |
» |
LVI, |
» |
» |
Hildburghausen |
26 |
» |
|
» |
» |
LVII, |
» |
» |
Greiz .... |
16 |
» |
|
» |
» |
LVIII, |
» |
» |
Templin . . . |
24 |
» |
|
» |
» |
LIX, |
» |
» |
Neustettin . . |
1 |
» |
|
» |
» |
LX, |
» |
» |
Heldburg |
12 |
» |
|
» |
» |
LXI, |
» |
» |
Bartenstein . . |
15 |
» |
|
» |
» |
LXII, |
» |
» |
Göttingen |
53 |
» |
|
» |
» |
LXVI, |
» |
» |
Prenzlau . . . |
316 |
» |
|
» |
» |
LXVIII, |
» |
» |
Wilsnack . . |
8 |
» |
|
» |
» |
LXXI, |
» |
» |
Nörten |
78 |
» |
|
» |
» |
LXXII, |
» |
» |
Coburg |
5 |
» |
|
» |
» |
LXXIII, |
» |
» |
Müncheberg |
10 |
» |
|
» |
» |
LXXIV, |
» |
» |
Bu blitz . . |
3 |
» |
(und ausserdem 28 Bohr- karten besonders.)
1062 Blätter.
Latus 37 505 Blätter.
XVII
Transport 37 505 Blätter.
von Lief. LXXV, Geg. von Rössel . . . 219 Bl.
» » LXXXII, » » Scblawe ... 162 »
» » LXXXIII, » » Rügeuwalde . 135 »
516 Blätter,
so dass ini Ganzen dnreli den Verkauf debitirt sind: 38 021 Blätter.
Von den Abhandlnngen zur geologischen Specialkarte etc. sind verkauft worden:
|
Band I, Fleft 1. |
(Eck, Rüdersdorf und LTingegend) |
2 Exeinpl |
||||
|
» |
» |
» |
4. |
(Meyn, Insel Sylt) |
5 |
» |
|
» |
n, |
» |
1. |
(Weiss, Steinkohlen -Galainarien I) |
1 |
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» |
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2. |
(Orth, Rüdersdorf und LTmgegend) |
5 |
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4. |
(Kayser, Devon-Ablagerungen) |
2 |
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111, |
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1. |
(Weiss, Flora des Rothliegenden |
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von Wünschendorf) |
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2. |
(Läufer n. Wahnschaffe, Boden- |
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Untersuchungen) |
5 |
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3. |
(Meyn, Schleswig -Holstein) . |
4 |
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4. |
(Schütze, Niederschles. Steinkohlen- |
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becken) |
3 |
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IV, |
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1. |
(Schlüter, Echinideu) .... |
2 |
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4. |
(Speyer, Bivalven des Casseler Ter- |
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tiär) . |
3 |
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V, |
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1. |
(Roemer, Die geologischen Verhält- |
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nisse von Hildesheiin) .... |
1 |
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2. |
(Weiss, Steinkohlen-Calamarien II) |
1 |
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3. |
(Läufer, Die Werder’scheu Wein- |
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berge) |
2 |
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4. |
(Liebe, Ostthüriugen) |
3 |
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VI, |
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1. |
(Beushausen, Spiriferensandsteiii) . |
4 |
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2. |
(Blankenhorn, Trias der Eifel) . |
2 |
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Vll, |
» |
1. |
(Wahnschaffe, Uingegend von |
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Magdeburg) |
6 |
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Jahrbuch |
1897, |
b |
XVIII
Bd. VII, Heft 2. (Berendt, Märkisch -Pommersclies
Tertiär) 4 Exeinpl
» VIII, » 1. (Berendt und Dames, Umgegend
von Berlin) G »
» » » 4. (Schlüter, Anthozoen) .... 1 »
» IX, » 1. (Ebert, Echiniden) 2 »
» » » 3. (Frech, Aviculiden) 2 »
» » » 4. (Kinkelin, Wette rau) 3 »
» X, » 1 — 7. (von Koenen, Unter- Oligocän) 7 »
|
Neue Folge. |
lieft 1. |
(Kayser, Ilauptquarzit) . |
1 Exemp |
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2. |
(Sterzel, Sigillarieu) . |
1 |
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5. |
(Schlüter, Echiniden) |
1 |
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7. |
(Uthemann , Braunkohlen - |
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Lagerstätten am Meissner) |
2 |
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8. |
(von üeinaCH , Das Roth- |
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liegende in der Wetterau) |
8 |
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11. |
(WöLFER, Geolog. Special- |
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karte u. Bodeneinschätzung) |
10 |
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12. |
(Bücking, Der nordwestliche |
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Spessart) |
7 |
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13. |
(Dathe, Umgegend von Salz- |
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hrunn) |
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» |
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14. |
(Keilhack , Zusammenstel- |
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lung von geolog. Schriften) |
3 |
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16. |
(Holzapfel, Mitteldevon im |
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rheinischen Gebirge) |
2 |
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17. |
(Beushausen, Lamellibran- |
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chiaten) |
3 |
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19. |
(Ebert, Tiefbohrungen in |
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Oberschlesien) .... |
7 |
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20. |
(Wahnschaffe, Umgegend |
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von Buckow) . . . . . |
4 |
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21. |
(POTONIE, Floristische Glie- |
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|
derung des deutschen Car- bon und Perm) .... |
3 |
» |
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» |
» |
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22. |
(Dathe, Das schlesisch-sude- |
||
|
tische Erdbeben) .... |
44 |
» |
xlx
Neue Folge. Heft 26. (Keilhack und Michael,
Geologisches Literatur-Ver-
zeicliniss) 41 Exempl.
» » » 27. (Wagner, Muschelkalk von
Jena) 39 »
» » » 28. (Berendt, Der tiefere Unter- grund Berlins) .... 41 »
Von den Jahrbüchern der geologischen Landes- anstalt und Bergakademie wurden verkauft ... 60 »
Von den sonstigen Karten und Schriften wurden verkauft:
Höhenschichtenkarte des Harzgebirges 4 Exempl.
Geolos^ische Uebersichtskarte des Harz^ebirp:es . . 12 »
Weiss, Flora der Steinkohlenformation 35 »
Lossen und Dames, Karte der Umgegend von Thale 8 »
Geologische Karte der Stadt Berlin 15 »
Höhenschichtenkarte des Thüringer Waldes ... 13 »
Geologische Uebersichtskarte des Thüringer Waldes 102 »
t
XX
2.
Arbeitsplan
der Königliclieii geologischen Landesanslalt für das Jahr 1898.
I. Die Aufnahmen im Gebirgslande.
I. Der Harz und seine Umgebung.
Landostjeoloofe Dr. Koch wird in Ge mein sch aft mit dem Be- zirksgeologen Dr. Beushausen den südöstlich des Brnchberg- Acker- berges liegenden Antheil des Blattes Riefensbeek aufnehmen (G. A. 56; 13) D- Ausserdem wird er die Altersstellung der in der Nähe der Grenze der Blätter Zellerfeld und Harzburg (G. A. 56; 7, s) auftretenden Diabase, insbesondere durch Untersuchungen am Spitzenberge auf letzterem Blatte, zu bestimmen suchen.
Professor Dr. Klockmann wird in dem Blatte Seesen (G. A. 55; 12) die Aufnahme des nördlich des Lautenthaler Gangzuges liegenden Theiles zum Abschluss bringen und ausserdem die Be- arbeitung des ihm übertragenen Theiles des Blattes Osterode (G. A. 55; 18) zu Ende führen.
Bezirksgeologe Dr. Beushausen wird nach Beendigung der mit Landesgeologen Dr. Koch zu bewirkenden Aufnahme in Blatt Riefensbeek und Ergänzung einiger kleiner Lücken auf Blatt Zellerfeld (G. A. 56; 7) die Revisionsarbeiten in Blatt Andreas- berg (früher Braunlage) (G. A. 56; m) weiterführen.
b Gradabtheilung 56, Blatt 13.
XXI
Von dem Blatte Osterode, welches mit den Blättern Seesen, Zellerfeld und Riefensbeek in diesem Jahre fertiggestellt werden soll, wird Hülfsgeologe Dr. Zeise nach Beendigung des Blattes Danzig die Qiiartärbildungen in dem westlichen und südwestlichen nicht hercynischen Theil des Blattes bearbeiten (G. A. 55; is).
Im nördlichen Vorlande des Harzes wird Landesgeologe Professor Dr. Ebert die Aufnahme des Blattes Osterwieck ab- schliessen (G. A. 56; s).
Westlich des Harzes wird Geheimer Bergrath Professor von Koenen die Aufnahme des Blattes Dransfeld beenden (G. A. 55; 27) und die der Blätter Salzhemmendorf, Gronau, Sibesse, Bockeuem, Alfeld, Lamspringe, Dassel und Hardegsen fortsetzen (G. A. 41; 56, 57, 58, 59. 55; 8, 5, 9, 2l).
2. Thüringen.
Professor Dr. Scheibe wird die Revision des Blattes Brotterode beenden und dasselbe druckfertig hersteilen (G. A. 70; 7).
Professor Dr. Beyschlag wird eine Revision des Blattes Schwarza (G. A. 70; 20) und des Grenzgebietes der Blätter Salzungen und Brotterode (G. A. 69; 12. 70; 7) vornehmen.
Bezirksgeologe Dr. Zimmermann wird die Blätter Lehesten, Lobenstein und Hirschberg (G. A. 71; 3i, 32, 33) druckfertig her- steilen und eine Revision des mit diesen zusammen zu veröfient- licheuden Blattes Schleiz (G. A. 71; 27) ausführen.
Derselbe wird die Aufschlüsse in den neuen Eisenbahnlinien Naumburg-Deuben und Deuben-Corbetha untersuchen.
Bergrath Frantzen wird die Aufnahme der Blätter Treffurt und Langula zum Abschluss bringen (G. A. 55; 54. 56; 49).
3. Provinz Hessen -Nassau.
a. Regierungsbezirk Cassel.
Professor Dr. Beyschlag wird die Blätter Wilhelmshöhe und Besse in der Aufnahme vollenden und sie sowie die angrenzenden Blätter Cassel und Kaufungen (G. A. 55 ; 37, 38, 43, 44) druckfertig herstellen.
XXII
Bezirksgeologe Dr. Denckmann wird im Kellerwaldgebiete das Blatt Frankeuau (G. A. 54; 5s) abschliessen und alsdann durch eine Schlussrevision die mit diesem zusammen zu verööent- lichenden Blätter Kellerwald, Kosenthal und Gilserberg zum Drucke fertigstellen (G. A. 54; 59. 68; 4, 5).
Major a. D. von Seyfried wird die Aufnahme des Blattes Schlüchtern weiterführen (G. A. 69; 38).
b. Begierungsb ezirk Wiesbaden.
Professor Dr. Kayser wird die Aufnahme der Blätter Dillen- burg und Tringenstein zum Abschluss zu bringen suchen (G. A. 67; 18. 68; 13).
Professor Dr. Holzapfel wird die Aufnahme der Blätter Merenberg, Weilburg, Braunfels, Wetzlar und Weilmünster (G. A. 67; 30, 36. 68 ; 25, 26, 3i) weiterführen.
4. Die Rheinprovinz.
Landesu-eoloffe Grebe wird die Aufnahme der Blätter Recht
O O
und Set. Vith im Kreise Malmedy (G. A. 65; 4i, 4?) beenden.
Bezirksgeologe Dr. Leppla wird nach Beendigung der Unter- suchungen im oberen Oderstromgebiet die Aufnahme der Blätter Gemünden, Kirn und Baumholder im Nahe -Gebiet beginnen (G. A. 81 ; 7, 13, 19).
Professor Dr. Holzapfel wird die Aufnahme der Blätter Herzogenrath, Aachen, Stolberg und Eupen weiterführen (G. A. 65; 11, 17, 18, 23).
5. Provinz Westphalen.
Tjandesgeologe Dr. IvORETZ wird die Arbeiten im Mitteldevon- gebiet der Lenne-Gegend von Iserlohn aus (G. A. 53; 39) fort- setzen und die dazu erforderlichen Vergleichsbegehungeu ausführen.
6. Provinz Schiesien.
Landesgeologe Dr. Dathe wird die Aufnahme der Blätter Rudolfswaldau, Langenbielau, Wüuschelburg und Neurode druck- fertig herstellen (G. A. 76; 19, 20, 25, 26).
XXIII
Bezirksgeologe Dr. Leppla wird in dem oberen Oderstroingebiet geologische Untersuchungen zur Vorbereitung von Kegulirungs- arbeiten ausführen.
II. Die Aufnahmen im Flaclilande
mit besonderer Berücksichtigung der agronomischen
Verhältnisse.
7. Hannover.
Landesgeologe Dr. Schröder wird unter Hülfeleistung des neu eintretenden Dr. Monke ein aus den Messtischen Stade, Hagen und Horneburg und dem linkselbischen Thcile des Blattes Uetersen bestehendes Aufnahmegebiet in Angriff nehmen (G. A. 24; 19, 20, 25, 26).
Bezirksgeologe Dr. Müller wird nach Abschluss seiner Aufnahmen in Ostpreussen ein neues Arbeitsgebiet mit der Aufnahme der Blätter Artlenburg, Lauenburg und Lüneburg be- ginnen (G. A. 25; 67, 38, 43).
8. West-Priegnitz.
Landesgeologe Professor Dr. Wahnschaffe wird ein aus 6 Blättern bestehendes Arbeitsgebiet in der Gegend von Lenzen an der Elbe in Angriff nehmen (G. A. 26; 49/51 55/57 ein- schliesslich des preussischen Antheils der Blätter 44/45).
9. Neumark.
Landesgeologe Dr. Schröder wird Blatt Soldin zum Ab- schluss bringen (G. A. 46; 4) und dabei den neu eintretenden Dr. Monke in die Aufnahmearbeit einführen. Sodann wird er ein neues Arbeitsgebiet in Hannover beginnen (siehe oben).
Hülfsgeologe Dr. Krusch wird zunächst das Blatt Warten- berg fertigstellen und sodann auf Blatt Rosenthal übergehen (G. A. 46; 8, 9).
Hülfsgeologe Dr. Michael wird von dem ihm im Vorjahre überwiesenen Arbeitsgebiete zunächst die Blätter Lippehne und Schönow in Angriff nehmen (G. A. 29; 58, 59).
XXIV
Kulturtecbniker Dr. Wölfer wird zunächst die 6 Blätter seiner Aufnahme durch eine Schlussheffehuno: druckfertis: stellen (G. A. 46; 13/15 19/21) sowie die in den anstossenden Blättern Neu-Lewin, Freienwalde und Oderberg nöthige Begehung der Schlickgehiete ausführen (G. A. 45; 18, n, 11) und sodann die Aufnahme des Blattes Tamsel vollenden (G. A. 46; 21).
Dr. Korn wird nach Fertigstellung des Blattes Vietz die Aufnahme des Blattes Massin bewirken (G. A. 46; 22, le).
Hülfsgeologe Dr. Schulte wird die Aufnahme des Blattes Stafielde ausführen (G. A. 45; 10).
10. Provinz Posen.
Hülfsgeologe Dr. Kühn wird die Aufnahme des Blattes Schocken zu Ende führen (G. A. 48; 23) und sodann in das Danziger Arbeitsgebiet übergehen.
II. Provinz Pommern.
Landesgeologe Dr. Keilhack wird Blatt Moratz fertigstellen und sodann Blatt Gr. Sahow bearbeiten (G. A. 29; 16, is). Die etwa noch bleibende Zeit wird derselbe auf Fertigstellung von Blättern des Greifenberger Kreises verwenden.
Hülfsgeologe Dr. Schmidt wird nach Vollendung des Blattes Gülzow die Aufuahme des Blattes Zickerke bewirken (G. A. 29;
10, 17).
Geheimer Bergrath Professor Dr. Berendt wird in der durch Kevisionsreisen in andre Arbeitsgebiete nicht in Anspruch ge- nommenen Zeit die Aufnahme des Blattes Langenhagen zu Ende führen und sodann ein neues Arbeitsgebiet in der Frankfurter Gegend in Angriff nehmen (G. A. 46; 31/33, 37/39, 43/45).
12. Westpreussen.
Professor Dr. Jentzsch wird die Aufnahme des Blattes Liuowo fortsetzen und nach Fertigstellung desselben einen bis zur südlichen Gradabtheilungsgrenze reichenden Streifen von 2 Mess- tischbreiten mit der Bearbeitung der Blätter Schwetz und Sarto- witz beginnen (G. A. 33 ; 35, 31, 32).
XXV
Professor Dr. Grüner wird nach Vollendung des Blattes Gollnp (G. A. 33; 5.-]) die Anfnalnne des Blattes Bahrendorf und des südlichen Grenzstreifens (Blatt Szewo) bewirken (G. A. 33;
47, 58).
Ilülfsgeologe Dr. Zeise wird Blatt Danzig (G. A. 16; 8s) fertigstellen und sodann in ein andres Arbeitsgebiet übergehen.
Hülfsgeolof>:e Dr. Kühn wird nach Abschluss seiner Arbeiten iin Poseu’schen die Anfnahme der Blätter Nickelswalde und Karthaus nördliche Hälfte beginnen (G. A. 16; 40 und G. A. 15; 42).
Dr. Wolfe wird die Aufnahme des an das bearbeitete Blatt Pranst anstossenden Messtisches Trntenaii aiisführen (G. A. 16; 4ö) lind sodann auf Blatt Karthaiis südliche Hälfte übergehen (G. A. 15; 42).
Ilülfsgeologe Dr. Maas wird im Anschluss an Blatt Tuchei die Anfnahme der Blätter Reetz, Woziwoda, Jehleuz, Moukowarsk und Klonowo beginnen (G. A. 32; 21/22. 27; 33/34).
Geheimrath Berendt und Professor Jentzsch werden zu geeigneter Zeit eine Bereisung des Weichselgebietes bis zur russischen Grenze oberhalb Thorn behufs Feststellung der zu unterscheidenden Thalterrassen ausführen, wie solches im Warthe= und Odergebiete bereits geschehen ist.
13. Ostpreussen.
Professor Dr. Klees wird neben einer speciellen Leitung der Aufnahmearbeiteu im Angerburger Kreise die Bearbeitung des aus 6 Blättern bestehenden Sensburger Gebietes in Angrifi* nehmen (G. A. 35; 5/6, 11/12, 17/18).
Derselbe wird ausserdem die neu eintretendeu Geologen Dr. Klautzsch und Dr. Krause in die Aufnahmearbeit eiuführen und von den Genannten in der FoDe unterstützt werden.
Ilülfsgeologe Dr. Kaunhowen wird die im Vorjahre be- gonnenen Blätter Rosengarten und Stürlack zum Abschluss bringen bezw. auf Blatt Drengfurth übergehen (G. A. 19; 50, ög, 44).
Ilülfsgeologe Dr. Gagel wird nach Fertigstellung des Blattes M uschaken (G. A. 35; 38) die Aufnahme der Blätter Lötzen und
XXVI
Kruglanken westliche Hälfte sowie den Abschluss des von Dr. Schulte im Vorjahre bearbeiteten Blattes Gr. Steinort bewirken (G. A. 19; 57, 58, 5l).
Bezirksgeologe Dr. Müller wird zunächst das im Vorjahre begonnene Blatt Wartenburg, sowie durch eine Schlussbegehung die Blätter Gr. Bartelsdorf und Meusgnth druckfertig stellen (G. A. 25; 9, 15/16) und sodann ein neues Arbeitsgebiet in Hannover beginnen.
Anderweitige Arbeiten.
Behufs der Einführung der zu einem Ausbildungskursus bei der Geologischen Landesanstalt einberufenen 4 Lehrer landwirth- schaftlicher Schulen in die geologisch-agronomische Aufnahme werden die Landesgeologen Dr. Keilhack und Dr. Schröder, der Bezirksgeologe Dr. Müller und der Hülfsgeologe Dr. Gagel mit diesen während 14 Tagen Aufnahmearbeiten in dem Blatte Seelow (G. A. 46; 25) ausführen und dabei zugleich die neu ein- getretenen Geologen Dr. Klautzsch und Dr. Krause anleiten.
Landesgeologe Dr. Dathe wird auf das an die Geologische Landesanstalt gerichtete Ersuchen des Königlichen Oberbergamtes in Breslau eine geologische Untersuchung der Quellenverhältnisse des Bades Landeck ausführen.
XXVII
3.
Mittheilungeil
der Mitarbeiter der Königlichen geologischen Landesanstalt über Ergebnisse der Aufiiahinen im
Jahre 1897.
H. Loretz: Bericht über die Ergebnisse der geolo- gischen Aufnahmen 1897 in der Gegend von Iserlohn und Hagen.
Auf dem Blatte Iserlohn wurde die Specialkartirung be- sonders im nordöstlichen Theile weitergeführt und auf die an- grenzenden Theile der benachbarten Blätter Menden (im Norden) lind Balve (im Osten) ausgedehnt. Es kommt hier die Schich- tenfolge vom Mitteldevon bis zum Carbon (Lenneschiefer bis Flötz- leerer Sandstein) in Betracht.
Im Lenneschiefer ist in dem Gebirgstheil südlich von den Ortschaften Westig, Sundwig und Deilinghofen die Lagerung im Ganzen ziemlich regelmässig, das Einfallen der Schichten ist meisthin nördlich mit 30^ bis 20^, hier und da noch flacher, selten steiler. Ostwärts (zwischen Deilinghofen, Brockhausen und dem Balver Wald) ist die Fällrichtung mehr nordöstlich. Das Gestein ist der ziemlich düunbankige bis -plattige, zum Theil etwas uneben oder flach wellig geschichtete, graue bis schmutzig grau- grünliche Grauwackenschiefer, wie er auch näher bei Iserlohn und an anderen Stellen den hängendsten Theil des Lenneschiefer- Gebirges bildet; hier und da wird er etwas kalkhaltig und dann leicht mürbe und bröcklig. Versteinerungen kommen hier und da
XXVIII
vor. Die härteren Lagen unterscheiden sich übrigens petrogra- |)hisch kaum von den zum Theil etwas quarzitischen Grauwacken- sand s te i n bänken der älteren Theile dieses Gebirges und schliessen, wie diese, undeutliche vegetabilische Reste ein.
Das in meiner vorigen Mittheilung schon erwähnte Kalk- zwischenlager des Lenneschiefers mit Cyathophyllum quadrigeniinum Goldf. und anderen Versteinerungen, welches vom Lennethal unterhalb Nachrodt ostwärts über Pillingsen und Lössel zieht, ist auf Blatt Iserlohn zunächst dessen Westgrenze in der Nähe der Häusergruppe Bühr in Form von Kalkbänkchen mit viel Crinoiden- stieltrümmern und anderen Versteinerungen (z. B. Aulopora repens) und von unreinen kalkigen Schiefern oder Grauwackensandsteinen, begleitet von weichen, leicht zu gelblichem Boden verwitternden Thonschiefern zu erkennen. Ebendahin gehören ferner etwas nord- östlich von da die Kalkblöcke mit der genannten Cyathophyllum- Art im Aus^ano^e des Seitenthals bei der Ruine Frauenstuhl im Thal der Grüne. Zwischen dieser Stelle und dem Thale des Westiger Baches, weiter östlich, ist es, obwohl gewisse Terrain- verhältuisse das Durchziehen einer leichter zerstörbaren Schichten- folge anzudeuten scheinen, nicht gelungen ein kalkiges Zwischen- lager im Zusammenhänge nachzuweisen ^). An der Ostseite des genannten Thaies jedoch, besonders am Waldwege nach Fröns- berg, sind Kalkzwischenbänke mit Cyathophyllum quad^dgeminum (daneben auch mit Cyathophylluvi caespitomni^ Favositen, Stromato- poren wuchs und Crinoidenstieltrümmern) theils anstehend, theils in ihren Bruchstücken, leicht zu beobachten; und wahrscheinlich ist es wieder derselbe Horizont, der im nächsten Thale ostwärts, zwischen Grünthal und Winterhof durchstreicht, obwohl auch hier
b Dieses Jalirhiich für 1896, S. LII.
b Nur bei Frauzoseuliohl und im Hintergründe des Wermingser Thals, un- weit der daselbst befindlichen Stadt- Teiche giebt sich etwas kalkiges Material ohne Schwierigkeit zu erkennen. — Soweit nicht compacte Kalkbänke, sondern nur unreine kalkige Schiefer und Grauwacken vorliegen, ist es übrigens selbst- verständlicli, dass diese durch Verwitterung streckenweise völlig zerstört werden können und sich dann der Beobachtung entziehen. So ist es auch äusserst schwierig, die in dem Stollen der Iserlohner Wasserleitung nachgewiesenen kal- kigen Bänke an der Oberfläche aufzufinden.
XXIX
in der waldigen Zwiselienstrecke der Zusammenhang kaum zu er- kennen ist.
Das in der vorigen Mittheil iing ebenfalls bereits erwähnte oberste Kalkzwischenlager im Lenneschiefer konnte so gut wie zusammenhängend über die ganze Breite von Blatt Iserlohn nach- o-ewiesen werden. Bei Deilin<^hofen durch Gebirj^sschutt aller- diugs zugedeckt, kommt es doch bei Brockhausen so eben wieder zum Vorschein und steht vor Bäingsen (Blatt Balve) felsbildend und über 10 Meter stark an. CyatJiophijUuni quadrigeminum wurde in diesem Lager nicht beobachtet, wohl aber, neben Stromatoporen und Favositen Cgathophyllum caespitosum^ scheint auch, doch nicht häufig, eine Actinocystis-Kvi darin vorzukommen.
Im Verlaufe des nördlichen Randes des Lenneschiefergebirges, an welchem Rande der Elberfelder Kalk beginnt, machen sich bei Westig, Sundwig und Deilinghofen verschiedene, quer oder schräg zum Streichen des Schiefers gerichtete Verwerfungen geltend. Die Störung der Lagerung greift hier weiter nördlich aus und bewirkt einen sehr unregelmässigen Grenzverlauf zwischen oberst^un Mitteldevon und Oberdevon. Das Vorkommen von verkieseltem Kalk und Schiefer etwa 2 Kilometer südöstlich von Deilinghofen, innerhalb des Lenneschiefergebiets, dürfte an eine dieser Störungs- spalten gebunden sein, welche in entgegengesetzter Richtung in das bekannte Sundwiger Felsenmeer (im Gebiete des Elberfelder Kalkes) trifft.
Nach der Lage der Stellen, wo Amphipora ramosa im Elber- felder Kalke dieser Gegend beobachtet wurde, scheint diese Ver- steinerung in verschiedenen Horizonten wiederzu kehren.
Die in der vorij^en Mittheiluno: Seemächten Anoeaben über die Schichtenfolge und die Gesteine des hiesigen Oberdevon und seine Grenze zum Culm treffen auch für den nordöstlichen Theil von Blatt Iserlohn und weiter bis zum Ilönnethal (Blatt Balve) durch- aus zu. Bei Oese greift das Oberdevon etwas auf das nördlich angrenzende Blatt Menden über. Es bestätigt sich hier‘^), dass
b A. a. 0. S. L oben, und LT unten, b Vergl. a. a. 0. S. LIX, Anm. 2.
XXX
im obersten Oberdevon sandig -f>:limmeri2re Schichten zwischen
o O
weicherem Schiefer und kalkigen Laoten bis sranz nah an die Gulm- grenze herangehen. Man sieht das z. B. gut in einem alten, kleinen Steinbruche an der Strasse in Oese, wo solche sandig- glimmerige, leicht zerfallende Bänke und Bänkchen mit Pflanze n- spuren ganz nahe an den untersten Culmkieselschiefern liegen; im Wechsel und in Verwachsung mit ihnen stehen plattig-knollige Kalklagen an, von dichter Structur, innen grau, aussen gelblich- braun, mit deutlichen Spuren von Gon iatiten; also ein sehr rascher Wechsel der Ablao^erungsbedinguugen.
Die Culmschichten sind bei Hemer und Oese in verschiede- nen, grösseren Steinbrüchen aufgeschlossen, welche besonders die den Kieselschiefern und weicheren schwarzen Schiefern zwischen- geschalteten Kalk- und Kieselkalkbänke zum Gegenstand der Ge- winnung haben. Im dritten dieser Steinbrüche unterhalb Oese finden sich dünne Lagen mit Posiclonia Bechen und andere mit plattgedrückten Goniatiten (^striatus z. Th.). In einem der Brüche nördlich von Hemer ist eine kalkige Lage aufgeschlossen, welche viele Exemplare von Goniatites sphaericus Phill. und Orthoceras sp. enthält.
Nicht weit davon ist an der Grenze der Culmschiefer zu der Gruppe des Flötzleeren Sandsteins an einem Waldweg (bereits auf Blatt Menden) soviel deutlich zu sehen, dass diese Grenze nicht ganz ohne Wechsellagerung ist, indem hier eine, vielleicht mehrere Meter starke F olge grauwackenartiger Schichten nochmals von kohlschwarzen, etwas kieseligen Schiefern überlagert wird.
In der einförmigen Schichtengruppe des Flötzleeren Sand- steins, welche nordwärts von Iserlohn auf den Blättern Schwerte und Menden grosse Flächen einnimmt, lässt sich vielleicht die- jenige Partie kartographisch aussondern, in der bei Westhofen u. s. w. in vielen Steinbrüchen ein recht brauchbarer fester Bau- und Werksandstein gewonnen wird; doch legen sich auch zwischen diese Bänke stärkere Folgen weicher, sandiger und schiefer- thoniger Schichten, zum Theil mit undeutlichem, schwarzen, vege- tabilischen Detritus erfüllt, ein, ganz so wie sie im weiteren Bereiche des Flötzleeren allenthalben verbreitet sind.
XXXI
Auf dem Blatte Hagen ist besonders der Abschnitt des Lennescbiefergebirges begangen worden, der sieb nach Sndosten au den mit Verwerfung absclmeidenden Rand längs der Enneper- Strasse anscbliesst, und etwa zwischen den Ortschaften Gevels- berg, Milspe, Altenvörde, Vörde, Selbecke, Kükelbausen und Haspe gelegen ist. Es besteht liier ganz vorwaltend südöstliches bis südsüdöstliches Einfallen der Schichten, allerdings unter ziem- lich verschiedenen Winkeln und mit einzelnen Abweichungen nach Südwesten, sowie einigen Umkehrungen nach Nordwesten, die vielleicht auf untergeordnete Muldenbildungen schliessen lassen. Nach dem Volmethal hin, zunächst oberhalb Hagen, ändert sich die Fallrichtung und wird nordöstlich.
Die bezeichnete Gebirgsmasse wird, wie das sonstige Lenne- schiefergebirge, gebildet von Grauwackensandsteinbänken mit leich- ter verwitternden Zwischenlagen von glimmerigem Grauwacken- schiefer und Thonschiefer. Kalkeinlagerungen treten hier sehr zurück. Petrographische Aehnlichkeit mit dem Lenneschiefer der Gegend bei Iserlohn, welcher, wie wir gesehen haben, dem jüngsten Theile dieser grossen Schichtenreihe angehört, ist zwar vorhanden, wird sogar an einzelnen Stellen resp. in gewissen Schichten aujÖPällig; im Ganzen jedoch bieten jene Gehirgsschichten südwestlich von Hagen dem Auge einen etwas abweichenden Ha- bitus dar. Die Grauwackensandsteinbänke, welche hier in vielen Steinbrüchen zu Bruchsteinen, Pflastersteinen und Kleinschlag ge- wonnen werden, sind meist stärker und in grösserer Menge vor- handen; ihnen wie nicht minder den dünnen Zwischenlagen kommt im frischen Zustande in grosser Verbreitung eine in’s Grünliche ziehende Färbung zu, welche jedoch in ebenso weiter Verbreitung durch Verwitterung in Roth umsetzt, und dies besonders bei den dünnen, weicheren Schichten, zum Theil aber auch bei den Grau- wackensandsteinbänken, indem hierbei zunächst nur einzelne Theile der Lagen und Bänke von der Röthung ergriffen werden, zuletzt aber die ganze Masse. So sieht man an Steinbruchswänden manchmal die obersten 3, 4, 5 Meter des aufgelockerten Gesteins völlig geröthet, die tieferen Theile jedoch nur hier und da. Es scheint, dass die erste Veranlassung der Röthung in mechanischen
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Vorgängen, insbesondere der transversalen Scliiefernng zn suchen ist, und demgemäss macht sich die Erscheinung auch in den für diese mechanische Wirkun<2!: leichter zno'äimlichen Schichten stärker geltend als in den weniger zugänglicheu, starken, harten Bänken, so dass also übereinander liegende Schichten verschieden stark geröthet sein können. Doch kommt ohne Zweifel auch die ur- sprüngliche petrographisch- chemische Zusammensetzung des Ge- steins, insbesondere die Anwesenheit des die grünliche Färbung l)edingenden Bestandtheils in Betracht, um diese secnudäre Röthung eintreten zu lassen.
Wo dieselbe nicht Platz greifen konnte, ist die Verwitte- ruimsfarbe des Granwackensandsteins und -Schiefers <xelblich-<i;ran. Wie anderwärts in den Lenneschiefergebieten finden sich oft in Menge undeutliche Pflanzenreste im Grauwackensandsteiu. Glänzende, dunkelblau-schwarze Thonschiefer als Zwi- schenschichten des letzteren sind selten, kommen al)er vor. Das zerfallene Gestein bietet im Ganzen mehr eiu scholliges Aussehen, während dem Lenneschiefer der Gebirofslaj^e bei Iserlohn u. s. w. mehr ein plattiges eigen ist.
Es sei hier beiläufig bemerkt, dass die Gegenüberstellung der durch nicht bedeutende, aber doch nicht zu übersehende petrogra- phische LTnterschiede charakterisirten Grauwackensandsteinbänke und Grauwackenschieferschichteu des Lenneschiefergebirges, wie sie hier zunächst nur für die Gegend von Hagen einerseits und von Iserlohn andererseits angegeben ist, so viel ich bis jetzt ge- sehen habe, für weitere Gebiete dieses Gebirges Geltung bean- spruchen kann. Die Begehungen reichen aber bei Weitem noch nicht aus und der Beobachtungen sind noch zu wenig gesammelt, als dass ich eine Meinung darüber äussern möchte, ob hier nur facieil Verschiedenes vorliegt, oder ob auch Altersunterschiede mitspielen.
In der Gegend von Gevelsberg, Vörde u. s. w. erhalten ein- zelne Bänke des Grauwackensaudsteins durch Verwitterung ein gebräuntes, zerfressenes oder grubiges Ansehen, was wohl an einem Gehalte au Kalk und Schwefeleisen liegt. Eine petrographisch hierhergehörige Bank, die in einem Steinbruch an der Strasse
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nordöstlich von Vörde bei Verneis aufgeschlossen ist, enthält in Menge denselben Zweischaler, welchen Beushausen von »Oben Zinn Holze« bei Grafrath beschrieben und abgebildet hat, nämlich Amnigenia rhenana Beush. ; auch die Art des Yorkommens und der Erhaltung stimmt, nach jener Beschreibung, hier wie dort überein; wie dort schliesst auch hier die betreffende Schicht ausser den Zwischenschalern unbestimmbare Pflanzenreste ein.
Andere Bivalven wurden in einem Steinbruch unweit Jellino:- hausen gefunden, wo eine, Grauwackenschieferbank von deren Resten erfüllt ist; sie lassen sich wohl grösstentheils auf eine Art beziehen ; daneben sind auch mehr zurücktretend Gastropoden vorhanden.
Ein weiteres Vorkommen von Versteinerungen wurde in einem Steinbruch am Ausgang des Hasperbachthals ganz nahe bei Haspe entdeckt. Hier findet sich in dunklem, glimmerigen Grauwackeu- schiefer ziemlich häufig ein Bellerophon und daneben seltener eine Discina.
Weiterhin enthält an der Süd Westseite des Kesselberofs, süd- wärts von Haspe, eine dem Lenneschiefer von Iserlohn u. s. w, petrographisch ähnliche Schicht ^pirifer mediotextus Arch.-Vern. und Avicula reüculata Gi"., beide ziemlich häufig.
Von den die Korallenspecies Cyathophyllum quadrigeminum Gf. enthaltenden Kalkzwischenlao^ern des Ivenneschiefers bei Del- Stern und Eilpe oberhalb Hagen im Volmethal war schon in der früheren Mittheilung die Rede ^). Dieselbe Art kommt auch am entgegengesetzten Ende des uns hier beschäftigenden Gebirgsab- Schnittes vor, im Ennepethale bei Milspe, und nicht weit davon bei Heilenbecke, auch hier also an verschiedenen Stellen und unter Verhältnissen, welche darauf hinweisen, dass die sie ein- schliessenden Kalkbänke stratigraphisch nicht ganz zusammenfallen. An einer dieser Stellen, dicht beim nördlichen Ende der Thalüber- führung der Eisenbahn zwischen Gevelsberg und Milspe, an der
b Dieses Jahrbuch für 1890, S. 1 ff. — Hr. Dr. Beushausen, der die sehr dankenswerthe Güte hatte, mich bei der Bestimmung der Versteinerungen zu unterstützen, bestätigte diese Uobereinstimmung.
2) A. a. 0. S. LIII.
Jahrbuch 1897.
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rechten Thalseite, findet sich die genannte Koralle neben ^pirifcr sp. (vielleicht 'mediotextu8\ Atrypa reticularis var. aspera^ Aulopora repens^ Favositen ii. a. in., in starken Bänken eines unreinen Kalkes, deren uneben höckerige Oberfläche mit Thonschiefer- und quarzi- tischer Grauwackensandsteininasse überzogen und verwachsen ist. Diese Masse hat zum Tlieil die Form kleiner Linsen, mit denen zusammen sogar kleine Quarzgerölle Vorkommen, sodann aber bildet sie auch dünne Lagen von wulstig schaliger bis flaseriger Form und mit glänzenden, glimmerigeu Ueberzügen, und endlich auch starke Bänke, welche die gewöhnlichen, undeutlichen vege- tabilischen Reste des Grauwackensandsteins einschliessen und mit den genannten Kalkbänken wechsellagern. Also auch hier ein rascher Wechsel der Ablagerungsbedingungen; einmal Nieder- schlag von sandig -thonigem Sediment mit Einschwemmung von Pflanzendetritus, dann Kalkbildung mit Korallenwuclis und An- siedelung von Brachiopoden etc.
In dem Gebirgsstreifen zwischen dem Ennepethal bei Milspe und dem Volmethal bei Hagen habe ich Cyath. quaclrigeminum nur noch an einer Stelle gefunden, und zwar in den Kalkbänken? welche dem Lenneschiefer bei Kückelhausen, ganz nahe am Ver- werfungsrande dieses Gebirges eingelagert sind. Das Einfallen der Schichten ist hier, in Uebereinstimmung mit dem früher Ge- sagten, von jenem Rande weg, also gebirgeinwärts, südöstlich, mit 40 — 50^. Ob die stratigraphische Lage dieses Vorkommens von denen der Vorkommnisse bei Milspe viel abweicht oder nicht, ist nicht zu sagen; es kann aber auch aus der an ziemlich viel Stellen beobachteten Lage der Schichten dieses Gebirgstheils noch nicht geschlossen werden, dass der Horizont mit Cyath. quadrigeminwm bei Eilpe-Delstern ein anderer ist als der bei Kückelhausen und der bei Milspe, weil nämlich Verwerfungen vorliegen könnten.
Der Gebirgsrand längs der Südseite der Enneper- Strasse wurde schon in der vorigen Mittheilung als Verwerfung mit Ueber- schiebuno^s-Charakter bezeichnet. Den Elberfelder Kalk kann man an diesem Rande von Hagen ab im grössten Theile der Strecke, wenigstens bis Bredde, nachweisen, theils in einzelnen Blöcken, theils in grösseren, zerrütteten Schollen, in welchen Steinbrüche
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stehen, so am Romberg bei Haspe imd weiterhin bei Aske ; ebenso ist in läno^erer Erstrecknim hier und da ein schmaler Streifen grünlicher und rother Oberdevonschiefer zu erkennen, bei Haspe und Aske auch etwas Culmkieselschiefer. Immerhin werden diese Schichten durch den Gebirgsschutt grösstentheils verhüllt; ohne diesen, sowie auch diluviale Bedeckung, würde das nahe Heraii- treten des Flötzleeren Sandsteins an den Lenneschiefer in dieser Strecke, wie es schon die v. DECHEN’sche Karte angiebt, noch auffälliger sein.
A. Leppla: Bericht über die Aufnahmen im Bereich der Blätter Keumagen und Wittlich während des Sommers 1897.
Die Arbeiten bezweckten wie im Vorjahre eine vollständige Neu- Aufnahme.
Unter-Devon. Von ihm sind nur die Hunsrückschiefer vertreten, deren Lagerung sich in völligster Uebereinstimmung mit den Verhältnissen auf den Blättern Morbach und Bernkastel befindet. Die bereits früher gekennzeichnete tektonische Linie Altlay -Veldenz prägt sich in der Umkehr der Neigungsrichtung auch hier sehr deutlich aus. Sie verläuft von Veldenz über Burgen und Rondel, überschreitet das Tronthal 1,5 Kilometer unterhalb Neumühle (Papiermühle), richtet sich dann auf das N.-Ende von Trittenheim, überschreitet hier zweimal die Mosel und verlässt den Bereich des Blattes etwa bei Pölich. Südlich dieser Linie neigen die Schiefer nach NW. mit sehr grossem Winkel (60 — 90^), nördlich von ihr nach SO. in geringerem Grad (30— 60^). Der nach SO. geneigte Faltenstreifen dürfte nur eine Breite von 3 — 4 Kilometer besitzen, denn längs einer von Dusemond über Nieder -Emmel nach Detzem verlaufenden Linie findet eine abermalio^e Umkehr der Lao^erun^ statt, in- dem sich nördlich des nach SO. geneigten Faltenbündels ein solches von sehr flachen Mulden und Sätteln eines etwas mehr glimmerig-sandigen und grauwackeartigen Thonschiefers anschliesst. Die Lagerungsform hält bis zu den permotriadischen Schichten nach N. zu an. Mehr als anderswo sind in dieser flachen Faltung
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Abweichungen in der Streichrichtung der Schichten beobachtet worden. An der Mündung der Tron in die Mosel sieht man solche von SO. nach NW. gerichtete Schiefer und in der Richtung nach Rivenich, sowie nordwestlich Piesport und Klüsserath eben- falls. Im Allgemeinen sind trotz des Hauptstreichens von SW. nach NO. bei dem sehr flachen Sattel- und Muldenbau und denn Auf- und Niedertaucheu der Sattel- und Muldenlinien Flächen vorhanden, welche quer zur Faltenrichtung streichen müssen. Ob meine Beobachtungen alle eine solche Erklärung finden können, erscheint möglich und wahrscheinlich, da Abweichungen auf diese Zone beschränkt sind.
Die in dem Bereich des Blattes Morbach nördlich des Hoch- uud Idarwaldes den Hunsrückschiefern zwischengelagerten, grauen, glimmerreichen, quarzitischen Sandsteine finden nach SW. ihre Fortsetzung. Der Hauptzug des Hartwaldes und Stronzbusches überschreitet an der Vereinigung des Lichter Baches mit der Tron das Thal der letzteren, mächtige Felsklippen verursachend, an denen die Faltung mitunter erkannt werden kann. Nördlich dieses Hauptzuges, der gegen Heidenburg allmählich verschwindet, sind noch eine Reihe dünnerer Bänke (bis zu 0,5 Meter Mächtigkeit) den Thonschiefern eingelagert. Sie scheinen zum grössten Theil Wiederholungen durch Faltung zu sein, mögen aber auch z. Th. wirkliche Wiederholungen der Schichten in anderen Horizonten vorstellen. Dass diese gröberen und quarzreichen Sedimente sich nicht jenseits der tektonischen Linie Altlay -Veldenz -Trittenheim- Pölich wiederholen, hat mich schon in meinem vorigen Bericht veranlasst, diese Linie für eine Muldenspalte zu halten. Nur an wenigen Stellen (südöstlich Tron, ferner südlich Detzem) unter- brechen dünne (0,3 — 0,5 Meter mächtige) Bänke quarzitischen Sandsteins die im Allgemeinen sehr gleichförmigen, dünnschiefrigen, dunkelgrauen Thonschiefer. Mit Annäherung an das Rothliegende erhalten dieselben vielfach eine röthliche Farbe, indem sich aut den Spaltungs- und Schieferungsflächen rothes Eisenoxyd aus- scheidet. Ich halte diese Färbung lediglich für eine spätere Ver- änderung, vielleicht bedingt durch eine ehemals weiter nach Süden reichende Bedeckung durch permotriadische Schichten.
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Roth liegen des. Im weiteren Verlauf der Kartirnng des Südrandes der Wittlicher Mulde hat sich ixezeicft* dass dieser iin Bereich der Blätter Wittlich und Neumagen im Anschluss an die über die Gegend von Herzig (Bl. Bernkastel) gemachten Angaben als eine Verwerfung aufzufassen ist. Von dem Lieserthal nach SW. zu legen sich mit stark nach NW. gerichteter Schichten- neigung längs einer N. 35^ O. gerichteten Linie zuerst die Por- phyrtuflPe, dann deren hangende Quarzitconglomerate (NW. -Ab- hang des Stoppelberges) und an der grössten Strecke die oberen braunrothen Schieferthone und Sandsteine an den Hunsrück- schiefer an.
Diluvium. Die diluvialen Ablagerungen bieten ein äusserst interessantes Bild von Terrassen, wie es im Bereich der Mosel, Saar und Nahe bisher nicht bekannt war. Von den höchsten Flussablagerungen in 320 Meter Meereshöhe und 210 -220 Meter Erhebung über dem benachbarten Mosel-Niederwasserspiegel bis zu diesem herab Hessen sich auf Bl. Neumagen bis jetzt 12 Ter- rassen, Stufen in der Erosions- und Aufschüttungsarbeit, nach- weisen Beinahe alle gliedern sich in Schotter und überlagernde Lehme, und wo letztere fehlen, sind sie späteren* Abtragungen zum Opfer gefallen. Von Köwerich (Bl. Neumagen) in südwest- licher Richtung zum Alsberg sind vom Hochwasserspiegel der Mosel an aufwärts, sechs Terrassen erkennbar, deren Lehmdecke mit geringen' Ausnahmen erhalten blieb. In der Zusammensetzung der Aufschüttungen lassen sich geringe Unterschiede feststellen. Die höchste Flussablagerung zeigt in dem kleinen Rest, der von ihr auf der Hochfläche 1,5 Kilometer südöstlich Wintrich an der Strasse nach Kasholz noch erhalten blieb, wesentlich Material der Milchquarzgänge und älteren Quarzite des Unterdevons (Iloch- und Idarwald). Die ausgedehnten Hochterrassen östlich Wintrich, östlich Neumagen und Tron lassen mehrere Meter mächtige Ab- lagerungen von rothem und braunem Sand in den oberen Schotter- lagen unter dem Lehm erkennen und bezeugen damit ihre theil- weise Abhängigkeit von den Buntsandsteingebieten. Gerölle aus diesen Gebieten haben einen ziemlich gleichbleibenden, aber nicht grossen Antheil an der Zusammensetzung aller tieferen Terrassen.
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In den tiefsten diluvialen Stufen, welche etwa 20 Meter über das Niederwasser reichen, stellen sich zum ersten Mal Urgebirgsge- steine, Granite und Gneisse ein, ohne indess eine besondere Be» deutung zu erlangen.
lieber das Alter der Terrassen und über ihre Beziehungen zu den Glacialbildungen und dem benachbarten Tertiär lassen sich sichere Vergleichspunkte noch nicht gewinnen. Die weitere Ver- folgung der alten Flussablagerungen zum Rhein und zu den be- kannten Terrassenablageruugen des Mainzer Beckens wird erst die Lösung der Altersfragen in erreichbare Nähe rücken.
Aus dem Verlauf der Ufer der einzelnen Terrassen kann der Vorgang der seitlichen Erosion des Flusses sehr gut erkannt werden. Man sieht, dass die seitliche Ausweitung und Vertiefung der engen Stosskurven bis jetzt angehalten hat und noch immer nicht abgeschlossen ist. Der Fluss hat von seiner ersten Auf- schüttung an bis jetzt seinen Lauf immer mehr durch Ausweiten der Kurven und Schlingen vergrössert. Es scheint, dass, nach den Bögen von Klüsserath und Piesport zu schliessen, die Erosions- thätigkeit am linken Ufer eine stärkere war. Nur in dem Mün- dungsgebiet der Lieser, sowohl in deren Lauf als auch bei der Mosel selbst, sind Abkürzungen des Flussweges erfolgt. Hierüber hat H. Grebe bereits Mittheilungen gemacht. Es wird sich an einer anderen Stelle Gelegenheit finden, seinen Ausführungen noch Einiges hinzuzufügen und die Darstellung der geologischen Ge- schichte des Moselthaies noch zu erweitern.
Auf dem Blatt Neumagen wurde der Versuch gemacht, die alten Erosions- und Aufschüttungsstufen nach ihrer Höhenlage zu gliedern und die zusammengehörigen zusammenzufassen. Vor- läufig sind nur drei Gruppen unterschieden worden: Hochterrassen, mittlere Terrassen, niedere Terrassen.
Alluvium. Die heutige Mosel schüttet bei Hochwasser brauurothen Sand auf. Nur im Niederwasserbett werden Gerölle bewegt. Das nämliche gilt für das Salmthal. Die Stosskraft der Tron dagegen, sowie der von Süden herkommenden Bäche ist so gross, dass auch im Hochwasserbett überall grobe Gerölle bewegt werden.
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Eine bemerkenswerthe Erscheiiiunp; zei^t sich an den en^en Schleifen des rechten Moselnfers. An zahlreichen Stellen südlich Wintrich, südlich Neumagen und Detzem sind beträchtliche Massen von Thonschiefer oft mit Beibehaltung des Schichtenverbandes an den 100 bis 200 Meter hohen Steilgehängen abgerutscht.
Mittheilung des Herrn W. Frantzen über Aufnahme des Blattes Treffurt.
Zu Beobachtungen von allgemeinerem Interesse gaben bei den Aufnahmearbeiten des letzten Jahres im Messtischblatte Treifurt nur die Schichten des Buntsandsteins Gelegenheit.
In ihrer Beschaffenheit schliessen sich dieselben im Allge- meinen enge an den Buntsandstein im nördlichen Theile der Rhön und des Thüringer Waldes an; jedoch zeigen sie im Einzelnen Besonderheiten, welche im Nachfolgenden erörtert werden sollen.
Im Unteren Buntsandstein macht sich insofern ein Unter- schied bemerklich, als diese Schichten im Blatte Treffurt weit thonreicher sind, als in den südlicher gelegenen Gegenden. Es treten daselbst zwischen den Sandsteinen ansehnliche Partien von Thonen auf, die fast frei von Sandsteinschichten sind, und welche dem Bröckelschiefer so ähnlich werden, dass man sie unter Um- ständen damit verwechseln könnte.
Rogensteine kommen bei Treffurt im Unteren Buntsandstein noch nicht vor.
Der Mittlere Buntsandstein ist auch bei Treffurt eine durch das Vorkommen zahlreicher grobkörniger Sandsteinschichten gut charakterisirte, im Allgemeinen leicht kenntliche Abtheilung; je- doch findet sich in der Mitte dieser Reihe eine breite Zone, in der die grobkörnigen Sandsteine fehlen oder doch fast ganz zu- rückgedrängt werden. Sie ist in ihrem Habitus dem Unteren Buntsandstein gleich, von dem sie nur durch ihre Lage unter- schieden werden kann.
Geröllebänke sind im Messtischblatte Trefi'urt im Buntsand- stein nicht vorhanden.
Die Grenze zwischen dem Unteren und Mittleren Bnntsand- stein ist bei Treffurt eine ganz scharfe. Sie wird durch eine
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Sandsteinbank bezeichnet, welche durch ihre ansehnliche Mächtig- keit, die etwa P/2 2 Meter beträgt, und durch ihr grobes
Korn auffällt, und in ihrem Hangenden von einer grösseren Zahl nahe bei einander liegender, grobkörniger Sandsteinbänke begleitet wird. Einzelne Körner dieser Bank gehen über das gewöhnliche Maass der Körner der typisch groben Sandsteine, als welches man H/2 bis 3 Millimeter Durchmesser annehmen kann, noch ziemlich viel hinaus und erreichen einen Durchmesser von 5 Millimeter oder noch etwas mehr.
Unter den Sandkörnern der Grenzbank erscheinen auch einige Körner von Porphyr, geradeso wie in den Gerölleschichten an der Basis des Mittleren Buntsandsteins in der Fuldaer Gegend, des Spessarts und des Vogelsgebirges. Die sehr grobe Beschaf- fenheit der Sandkörner und die Lage der Bank an der Grenze zwischen dem Unteren und Mittleren Buntsandstein lassen keinen Zweifel darüber, dass man in ihr die nordöstliche Fortsetzung der Gerölleschichten der südlicher gelegenen Gegenden an der unteren Grenze des Mittleren Buntsandsteins vor sich hat.
Die übrigen Schichten dieser Abtheilung geben zu Erörte- rungen an dieser Stelle keinen Anlass, mit Ausnahme der obersten Schichten, welche dem Chirotheriumsandstein von Hildburghausen und dem in Deutschland weit verbreiteten und für die Gliederung des Buntsandsteins so wichtigen Carneolhorizont entsprechen.
Der Verfasser hat bereits früher in einem im Jahrbuche für das Jahr 1883 veröffentlichten Aufsatze: »lieber den Chirotherien- sandstein etc.« auf die eigenthümliche Ausbildung dieser Schichten in der Treff iirter Gegend aufmerksam gemacht und kommt hier auf diese Schichten nochmals zurück, um die damals darüber ge- brachten Mittheihmgen zu vervollständigen.
Der Chirotheriumsandstein ist im Messtischblatte Treffurt, wie fast überall, ein weissgefärbter Sandstein, dessen Korn ge- wöhnlich ziemlich fein ist, an einzelnen Stellen aber auch wohl gröber wird. Er enthält in seinem unteren Theile zahlreiche kleine, gelbliche oder braune Tigerflecken. In diesem Theile des Lagers ist der Sandstein, wie aus dem starken Aufbrausen des- selben bei der Behandlung des Gesteins mit Salzsäure in der Kälte hervorgeht, kalkhaltig.
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An der Stelle der Tigerflecken ist die Masse des Gesteins etwas porös, ein Beweis, dass hier ein Theil derselben verschwun- den ist. An einzelnen Stellen ist dieselbe aber noch erhalten ; es erscheinen dann statt der Flecken runde, gelbliche oder bräun- liche Körnchen, die wie die Flecken beim Uebergiessen mit Salz- säure stark aufbrausen und sich darin fast vollständig auflösen. Sie bestehen also nicht aus Dolomit, sondern aus kohlensaurem Kalk. Sie sind daher wohl nichts Anderes, als Oolithkörnchen, die durch Eisenoxyd gefärbt sind.
Nach unten schieben sich zwischen die weissen, getigerten Sandsteinschichten dünne Lagen von Thon ein, die zuerst grün- lichgrau gefärbt zu sein pflegen; tiefer werden diese Thonlager zahlreicher und zeigen sie hier meistens rothe Farbe, die gegen die weisse Farbe des Sandsteins stark absticht. Durch Ilinzii- treten dünner Lagen von gewöhnlichem rothem Sandstein geht dann der weisse Sandstein endlich in den gewöhnlichen grobkör- nigen Sandstein über.
In dem oberen Theile des Sandsteinlagers finden sich an sol- chen Stellen, wo das Gestein vor Auslaugung geschützt war, wie unter der hohen Felswand des Heldrasteins und unter der Adolphsburg bei Treffurt zahlreiche Knollen von Gyps, zu denen sich am Heldrastein liehtgrauer, dichter Dolomit in Knollen ge- sellt. Dieser Dolomit ist dem Myophoriendolomit des Unstrut- thaies nördlich von der Schmücke ganz gleich und kann als Vor- läufer dieses Lao^ers betrachtet werden. Das Bindemittel des Sandsteins ist in diesem Theile der Ablagerung Gyps, der an Menge nach oben hin zunimmt, den Sand rasch verdrängt und so in reinen Gyps übergeht, der hier im Hangenden des weissen Sandsteins ein mächtiges Lager bildet.
Wo der weisse Sandstein ungeschützt dem Einflüsse der Witterung ausgesetzt ist, wie im freien Felde, ist das Bindemittel von Gyps aus dem Gestein ausgelaugt. Es erscheint dasselbe dann als eine wenig zusammenhängende Sandmasse, welche leicht zerfällt und zu Stubensand abgegraben wird, gerade so, wie am Thüringer Walde in der Meininger Gegend.
In dem oberen Theile des Chirotheriumsaiidsteins erscheinen bei Trefi'urt auch die bekannten kieseligen Bildungen, welche theil-
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weise rothe P^ärbiini^ zeigen und darnach gewöhnlich als Carneole bezeichnet werden. Neben dieser Farbe kommt an denselben aber auch sehr gewöhnlich graue Farbe vor; daneben erscheint auch Weiss, selten auch Gelb.
Au manchen derartigen Steinen erscheint die Masse ganz gleichartig, wie am gewöhnlichen Feuerstein; in anderen aber sieht man in der kieseligen Masse zahlreiche Sandkörner einge- schlossen.
Der Carneol ist bei Treffurt so wenig, wie io anderen Ge- genden, ein regelmässiges Vorkommen ; vielmehr fehlt derselbe auf weiten Strecken oft ganz, während seine Bruchstücke an anderen Stellen zuweilen in grösster Menge, wie gesäet, auf der Erdober- fläche nmherliegen.
Es ist bemerkenswerth, dass da, wo das Gypsbindemittel in dem Gestein noch völlig erhalten war, Carneole in demselben nicht angetroffeu wurden, sondern nur da, wo der Gyps bereits ausgelangt war.
Dieser Umstand, sowie das Vorkommen der zahlreichen Sand- körner in manchen Varietäten des Gesteins deutet darauf hin, dass der Carneol dieses Horizonts gar keine ursprüngliche Bil- dung ist, sondern dass er seine Entstehung dem Eindringen von Kieselsäure in den durch Auflösung des Gypsgehaltes porös ge- wordenen Sand verdankt. Es ist also ein Vorkommen ganz ana- log den Braunkohlenquarziten, welche auch nichts Anderes sind, als durch eiugedrungene Kieselsäure verkitteter Sand.
Gegen diese Auffassung von der Entstehung der Carneole in der sogen. Carneolbank des Buntsandsteins lässt sich die weite Verbreitung derselben in diesem Niveau nicht in’s Feld führen. Letztere beweist nur, dass auch an anderen weit entlegenen Punkten zur Zeit der Bildung dieser Ablagerung ähnliche Verhältnisse ge- herrscht haben, wie bei Treffurt. Das Meer war am Schlüsse der Periode des Mittleren Buntsandsteius in einem grossen Theile Deutschlands sehr seicht geworden, sodass Gyps- und selbst Salz- ausscheidungen stattfinden konnten.
Chirotherienfährten wurden in der Umgegend von Treffurt in dem carneolführenden Sandstein nicht beobachtet; wohl aber
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kommen solche oder ähnliche Fährten in den Steinbrnchen bei Rambach in den nicht tief unter dem carneolführenden Sandstein lieofenden ofewöhnlichen rothen Sandsteinen vor.
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Ueber dem weissen carneolführenden Sandstein erscheint in dem Messtischblatte Treffurt an manchen Orten ein Gypslager, welches in wechselnder Mächtigkeit wahrscheinlich ursprünglich überall in dieser Gegend vorhanden gewesen, aber später an manchen Stellen ganz oder theilweise ausgelaugt worden ist. Seine Mächtigkeit ist an einzelnen Punkten eine recht erhebliche und mag am Fusse der Adolphsburg gegen 15 — 20 Meter erreichen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass in grösserer Tiefe über diesem Gypslager bei Treffurt auch Steinsalz vorkommt, ähnlich wie in der Umgebung des Thüringer Waldes, wo dieses Salz in neuerer Zeit sowohl au seiner Ost- wie Westseite durch Bohrungen bekannt geworden ist, so an der Ostseite des Gebirges bei Arns- hall, wo es im ßohrloche Nr. 3 in einer Mächtigkeit von 24,67 Meter anftrat. Auf der Westseite des Thüringer Waldes wurde in einem auf einer Brauerei bei der Stadt Meiningen gestossenen Bohrloche in dem gleichen Horizonte in einigen 80 Metern Teufe gesättigte Salzsoole angetrofifen, welche zweifellos aus einem hier vorkommenden Salzlager herstammte.
Dieses Steinsalz des Röthes enthielt in beiden Fällen auch etwas Kalisalz.
An der Erdoberfläche lagert über dem unteren Gypslager des Röthes, oder wo dasselbe fehlt, über dem Chirotheriensandstein ein mächtiges Lager von grauem Thon, welcher in diesem Niveau . auch am Thüringer Walde und in der Rhön erscheint und für dasselbe sehr bezeichnend ist.
Wie die Bohrungen bei Arnshall gezeigt haben, bildet dieser graue Thon das Hangende des Salzlagers und enthält derselbe hier in der Tiefe der Erde Salzknoten, ähnlich wie die unteren Letten über dem Hanptsalzlager im Mittleren Zechstein.
An der Ostseite des Heldrasteins, gegen Schnellmannshausen hin, geht an einer Stelle, wo das Gypslager an der Basis des Röthes ausgelaugt ist, der graue Thon in Letten über, wie dies
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unter ähnlichen Verhältnissen auch bei den Thonen des unteren Lettens des Zechsteins vorkommt.
Die höheren Schichten des Rothes bestehen im Messtisch- blatte Treffurt hauptsächlich aus Thonen von vorherrschend rother Farbe, in denen zahlreiche Schichten von Gyps von ^4 his 1/2 Meter Mächtigkeit verkommen; nur ein verhältnissmässig geringer Theil dieser Ablagerung, vielleicht nur ^5 Ganzen, unmittelbar unter dem Wellenkalk, ist frei davon.
Der Röth ist also in der TreflPurter Gegend eine sehr gyps- reiche Ablagerung, welche in einem übersalzenen Meere gebildet wurde. Zu Anfancj dieser Periode trat soo^ar in diesen Gegenden für kurze Zeit eine Abschnürung eines Meerestheiles ein, so dass sich Steinsalz und selbst etwas Kalisalz ausscheiden konnte, ähn- lich wie zur Zeit der Bildung des Mittleren Zechsteins. Diese Abschnürung begann, wie der Gypsgehalt dieser Schichten be- weist, schon zur Zeit der Ablagerung des Chirotheriumsandsteins und hängt damit auch die weisse Farbe des Gesteins zusammen. Dieselbe ist ohne Zweifel eine ursprüngliche und für diese Ab- lagerung sehr charakteristisch. Allerdings treten in anderen Ge- genden in diesem Niveau auch wohl andere Färbungen auf; doch ist es dann gewöhnlich das Violett, eine Färbung, welche sich an den Ablagerungen übersalzener Meere sehr häufig vorfindet, und mit dieser Eigenschaft des Wassers in einem gewissen Zu- sammenhänge zu stehen scheint.
Man hat den carneolführenden Sandstein statt zum Mittleren auch wohl zum Oberen Buntsandstein gestellt. Aus obiger Dar- stellung der Verhältnisse dieser Ablagerung in der Trefifurter Gegend geht hervor, dass sie den üebergang zwischen diesen Ablagerungen bildet und ein ganz scharfer Schnitt, wie gewöhn- lich, in der Natur nicht vorhanden ist. Es erscheint aber, wenn eine Grenze zwischen beiden Abtheilungen gezogen werden soll, bei der vorwiegend sandigen Natur dieser Schichten natürlicher, sie dem Mittleren Buntsandstein zuzutheilen, als dem Oberen.
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H. Schröder: Bericlit über die Aufnahme der Blätter M o h r i n und S o 1 d i n und über Bereisung des diluvialen Mietzel-Thales.
Das Blatt Mohrin wurde in der Kartirung beendet. Die Fortsetzung der im vorigen Jahre bis zur Zieg(dei Guhdeu ver- folgten Endmoräne resp. die charakteristische Grenze zwischen Grundmoräne und Sandr setzt zwischen Charlottenhof und Neu- vorwerk Bellin aus; es findet hier ein Zusammentreten der hinter (d. h nach N. zu) der Endmoräne lagernden Grundmoräne und der Geschiebemergelflächen, die vor derselben sich über Bär- walde nach der S. -Hälfte des Blattes Wartenberg hinziehen und den grössten Theil des Blattes Fürstenfelde einnehmen. Es kann nach der Kartirung kein Zweifel sein, dass beide Geschiebemergel gleichaltrig sind und, da sie direct zusammenfliessen und durch keinerlei sandige Bildungen von einander getrennt sind, einer Vergletscherung angehören. Wie an vielen anderen Stellen, wird auch hiermit die gegentheilige Ansicht Geikie’s, dass die Ge- schiebemergel der Mittelmark einer älteren Vergletscherung an- gehören, als die der Ucker- und nördlichen Neumark, widerlegt. Nordöstlich des Neuvorwerks Bellin erscheint die Endmoräne dann in den Vossbergen als eine die Umgebung überragende lang- gezogene Kuppe, die aus groben Kiesen und Geröllen besteht. Weiter östlich verschwinden dann wieder die topographisch auf- fallenden Formen der Endmoräne und an ihre Stelle tritt die durch zahlreiche Gerölle und vereinzelte Blöcke besonders hervortretende Grenze zwischen Grundmoränenlaudschaft und Sandr. Diese Grenze stösst wenig nördlich Gossow an den O.-Kand des Blattes. Südlich derselben findet bei Falkenwalde unterbrochen durch eine Geschiebemergelpartie beim Dorfe Gossow selbst eine grössere Entwickelung des oberen Sandes statt, die weiter östlich auf Blatt Wartenberg an Bedeutung zunimmt. Der obere Sand legt sich bei Falkenwalde auf die Fürsteufelder Geschiebemergelmasse und wird an den Vossbergen wieder an mehreren Stellen überlagert von dem Vietnitzer Geschiebemergel, so dass diese Sande eine trennende Schicht zwischen den beiden Geschiebemergeln zu bilden
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scheiiien. Tliatsächlicli geben jedoch beide seitlich in einander über lind dies scheinbare Auftreten von zwei Geschiebeinergeln ist die Folge der liier gehaltenen Ruhepause des Eis-Rückzuges, die ein mehrfaches Ineinandergreifen von Grundmoränen und fluvio-gla- cialen Bildungen veranlasste. Die Grundinoränenlandschaft bei Viet- nitz zeigt die charakteristischen Geländeformen und ist von mehreren grossen und zahlreichen kleinen Durchragungen durchsetzt. Nach den bisherigen Unterouchungen verläuft die Endmoräne über Blatt Wartenberg und Rosenthal nach Blatt Stafielde hinüber, das sie im nördlichen Drittel in fast reiner WO. -Richtung durchschneidet.
Die Grundmoränenlandschaft dieses Blattes geht auf das südliche Drittel des nördlich anstossenden Blattes Soldin über, das in diesem Sommer in Angriff genommen wurde. Innerhalb dieses Blattes findet man die Grundmoränenlandschaft in der ihr eigenthümlich unregelmässigen Zerrissenheit bei Brügge, nörd- lich Schlegelsburg, bei Soldiu und südlich davon bei Werblitz verbreitet. Nördlich Soldin zwischen der Stadt und Eichwerder und ein wenig nach NNO. über das Thal des »Faulen Grabens« iXreifend zeigt sich in dem Grundmoräneugebiet eine entschiedene Neigung der Flügel, eine ausgesprochene OW. -Richtung in viel- facher Wiederholung hinter einander anzunehmen. Die Längs- erstreckung dieser Hügel läuft parallel der Endmoräne, ist also ent- standen durch Aufschüttung und Stauung, die senkrecht zur Bewe- gungsrichtung des Inlandeises wirkte. Im Gegensatz zu der Drum- liiilandschaft, die man mit Benutzung der von Keilhack vor- geschlagencn Bezeichnung als Radialrückenlandschaft bezeichnen müsste, könnte man obige Landschaftsform Tangential- oder Mar- ginalrückenlandschaft benennen. Dieselbe ist mir ausser bei Soldin bekannt von den Blättern Gr. Ziethen und Greiffenberg i/Ü. direct im Anschluss an die Endmoräne, von den Blättern Angermünde, Schwedt und Brüssovv^ und fällt zum Theil zusammen mit dem von mir angewandten Terminus » Durchragungszone«. Durchragungen kommen in diesem oberflächlich aus Grundmoräne bestehenden Paralleh ücken selten vor; nordöstlich Soldin häufen sie sich etwas.
Ueber Rehnitz hinweg ist die typische Grund moränenlandschaft durch einen von Durchragungen durchsetzten niedrigen Mergelzug
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westlicli Loiiisenliof mit der Glasower Gescliiebemergelhöhe ver- imiiden , die ihrerseits wieder durch höhenbildeiide obere Saude von der Wutheiiower Geschiebemero;elmasse «retreimt ist. Letztere liegt bereits innerhalb der grossen Sand- und Graudinassen , die als Sandr der durch das nördlich anstossende Blatt Lippehne ziehenden Beyersdorfer Endmoräne aufzufassen sind. Die hierzu gehörigen nördlichen Randgebiete des Blattes Soldin bestehen im W. aus mächtigen oberen Sandeu, unter welchen nur an wenigen Stellen der obere Mergel beobacditet wurde, und im Osten aus oberem Mergel, der mit mehr oder minder grossen Fetzen oberen Sandes bedeckt ist. Obere Sande durchziehen auch die südliche Grundmoränenlandschaft in Gestalt einer Rinne, die jetzt von dem »Faulen Graben« benutzt wird. Ebenso ist die Rinne des Rehnitzer Klietz-Sees von solchen Sanden begleitet, die sich über Mietzelfelde mit denen der oben genannten Rinne ver- einigen. Ferner besitzt wahrscheinlich die Rinne des Soldiner Sees eine solch hochgelegene Fortsetzung nach S. zu über Lieben- felde, wenigstens sind die Sande nordwestlich Marienau ober- diluvial. Es wird somit eine Verbindung des Sandrs der Beyers- dorfer Endmoräne mit dem Sandr der grossen südbaltischen auf Blatt Staffelde befindlichen Endmoräne durch die Grundmoränen- laudschaft der letzteren hindurch hergestellt. Diese eben be- schriebenen und in ihrer Verbreitung kurz skizzirten Sand- und Geschiebemergelmassen erscheinen als coupirte Hochfläche gegen- über den fast ebenen Niederflächen, die den übrigen Theil des Blattes einnehmen. Dieselben schliessen sich den grossen Seen, dem Soldiner See, Lübbesee, Zollener See, Kloppsee, Bandiusee mit ihren mehr oder minder grossen Alluvionen an. Petrographisch bestehen diese Flächen aus feinen Sauden, Mergelsandeu und Thon- mergeln und repräsentiren das Sedimentationsgebiet der nach Ver- sandung der oben genannten Hochriuuen noch von der Beyersdorfer Endmoräne herabkommenden und von der südbaltischen Moräne aufgestauten Wassermassen. Bei Simousdorf und norduordöstlich und östlich Rehnitz gehören ausgedehnte Flächen zu diesen
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Staubildungeu und nehmen auf dem östlich anstossenden Blatt Karzig, wo sie einen Durchlass durch die Moräne besitzen, noch
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an Ausdehnung zu. Die Meereshölie dieser Stausande und Thon- inergel liegt zwischen 60 und 70 Meter, während die Hochflächen sic.h von 70 — 90 Meter erheben.
Heinerkenswerth ist noch das Vorkommen von mitteloligocänem Septarienthon mit Foraminiferen, der bereits vor mehreren Jahren von Keilhack und mir in der Ziegeleigrube zwischen Mietzelfelde und Soldin beobachtet wurde. Derselbe hat sich noch an mehreren Punkten gefunden und wird begleitet von z. Th. glaukonitischen Glimmersanden, die von Brauneisensteinlagen durchsetzt werden und kuglige Sandsteinconcretioneu mit Versteinerungen enthalten. Wahrscheinlich liegt hier Stettiner Sand vor.
Die Bereisung des diluvialen Mietzeithaies innerhalb der Blätter Gr. Fahlenwerder, Staffelde, Neudamm und Quartschen hat das Resultat ergeben, dass die auf Blatt Quartschen und Neudamm z. Th. bereits von Herrn Wölfer festgestellten Thalterrassen einem Tliale angehören, das sich von der Mündung des Mietzelthaies in die Thalsandfläche des Oderthaies beim Bahnhof Neumühl-Kutzdorf in SW. — NO.- bis ONO. -Richtung bis auf das Blatt Gr. Fahlen- werder verfolgen lässt. Das Thal beginnt östlich der Modder- wiesen bei Oberförsterei Lichtefleck auf Gr. Fahlenwerder in zwei schmalen Torfrinnen, erweitert sich sofort V-förmig, wird nahe an seinem Ursprung von dem Marwitzer Mühlenfliess durchquert und zeigt namentlich nördlich Lichtefleck deutliche Thalränder. Es setzt sich in ONO. -Richtung über Gr. Fahlenwerder fort und vereinigt sich bei Nesselgiund mit einem aus gleicher Richtung kommenden, mehr nördlich gelegenen Thal. Mehrere sich ver- zweigende Flussarme lassen hier zwischen sich inselartig Erosions- pfeiler der Hochfläche stehen. Dieselben vereinigen sich wieder bei Vw. Winkel zu einem einheitlichen Thal mit deutlichem Rande zwischen diesem Vorwerk und Vw. Hohenfeld, bei welchem eine Verengung stattfindet. In Folge von Zuflüssen, die von Blatt Rosenthal herabkommen, erweitert sich südlich Berneuchen das Thal wieder; die Thalränder sind auf beiden Seiten deutlich aus- geprägt Ein Gleiches ist auch weiter thalabwärts der Fall auf dem NW. -Ufer im »Schlafwinkel«, während dagegen das SO. -Ufer in allmählicher Steigung in den Sandr zwischen Neudamm und
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Kerstenbrügge übergeht. Westlich und südwestlich Neudamm ist das Thal durch eine Geschiebemerffelbarre mit Durchraguno^en ausserordentlich eingeengt und hat einen nur schmalen Abfluss durch die Darre in die Alluviouen bei Nabern und Darmietzel besessen. Bei letzterem Ort bildet sich wieder eine deutliche Terrasse heraus, welche die Hochfläche mit Erosion bis auf den Unteren Mergel durchschneidet und in deutlichster Weise über Qnartschen und Kutzdorf bis zum diluvialen Oderthal verfolgt werden kann. Hier ist dieselbe mit Erosionsraud von der Terrasse des Oderthaies abgeschnitten. Das diluviale Mietzelthal ist also älter als die bei seiner Ausmündung entwickelten Oderterrassen. Da letztere hier der mittleren Thalstufe angehören, so dürfte die diluviale Mietzel der höchsten Stufe angehören und als ein Neben- fluss des Urstroms, des Thorn-Eberswalder Hauptthaies, anzusehen sein. Seine Einmündung in dasselbe hat ursprünglich weiter nach SW. gelegen.
P. Krusch: Bericht über die Aufnah me arbeiten auf den Blättern Schönfliess N. M. und Wartenberg.
Die oreolojxischen Verhältnisse der Blätter Schönfliess N. M und Wartenberg werden durch die Hinterpommersch-Neumärkische Endmoräne oder ihre äquivalenten Bildungen auf Blatt Warten- berg bedingt. Der auf einem grossen Theil seiner Ausdehnung mit bedeutender Blockpackung auftretende Höhenzug ist auf Blatt Wartenberg nicht mehr zu finden. Die geologische Aufnahme ergiebt eine vielfach gelappte Grenze des Oberen Geschiebemergels gegen den Oberen Sand (Sandr), und als einziges Zeichen des einstmaligen Gletscherstillstandes ist die Geschiebemerg-elgrenzzone in einer Breite von ca. 3 Kilometer mit grossen, zum Theil mehrere Cubikmeter haltenden, nordischen Geschieben bestreut. Heute beschränkt sich die Gesehiebeanhäufung, die seit vielen Jahr- hunderten das Baumaterial für die Strassen und die zahh-eieheu Gutsgebäude lieferte, hauptsächlich auf die Wegeränder und Ge- meindegrenzen. Als Blockpackung konnten zwei Punkte im nord- östlichen Theile des Blattes Wartenberg angegeben werden. Hier liegt Block auf Block; die kleinen Zwischenräume sind mit Mergel
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Jahrbucb 1897.
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ausgefüllt. Denuoeh möchte ich die Bildungen nicht als typische Endinoränenblockpackung ansehen, sondern nur als Stellen, an denen der Geschiebemergel sehr geschiebereich ist. Dass der mit grossen Blöcken bestreute Mergelstreifen thatsächlich das Aequivalent der im Allgemeinen wallartig ausgebildeten Endmoräne bildet, ergiebt sich daraus, dass sich hinter ihm — also nach Norden — die Grund- moränenlandschaft und vor ihm — also nach Süden — der ebene Sandr ausdehnt.
Die im Allgemeinen nur von kleineren Oberen-Sand-Fetzen bedeckte Gruudmoränenlandschaft ist in einer Breite von 4 bis 5 Kilometer von der Sandr-Grenze an stark coupirt, während sie weiter nördlich ein fast ebenes, sich sanft nach Norden verflachendes Plateau darstellt.
Der Sandr ist sehr mächtig, wie mir aus dem steilen Ein- schiessen des Mergels an der Grenze und dem Mangel an Mergel- fnndpuukten innerhalb der Sandfläche hervorzugehen scheint. Flächen mit grandiofer und noch gröberer Bestreuung sind häufig und ausgedehnt.
In Zusammenhang mit dem Eisstillstande auf Blatt Warten- berg steht vielleicht der im westlichen Theile des Blattes Schön- fliess sich aus dem Plateau erhebende, nordsüdlich streichende Höhenzug, welcher am Forsthaus Steinwehr beginnend in dei] Münzenbergen (108 Meter), den Karpathen (90 Meter) und den Bergen rund um das Dorf Blankenfelde (90 — 105 Meter) die höchsten Punkte erreicht. Südlich vom letztgenannten Dorf ver- liert er sich in der stark coupirten Grundmoränenlandschaft, die hier in Folge ihres allmählichen Ansteigens nach Süden Kuppen von 1 12 Meter Meereshöhe aufweist. Auf der ScHRÖDER’schen Karte der »Endmoränen und Terrassen im untern Theil des Oder- stromgebietes« (im Manuscript vorliegend) erkennt man, dass in vielen Fällen da, wo zwei Endmoränenbogen unter spitzem Winkel znsammenstossen , ein ungefähr nordsüdlich streichender, aus Ge- schiebemergel und Oberem Sand bestehender Höhenzug, dem nicht selten höhere Punkte angehören als dem Endmoränenwall selbst, auftritt. Die Grundmoränen-Sandr-Grenze auf Blatt Wartenberg liegt an der Westgrenze der Section nördlich von Gossow, wendet
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sich dann nördlich über Beigen, wird hier durch eine vom Göllner See (Blatt Königsberg) kommende Sandrinne, in der der(Belger See liegt, unterbrochen und steigt, wenn man den Oberen Sand östlich von Nordhausen in Betracht zieht, hoch nach Norden hinauf, um östlich von der genannten Sandpartie nach Süden umzubiegen und im Grossen und Ganzen ostwestlich zu verlaufen. Auch auf Blatt Wartenberg östlich von Nordhausen scheinen sich demnach zwei Eiszungen unter spitzem Winkel berührt zu haben. Die in der nördlichen Verlängerung liegenden, aus Geschiebemergel und Oberem Saud bestehenden Höhen wären dann dadurch entstanden, dass die beiden am Rande dünnen Eiszungen den Mergel durch östlichen und westlichen Druck emporpressten und beim Ab- schmelzen theilweise mit Oberem Sand bedeckten.
Auf den zeitweiligen Stillstand des Eises sind auch die Thon- und Sandablagerungen in der Schönfliess-Stresower-Rinne zurück- zuführeu. (Vergl. Michael: Bericht über die Aufnah meärbeiten auf den Blättern Wildenbruch, Schwochow und Beyersdorf Dieses Jahrbuch für 1896, S. LXVIll.) Allem Anschein nach handelt es sich hier um eine unter dem Inlandeis vorhanden gewesene Rinne, die durch die Bewegung des Gletschers gebildet, von ihm mit Geschiebemergel ausgekleidet wurde. Die sich in ihr unter dem Eise ansammelnden Schmelzwasser setzten die mitgeführten Sand- und Thonpartikelchen ab und bildeten so die Schönfliesser Ziegelthone. Das beständig von Süden zufliessende Wasser hat auf Blatt Schöufliess nur stellenweise durch Erosion den untor- diluvialen Sand freilegt.
In der südlichen Verlängerung der Senke liegt auf dem Plateau ein ca. 1 Kilometer breiter Streifen Oberen Sandes, der nördlich von Wartenberg (Blatt Wartenberg) mit dem Saudr in Verbindung steht. Dieser Sandstreifen ist dadurch zu erklären, dass hier ein Gletscherthor vorhanden war, dass also östlich und westlich von dem Sandstreifen das Eis auf der Grundmoräne anflag und dass deshalb die Schmelzwasser den Sand hauptsächlich in der Mitte des Thores aufhäuften.
Von jüngerem Alter sind die Sande im Thale der Roericke, welches von der Westseite in die Schönfliess-Stresower Rinne bei
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Schönfliess einmündet. Diese Ablagerungen entsprechen der oberen Stufe der Sande im Manteltlial (Blatt Königsberg. Vergl. dieses Jahrbuch für 1896, S. LXVI), sind aber im Gegensatz zur dortigen Bildung zum bei weitem grössten Tlieil dem Oberen Mergel auf- gelagert.
C. Gagel: Bericht über die Aufnahmearbeiten auf
den Blättern Uchtdorf und Wildenbruch.
Blatt Uchtdorf, unmittelbar nördlich von Königsberg (Neu- mark) gelegen, gehört mit seinem grösseren östlichen Theile der pommerschen Hochfläche an und nur etwas über im west- lichen Theile des Blattes gehört zum Oderthaie, dessen Thalsohle, das Oderbruch, hier schon in 0,7 — 0,8 Meter Meereshöhe liegt, während die dazu gehörigen Thalsand terrassen sich bis zu 10 bezw. 25 Meter Höhe erheben; die Hochfläche dagegen liegt in etwa 50 — 70 Meter Höhe und weist an einzelnen Stellen der Kehr- berger Forst noch grössere, bis 92,2 Meter ansteigende Er- hebungen auf. Der grösste Theil dieser Hochfläche zeigt eine nnr schwach wellige, ziemlich gleichmässige Oberfläche, anf der nnr geringe, allmählich abfallende Höhenunterschiede Vorkommen und bildet eine auf grosse Strecken von mehr oder minder mächtigen Oberen Sauden bedeckte Geschiebemergellandschaft; dagegen zeigen die Roderbecker und besonders die Kehrberger Forst eine ausserordentlich stark coupirte Oberfläche mit auffallend grossen und schroflen Niveauverschiedenheiten; es ist ein schneller und stetiger Wechsel von steilen, rundlichen oder länglichen Hügeln, tiefen runden Kesseln und regellos vertheilten schluchtenartigen Vertiefuuefen. In diesem Gebiet ist augenscheinlich die rnodelli- rende Kraft des alten Inlandeisrandes und der daraus hervor- tretenden Schmelzwasser zu ganz besonders energischer und an- dauernder Thätigkeit gelangt; Aufschüttung und Erosion sind hier im steten Wechsel an dem Aufbau der Gegend betheiligt gewesen, die bedeckt ist von Oberen Sanden, welche in ihrer Mächtigkeit die stärksten Schwankungen aufweisen, bald nur als ein dünner Schleier über unterdiluvialen Bildungen liegen, bald zu mäcbtigen Hügeln anschwellen, unter denen man bei günstigen
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Aufschliissen tief am Grunde den Oberen Geschieljeinergel naeh- welsen kann. In sehr grosser Verbreitung, aber immer iiur ganz geringer Ansdelmnug, stossen durch diese Oberen Sande zahlreiclie Kuppen von Oberem Geschiebemergel, nnterdiluvialem Thonmergel und Unteren Sanden durch; letztere nur dann mit Sicherheit nach- weisbar und auf der Karte ansznzeichnen , wenn sich auf ihnen noch kleine Fetzen des zerstörten Oberen Geschiebemergels er- halten haben, in Wirklichkeit aber wahrscheinlich noch sehr viel häufiger vorhanden, was sich aber mangels eines durchgehenden petrographischen Unterschiedes nicht mit Gewissheit nachweisen lässt. Die Oberen Sande, die dieses Gebiet bedecken, führen eine stellenweise recht auffallende Menge grosser Geschiebe.
Alles dieses zusammen weist darauf hin, dass wenn es hier auch zur Ausbildung einer eigentlichen Endmoräne nicht gekommen ist, wir es doch hier dem Wesen nach mit einer analoo-en Bilduno^ zu thun haben, dass dieses Gebiet eine Stelle bezeichnet, an der für längere Zeit der Rand des alten Inlandeises gelegen hat. Der ganze Zug, der, etwa in der Mitte des Nordrandes von Fiddichow her auf das Blatt übertretend, zuerst eine reine N. — S. -Richtung einhält, dann immer deutlicher in die NW. — SO. -Richtung ab- schwenkt, lässt sich topographisch nur bis etwa an die Stettin- Küstriner Bahnlinie verfolgen; jenseits dieser Bahnlinie hören sowohl die zahlreichen Durchragungen des Unteren Diluviums wie die auffallenden topographischen Formen auf und es bleibt nur die ausgedehnte Bedeckung des Oberen Geschiebemergels mit Oberen Sanden übrig, bis sich etwa südlich von Selchow auf dem daneben liegenden Blatt Wildenbruch auch diese allmählich ver- lieren, genau in der Höhe der weiter östlich auftretenden O. — W. streichenden Hünenberge.
Diese ganzen Verhältnisse lassen es als sicher erscheinen, dass dieser Zug die Fortsetzung der von Michael im östlichen Theile von Blatt Wildenbruch und auf Blatt l’eyersdorf aufge- fundenen Endmoräne darstellt, und dass diese nicht, wie Michael vermuthet (dieses Jahrbuch für 1896, S. LXXII), durch die kleinen, viel zu zerstreut und zusammenhangslos liegenden Durchragungen bei Selchow und Wilhelmswalde gebildet wird.
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Von Interesse sind ferner auf Blatt Uchtdorf die Thalbildim- gen. An das eigentliche, die NW. -Ecke des Blattes einnehmende Oderthal, das nur von Schlickablagerungen ausgefüllt ist, schliesst sich nach SW. eine grosse halbkreisförmige Einbuchtung in das Diluvialplateau, die von zwei z. Th. scharf von einander ge- trennten, z. Th. auch allmählich in einander übergehenden Thal- sandterrassen eingenommen wird und in die von Süden her ein breites Thal einmündet, die Fortsetzung des von KrüSCH (dieses Jahrbuch für 1896, S. LXVI) beschriebenen Mantelthales , das durch eine in der Mitte gelegene Dilnvialinsel in zwei Theile ge- theilt wird, in dessen östlichem Theil die Böhricke fliesst, dessen westlicher Theil aber, soweit er nicht vom Krimosee eingenommen wird, ganz trocken liegt. Dass die vorerwähnte grosse Einbuch- tung in das Diluvialplateau mit ihren Thalsandterrassen nicht von der Oder ans und ebenso wenig von dem von Süden her ein- mündenden Mantelthal aus gebildet sein kann, lehrt der erste Blick auf die Karte; eine Erklärung dafür findet sich erst, wenn man die weiter nordwestlich gelegene Umgebung betrachtet, wo auf der anderen Seite der Oder sich das grosse Randowthal abzweigt, in dessen genauer Verlängerung diese Einbuchtung liegt und das, wie Beushausen (dieses Jahrbuch für 1894, S. LXVI) nachge- wiesen hat, gegen Ende der letzten Vereisung ein Hauptabfliiss- thal der Abschmelzgewässer gewesen ist. Nur durch den Anprall der aus diesem grossen Thal hervorbrechenden gewaltigen Wasser- massen ist diese weite Auskolkung zu erklären, deren höhere Terrasse wenigstens theilweise nicht durch Aufschüttung, sondern durch Abrasion gebildet ist. Diese höhere Terrasse verläuft bei otwa 20 — 25 Meter Meereshöhe im NO. und O. ganz allmählich in das Diluvialplateau, im Süden schneidet sie dagegen mit einem deutlichen Erosionsrand gegen dasselbe ab. Die tiefere bis zu etwa 8 — 12 Meter Höhe sich erhebende Terrasse bildet südlich von den Sonnenbergen und nördlich von Grabow und Reichen- felde einen deutlichen mehr oder minder hohen Absatz gegen sie, an anderen Stellen verläuft sie ebenfalls ganz allmählich in die höhere Terrasse.
Fast auf der Grenze der beiden Blätter Uchtdorf und
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Wildenbmch zieht sich von N. nach S. ein Hochthal durch das Diliivialplateau , die Fortsetzung der von Müller beschrie- benen Liebitz- Rinne (dieses Jahrbuch für 1892, S. LXVl). Es wird im Norden eingenommen durch die beiden Colbitzseen und dann nur von der kümmerlichen Wasserader des Selchower Mühlenfliesses durchzogen. Es weist nur z.' Th. Erosionsränder auf, so besonders im Süden an seiner Einmündung in’s Röhricke- thal; an vielen Stellen dagegen senkt sich der Obere Geschiebe- mergel bis auf die Thalsohle hinab, ja zieht sich sogar noch unter die seinen Boden bedeckenden ThaEaude herunter. Auch in das oferade noch auf den Südrand des Blattes Uchtdorf übertretende Röhrickethal, dessen Terrasse hier bei etwa 30 Meter liegt und das meistens sehr hohe steile Erosionsränder aufweist, zieht sich an einer Stelle, im NW. vom Gute Röhrcheu, der Obere Geschiebe- mergel ganz allmählich hinein und taucht unter dessen Thalsande unter.
R. Michael: Wissenschaftlicher Bericht zu Blatt
Schwochow und Beyersdorf.
Durch die Kartirung des Jahres 1897 wurden die beiden im Jahre 1896 begonnenen Blätter Schwochow und Beyersdorf fertig gestellt. Die im vorjährigen Berichte ausgesprochene Vermu- thung, dass die Durchragungszüge der Gegend von Schwochow, Beelitz, Leine, Alt-Grape und Isinger das östliche zugartig ent- wickelte Bogenstück, die breite Zone z. Th. ausserordentlich mäch- tiger oherdiluvialer Sande südlich Schwochow das zugehörige Stirnstück eines neuen Endmoränen-Abschnittes darstellen, dessen westliches Gegenstück auf dem linken Oderufer nordwestlich Greifenhagen bekannt ist, hat durch die specielle Aufnahme ihre Bestätigung erhalten. Der mehr als auffällige Reichthum des oberen Sandes und oberen Geschiebemergels an grossen Geschieben jeder Art ist auf das Gebiet innerhalb der Durchraguugs-Zone und der oberen Sandberge beschränkt; bezüglich der geologischen Zusammensetzung der einzelnen Durchragungszüge braucht nur
9 R. Michael, dieses Jahrbuch für 1896, S. LXXIII ff.
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bemerkt zai werden, dass es die gewöhnliche und typische ist, auch echte ßlockpackung wurde stellenweise beobachtet. Sie bilden die Fortsetzung der von Müller beschriebenen Züge von Wartenberg, Babin und Alt-Falken berg (Blatt Neumark) und ver- laufen zunächst in nordsüdlicher, dann z. Th. westlicher, im All- gemeinen in südwestlicher Richtung in mehrfachen parallelen Reiben, die als Repetitionen aufzufassen sind und convergiren alle gegen die obere Sandpartie, liegen also im Allgemeinen senkrecht zu der für dieses Gebiet auzu nehmenden Richtung der Bewegung des Inlandeises; im Einzelnen sind zu nennen:
1) ein Zug östlich von Isinger, Richtung zuerst von NW. nach SO., dann von N. nach S.,
2) ein Zug südwestlich von Isinger, wie der vorige erst von NW. nach SO., dann von N. nach S. gerichtet; in seiner Fort- setzung liegt durch eine 500 Meter von Moormergel erfüllte Senke getrennt:
3) ein Zug, welcher zunächst in südwestlicher Richtung ver- läuft und über die Chaussee nördlich Alt-Grape hinüber setzt’ dann eine westliche Richtung, schliesslich scharf auf biegend eine nordnordwestliche einschlägt und an der Chaussee östlich Leine ab setzt,
4) ein Zug westlich Isinger, auf Blatt Neumark sich zunächst von NW. nach SO., dann nach S. wendend, welche Richtung er, mehrfach unterbrochen, im Allgemeinen beibehält; im oberen Ab- schnitt kommt eine südwestliche, im unteren eine südöstliche Er- streckung zur Geltung,
5) der Ileideberg und seine Fortsetzung westlich Isinger, Richtung NO. — SW.,
6) der Fuchsberg nördlich Leine, Richtung ONO. — W^SW.,
7) die Rupprechtsberge südlich Beelitz, zunächst genau nord- südlich, dann in südwestlicher Richtung verlaufend.
Ausserdem sind eine ganze Reihe kleinerer Durchragungen Unterer Sande zu erwähnen, die westlich Alt-Grape, südlich Leine, auch südlich Beelitz zwischen den erwähnten Zügen auftreten und
b G. Müller, dieses Jahrbuch für 1894, S. LXIX.
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gleichfalls eine riordsüdliche, dann nordöstlich-südwestliche An- ordnung zeigen.
Der Fnchsberg No. 6 und der von NW. nach SO. sich er- streckende Abschnitt des Dnrchragungsznges No. 2 sind von Keil- IIACK auf seiner Karte als »Drumlins« angegeben worden; ich kann mich dieser Benennung aber nicht anschliessen, ebensowenig wie ich in dem Gelände nördlich Alt- Grape zwischen dem Schwochower und Isinger Graben, wo Keilhack gleichfalls auf seiner Karte einige Kuppen des Messtischblattes durch die Be- zeichnung als Drumlins hervorhebt, eine »Rückenlandschaft« in dem von ihm gebrauchten Sinne wahrnehmen kann; die einzigen im Landschaftsbilde deutlich ausgeprägten und hervortretenden Rücken sind eben Durchragungszüge d. h. endmoränenartige Ge- bilde von vielfach wechselnder Richtung, das Gelände zeigt keine Formen von ausgesprochenem Parallelismus, sondern mindestens ebenso viele, die zur Bewegungsrichtung des Inlandeises entgegen- gesetzt verlaufen.
Das Gelände südlich Beelitz und nördlich Schwochow hat den Charakter der Grundmoränenlandschaft; derselbe geht südlich der oberen Sandpartie verloren und macht sich erst weiter süd- lich auf Blatt Beyersdorf mit der Annäherung zu der dortigen Endmoräne in erhöhtem Maasse geltend.
Nördlich Bahn setzt topographisch und geologisch als solche gekennzeichnet eine Senke an, welche sich in nordöstlicher, dann östlicher Richtung über Rohrsdorf fort/.ieht und westlich Loist endigt; sie stellt ein altes Seebecken, ein Nebenthal zur Wilden- brucher Rinne dar.
Es soll nicht unterdrückt werden und ich habe darauf bereits im Berichte des Vorjahres hingewiesen, dass die erwähnten Durch- ragungszüge in ihrer Deutlichkeit gegenüber denen des linken Oderufers zurückstehen und ihre Endmoränennatur nur aus einer Betrachtuno; der ffesammten Erscheinuno^en verständlich wird.
Ungleich schärfer und überzeugender markirt sich aber die im Berichte des Vorjahres gleichfalls bereits erwähnte, nächst
') Keilhack, dieses Jahrbuch für 1896, S. 163 ff.
2) 1. c. p. 188.
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südlichere Etappe beim Zurückweichen des Inlandeises, nämlich die Beyersdorfer Endmoräne, deren Auftreten auf Blatt Beyersdorf bereits im Jahre 1895 von H. Schröder und mir auf einer gemeinschaftlichen Excursion festgestellt und deren Ent- wickeluno^ auf Blatt Wildenbruch durch die Aufnahmen des vorigen Jahres nachgewiesen werden konnte.
Ihr weiterer Verlauf auf Blatt Beyersdorf im Einzelnen wurde in diesem Sommer verfolgt: in einer nnr selten in gleicher
Weise nachweisbaren fast modellartigen Klarheit und Deutlichkeit ist sie südlich Beyersdorf und Marienwerder, namentlich westlich und östlich des nach Krauseiche und Kerkow führenden Weges entwickelt, von hier aus in ostsüdöstlicher Richtung bis zur Blattgrenze als ein kaum unterbrochener Zug mächtiger und typi- scher Blockpackung von fast 6 Kilometer Länge und meist 100 Meter Breite (Eckernberg, Teufelsberg, Galgenberg). Natürlich hat sich die Bevölkerung den grossen Steinreichthum der End- moräne nach Kräften zu Nutze gemacht; in vielen Steingruben sind im Laufe der letzten Jahre längs des Zuges südlich Marieu- werder viele Tausende von Kubikmetern gefördert worden, ohne den vorhandenen Vorrath auch nur annähernd zu erschöpfen; grosse Aufschlüsse zeigen deutlich die Zusammensetzung der »Stein- berge«. Die Blockpackuug, stellenweise bis 10 Meter mächtig, ist nicht etwa dem Geschiebemergel regelmässig aufgelagert, sondern mit demselben auf das Innigste und Regelloseste verknüpft; es tritt Blockpackung auch unter Geschiebemergel und den unten- lageruden Sanden auf, sie ist ferner nicht nur auf die topographisch scharf markirten Erhebungen und höchsten Kämme beschränkt, auch in den Gründen wechsellagert sie mit Sand und Lehm, wie mehrfach durch gelegentlich tiefe Grabungen festgestellt worden ist. Das Bindemittel der Blockpackung wechselt ebenso; oft liegt Stein auf Stein, oft sind es kleinere Geschiebe, oft Kies, lehmige Sande, feine Mergelsande, kurz alles durcheinander.
Die typische Grundmoränenlandschaft hinter der Moräne ist namentlich bei Marienwerder von zahlreichen Durchragungen durch- setzt; die Zahl, Grösse und Häufigkeit der Geschiebe nimmt bis zu einer vollständigen Geschiebebeschüttung mit der Annäherung
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zur Endmoräne zu. Ungemein scharf schneidet die Endmoräne die Grundmoränenlandschaft von einem mächtig entwickelten Sandr ab, der die Gegend von Krauseiche, den Hohenziethener, Kerkower Forst und das Gelände von Flachs winkel erfüllt und in allen seinen Verhältnissen und Erscheinungsformen den in der Litteratur be- kannten und geschilderten gleichen Ablagerungen entspricht.
Während auch die Grösse der einzelnen Geschiebe auf der Endmoräne eine ganz beträchtliche ist und Blöcke von mehreren Kubikmetern Inhalt sehr häufig auftreten, solche von 10 Kubik- meter und darüber durchaus keine Seltenheit sind, Hessen sich im Sande keine Gerölle von viel über Kopfgrösse nachweiseu, so mächtig auch die Kiesbeschüttung unmittelbar vor der Endmoräne an vielen Stellen auftritt.
Dieser Gegensatz macht sich auch in der Beackerung geltend; bis zu dem höchsten Kamm, der von ihr frei gelassen wird, ist üppigster Weizenboden, dessen Güte nur durch die Brandstellen im Lehmboden, die Durchragungen unterer Sande, beeinträchtigt wird; der Sandboden vor der Endmoräne gestattet kaum den An- bau von Lupinen und Kartoffeln. Nur unmittelbar vor ihr hat die zuerst noch lehmige Beschaffenheit der Verwitterungsrinde der gröberen Sande stellenweise zu anderen Versuchen verleitet, die aber immer wieder aufgegeben wurden; zur Zeit ist man sogar damit begriffen, das ganze beackerte Gebiet südlich des Teufels- berges, das Terrain des Vorwerkes Flachswinkel wieder aufzu- forsten, weil kein Anbau lohnt.
Westlich von dem Beyersdorf-Kerkower Wege lässt sich die Fortsetzung der Endmoräne unschwer in dem kleinen Waldstreifen verfolgen, der sich zwischen Grund moränenlandschaft und Sandr in nordwestlicher Richtung fortzieht; es sind zwar keine Auf- schlüsse vorhanden, doch verrathen die nur mit sehr dichtem Kiefergestrüpp bestandenen, für Spaten und Bohrer undurchdring- lichen Berge durch ihre scharfen Formen und die oberflächlich vielfach zerstreuten, z. Th. sehr grossen Blöcke ihre Endmoränen- Natur. In dem Königlichen Forst Wildenbruch, nördlich der Kyff- Haide, scheint eine Aufbiegung der Endmoräne nach N. stattzu- finden, wie ein Blick auf die geologische Karte vermutheu lässt.
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Die Oberfläche der Jagen 44, 45 und 41 erfüllen wüste Mengen grober Saude, innerhalb deren einige nordsüdlich gerichtete Kies» berge auftreten, eine Erscheinung, die auch vor dem westlichsten Theile des eigentlichen Blockpacknngs- Zuges in den Hohen- ziethener Forst zu beobachten ist; grosse und kleine Blöcke in zahlloser Menge sind hier ebenso verstreut, wie an der Grenze dieses Sandüfebietes ^eccen die Grnndmoränenlandschaft in den Jagen 49, 50 und 51. Südlich von dem Forsthaus Wildenbriich (dem früheren Chansseehans) biegt die Sandpartie wieder nach S. zurück. Ein Dnrchragungsrücken zwischen Jagen 51 und 50 scheint noch zur Endmoräne zu gehören, die Sande und Kiese selbst sind zum überwiegenden Theile Aufschüttungsmassen, wenngleich hie und da auch durch Partien wenig mächtigen Geschiebemergels innerhalb der Sandmassen untere Sande und Grande durchstossen. In dem Gelände südlich Gornow und nörd- lich Linde ist die Moräne gleichfalls nicht mehr unmittelbar nachzuweisen, wenngleich auch die starke Geschiebebestreuung, die ausserordentlich belebte Form der Grundmoränenlaudschaft und zahlreiche kleinere Durchrao'uno;srücken die stattj^ehabten Einwir- klingen des Eisrandes aut den Untergrund sichtbar machen. Auch die Partien oberer Sande südlich Linde deuten darauf hin, wäh- rend sonst der Geschiebelehm hinter dem Endmoränenabschnitt von aufgeschütteten Sauden fast vollkommen frei ist.
Mit den vielen kleinen Dnrchragungen westlich Gornow ist der Anschluss an die Hünenberge erreicht, die östlichsten auf Blatt Wildenbruch vorhandenen Vertreter der Endmoräne. Hier und in den westlich der Wildenbrucher Rinne auftretenden Bauern- buschbergen äiissern sich, wie im vorigen Jahre bereits nachge- wiesen worden ist, die Endmoränen «yeoloixisch als Dnrchragungen unterer Sande, hervorgerufen durch Stauungen des Untergrundes beim längeren Verweilen des Eisrandes auf demselben. An beiden hat, wohl in Folge ihrer örtlichen Lage zur Wildenbrucher Rinne, nachträglich Erosion an der Gestaltung des topographischen Bildes mitgewirkt, bei den Hüuenbergeu haben auch Neu-Aufschüttungen stattgefuuden, die ja für die übrigen Theile der Beyersdorfer End- moräne die Regel sind.
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Es darf wohl behauptet werden, dass alle Details einer Endmoräne selten anf knappem Raume so deutlich und klar sich beobachten lassen, wie auf dem erst geschilderten Abschnitte derselben südlich Marien werdcr. Hier decken sich auf weite Erstreckung Blockpackungszug und Endmoräne; es wäre aber trotzdem nicht richtig, und davon ist wohl jeder, der den Verlauf von Endmoränen eingehender aufgenommen hat, überzeugt, wenn man Blockpackung als das eigentlichste Merkmal der Endmoränen bezeichnen wollte, wie es GottscheI) anzunehmen geneigt ist. Die alDemeine Blüthenlese von Charakteren der Endmoränen
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in verschiedenen Ländern, die der Verfasser zusammenstellt und mit einem gewissen Befremden wiedergiebt, zeigt in ganz richtiger Weise die Erscheinungsformen von Endmoränen auch in weit kleineren Räumen; wenn man von solchen Stellen, wo das Bild sich vollständig darbietet, ausgeht, wird man unschwer auch ander- wärts die einzelnen Zime wiedererkeiinen und zu einem richtio^en Gesammtbild vereinigen, selbst wo die Verhältnisse auf den ersten Blick nicht so klar zu liegen scheinen.
Die nähere und weitere Umgebung des Ziethen- und Holz- Sees und Theile der Pyritzer Stadtforst nördlich von Marien- werder und nördlich und östlich von Beyersdorf werden von Beckensanden, Thonmergeln und Kalkablagerungen erfüllt und stellen ein ausgedehntes Staubecken hinter der Beyersdorfer End- moräne dar.
Es sei hier zum Schluss noch auf eine Erscheinung hinge- wiesen, die beim ersten Ansehen einigermaassen befremdend zu sein scheint. In dem weiten Gebiet zwischen der durch die Durch- ragungszüge des nördlichen Theiles von Blatt Schwochow bezeich- neten Etappe und der Beyersdorfer Endmoräne treten etwa in einer durch die Orte Beyersdorf, Eichelshagen, Gr. Mölln, Köselitz, Rackitt und Neu-Grape bezeichneten Linie weitere Durchragungs- züge auf, zum Theil als überraschend scharf markirte Wälle. Es sind dies:
') Gottsche, Die Endmoränen und das marine Diluvium Schleswig-Holsteins. Mittheil. d. Geogr. Ge^ Hamburg 1897, Bd. XIII, S. 13.
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1) ein bogenförmig nach W. gekrümmter Zug östlich BeyerS“ dorf, südlich des Grossen Holzsees,
2) ein von N. — S. langgestreckter Rücken südlich Eichels- 1 läge 11,
3) ein in südwestlicher Richtung verlaufender Geschiebewall im Pyritzer Stadtforst nöidlich der Försterei,
4) mehrere kleinere Züge östlich Gross Mölln,
5) 2 Rücken südlich Köselitz, der eine noch auf Blatt Beyers- dorf gelegen, von NO. nach SW., der andere unmittelbar am Dorfe von ONO. nach WSW. gerichtet,
G) ein scharf markirter im Allgemeinen nordsüdlich gerichteter doch bogenförmiger Zug südlich Rackitt, der im Schiuderberge scharf nach W. und NW. umbiegt, schliesslich:
7) ein kleinerer Kiesrücken südlich Neu- Grape, von NW. nach SO. verlaufend. .
Da diese Wälle ihrer geologischen Zusammensetzung wegen nicht als Asar gedeutet werden können und ihre Anordnung es verbietet, sie mit Drumlins zu identificiren, so wird man dieselben gleicbfalls als Rückzugsgebilde von der Art der Endmoränen anf- tassen müssen, die von der deutlich markirten südlichen zur nächst nördlicheren Etappe hiuüberleiten.
Mittheilungen des Dr. G. Müller über seine Aufnahmen im Sommer 1897 auf den Blättern Warten bürg und Men sg uth.
Die im Jahrbuch für 1895 ausgesprochene Ansicht, dass die hinter der Endmoräne an die Rinnen und Becken sich anschliessen- den Sande und Tho'ne juugglacialen Alters sein müssten, obwohl durch die Bohrungen anscheinend das Gegentheil uachge wiesen war, fand im Sommer 1897 seine volle Bestätigung durch die Anfnahmearbeiten auf dem an Blatt Gr. Bartelsdorf nördlich an- grenzenden Blatte Wartenburg. Hier konnte nicht nur durch Bohrungen, sondern auch in Aufschlüssen, vor allem nördlich von der Stadt Wartenburg, die Ueberlageruug des Oberen Geschiebe- mergels durch die thonigen und sandigen Bildungen festgestellt werden. Die scheinbare Auflagerung des Geschiebemergels auf
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Thou ist durch Uinlagcriing des ersteren am Rande der eliema- lio-en Wasserbecken bewirkt worden. Zwischen Deckthon und
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Geschiebemergel schiebt sich häidig eine Sand- bezw. Grandschicht ein, die ich als nnterdilnvial dargestellt hatte. Es dürfte jedoch auch diesen Sanden jnugglaciales Alter zugesprocheu werden, da beim Zurückweichen des Inlandeises naturgemäss zunächst in dem bewegten Wasser die groben Sande und Grande abgelagert wurden, und erst als der Gletscher weit zurückgegangen war, konnten sich in dem durch die Endmoräne geschaffenen Stausee die thonigen Sedimente uiederschlagen. Das jungglaciale Alter wird sich aller- dings nur dann mit Sicherheit nachweisen lassen, wenn der Obere Geschiebemergel als Liegendes festgestellt werden kann. Dies ist z. R. nördlich vom Vorwerk Zimnowo der Fall, wo die thonigen Sedimente und die trennenden Sande sich nur als eine sehr dünne Decke erweisen, so dass ihre Darstellung kartographisch sehr schwer ist. Der Thon erlangt dortselbst nur in den Senken eine grössere Mächtigkeit, ist dort jedoch nothwendigerweise als alluvial wiedergegeben. Ob die als unterdiluvial dargestellten Thone am linken Ufer des Daumen Sees wirklich inter- bezw. altglacial sind, lasse ich dahingestellt; denn obwohl die Thone und Mergelsande auf der Höhe von den am Seeufer und in tiefen Einschnitten blosgelegten durch Sande getrennt erscheinen, bleibt doch der Um-' stand auffällig, dass beide nur in Gesellschaft auftreten, und dass namentlich dort, wo auch sonstige unterdiluviale Bildungen (Ge- schiebemergel) mit Sicherheit nachgewiesen sind, der obere Thon hingegen fehlt (z. B. östlich von Klimkowo), der unterdiluviale Thou nicht gefunden ist. Es liegt daher die Annahme nahe, dass diese Tlione in einem subglacialen Becken hinter der Endmoräne gebildet sind, in welchem sich nach Rückgang des Eisrandes auch die späteren fluvioglacialen Sedimente ansammeln mussten.
Entgegengesetzt der ehemaligen Flussrichtuug findet eine An- reicherung der Sedimente au sandigen Theileu statt, so dass ein allmählicher Ueberg.aug von Thonmergel in Mergelsand, geschiebe- freien Oberen Sand, Geschiebesaud und Grand vor sich geht. Ein Wechsel in der Stromgeschwindigkeit hat natürlich vielfach diese allgemeine Regel durchbrochen. Die vom zurückweichen-
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den Inlandeis ansgescbntteten Sandinassen nehmen auf Blatt War- tenherof den o;rössten Fläcbenraum ein. Dass dieselben wirklich jungglacial sind trotz ihrer bedeutenden Mächtigkeit, ihrer Füh- rung von Kalkgeschieben, ihrer Schichtung, alles Eigenschaften, die bis in die jüngste Zeit vielfach nur als den inter- und altgla- cialen Sanden eigenthümlich zuerkannt wurden, beweist vor allem der Umstand, dass randlich der Obere Geschiebemergel sie durch- stösst, bezw. auch in sehr tiefen Einschnitten blosgelegt ist.
Besonders auÖallig in dem Oberen Sand -Gebiet des Blattes Wartenburg ist der Grand- und Geschiebelehmstreifen, der von Wieps nach Gr. Gronau hin verläuft. Der Grand sowie Lehm liegen nicht durchweg horizontal, sondern sind, wie die Auf- schlüsse am Bahnhof Wieps beweisen, vielfach steil aufgerichtet. Bei Wieps findet man sogar reichliche Blockpackung, so dass die D(uituno: des Zuges als Endmoräne im kleinen Maassstabe richtig sein dürfte. Nördlich von dem Grand- und Lehmzuge liegt die typische Gruudmoränenlandschaft, ist jedoch von dieser noch von einem etwa 750 Meter breiten Bande Geschiebesandes getrennt.
Der im vorigen Jahrbuch mit Gagel eingehend beschriebene nauptendmoränenzng zeigte bei der in diesem Jahre fortgesetzten Untersuchung insofern eine kleine Abweichung in seinem Aufbau, als typische Blockpackungen häufiger festgestellt wurden als in den bisher genau kartirten Theilen desselben. Dies ist nament- lich der Fall westlich llaschung und nordöstlich Hasenberg. Die neuerdings von Gottsche ausgesprochene Ansicht, dass einzig und allein die Blockpackung das Charakteristicum der Endmoräne bilde, ist schon deshalb unzutreffend, weil nicht alle Grundmorä- nengebiete gleich reich an grösseren Geschieben sind. Nament- lieh gilt dies für Ostpreussen, wo es bekanntlich häufig sehr schwer hält, Thouinergel vom Geschiebemergel zu trennen. Wäre die GoTTSCHE’sche Behauptung richtig, so dürfte es ihm in Ost- preussen überhaupt wohl nicht gelingen, Endmoränenzüge festzu- stelleu, hezw. aus den vereinzelten Blockpackungeu einen Zug
') Die Endmoränen und das marine Diluvium Schleswig- Holsteins. Sonder- Ahdriick aus den Mittlieilungeu der Geogr. Ges. in Hamburg, Bd. XIH.
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ZU construiren. Die Aufschüttungen der Gerolle und Grande sind naturgemäss nicht reicher mit grossen Blöcken durchgesetzt als die Grundmoräne selbst. Und nur dort, wo der Ausfluss der Schmelzwässer ein rascherer war, bezw. wo diese sich vereinigten, ging durch Fortführung der beweglicheren Grande und Sande eine Anhäufung der grösseren Geschiebe vor sich, die dann nicht immer auf dem Kamm des durch den längeren Stillstand hervorgerufenen Höhenrückens zu liegen braucht. Sowohl in der Uckermark als auch in Ostpreussen habe ich vielmehr vielfach beobachtet, dass sogen. Blockpackungen in der Grimdmoränenlandschaft hinter der Endmoräne regellos vertheilt waren, die dann allerdings stets Vor- boten der eigentlichen Endmoräne sind.
Die vor dem Eintritt der letzten Inlandeisbedeckung nament- lich während der Interglacialzeit gebildeten Oberflächenentwick- lung des baltischen Höhenrückens hatte naturgemäss einen grossen Einfluss auf den Aufbau und Verlauf der Endmoräne, wenn ich auch bezweifle, dass Höhenrücken wesentlich die allgemeine Zug- richtung verändert haben. Sie werden jedoch hie und da Ab- weichungen in der allgemeinen Richtung, Bildung von kleineren Zungen u. s. f. veranlasst haben, ebenso wie durch sie eine un- gleichmässige Ablagerung des Schuttmaterials hervorgerufen sein wird. Ein abschliessendes Urtheil über die ostpreiissische End- moränenlandschaft wird erst dann möglich sein, wenn ihre Special- aufnahme 1 : 25,000 fertig gestellt sein wird. Die Erklärung mancher Phänomene ist bis dahin unmöglich.
Dahin gehört auch die Frage nach der Bildung des Graud- zuges zwischen Mensguth und Dimmern, obwohl mir der end- moränenartige Charakter desselben nicht zweifelhaft ist. Die Gerölle und Grande, bezw. grandigen Sande grenzen nach Westen gegen die Grundmoränenlandschaft in einer verhältnissmässig geraden Linie ab. Der Geschiebemergel ist entweder von dem Grand durch Trockenthäler getrennt, oder es verläuft die Grenz- linie über Berg und Thal, gerade so wie ich dies von der Endmoräne westlich Rummy beschrieben habe. Zwischen Meus- guth und Augusthof bildet der Grand einen nach Westen verhält- nissmässig steil abfallenden Rücken, der nicht auf spätere Erosion
Jahrbuch 1897.
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2urückziiführen ist. Längs des Grandstreifens ziehen sich, aller- dings zusammenhanglos, Thone. Diese liegen auf dem Oberen Geschiebemergel und gehen andererseits in die grandigen Ablage- rungen hinein. Die grandigen Sande sind am Westrande nicht rein, sondern es finden sich in ihnen, wie durch Bohrungen und Aufschlüsse zur Genüge bewiesen, Einlagerungen von Thonmergel, Mergelsand und Geschiebelehm-Geröllen und Linsen, so dass das Verwitterungsproduct sehr lehmig ist, ähnlich den Resten des Oberen Mergels auf Unterem Sande. Während man letztere je- doch auch auf steilen Kuppen findet, zeigen diese in dem frag- lichen Gebiet nur reinen Sand bezw. Grand, und die lehmige Rinde ist nur auf die Mulden und ebenen Flächen beschränkt. Nimmt die Korngrösse der Sande ab, so erhält man thonstreifige Sande, die jedoch von den lehmstreifigen grandigen Sanden nicht abzugrenzen sind, weil die Korngrösse zu sehr auf kurze Ent- fernung hin wechselt, so dass nur eine Zone lehm- bis thon- streifiger Grande bezw. grandiger Sande von dem reinen Grande abgegliedert wurde.
Die lehmstreifigen Sande stehen also in der Mitte zwischen den reinen Sanden und den Oberen Sanden am Hinterrande der Endmoräne mit ein- und angelagerten, in der Regel zusammen- hanglosen Geschiebemergelbänken, die rein stratigraphisch be- trachtet zum Unteren Diluvium gezogen werden müssten, obwohl ihre Bildung zweifellos gleichaltrig mit der des Oberen Geschiebe- mergels ist.
In der Grundmoränenlandschaft ist auf Blatt Mensguth noch die Richtung der Rinnen nordwestlich Mensguth beachteuswerth. Zwei Kilometer südlich Rummy entwickelt sich eine nach Süden sich allmählich verbreiternde Senke, in der sich jedoch noch zahlreiche, querverlaufende Diluvialrücken erheben. Getrennt sind diese durch schmale Rinnen, die sich halbkreisförmig nach beiden Seiten, also nach Südost und Süclwest verlängern. Die Hauptsenke steht mit dem Grossen Schoben -See auf Blatt Gr. Schöndamerau in Verbindung. Eine einleuchtende Erklärung dieses eigenartigen Kartenbildes dürfte auch erst nach Fertigstellung des südlichen Blattes möglich sein.
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C. Gagel: Bericht über die Aufnahmearbeiten auf den Blättern Reuschwerder und Muschacken.
Die Aufnahmearbeiten dieses Jahres brachten als wesent- lichstes Ergebniss die Kenntniss der weiteren Fortsetzung des ostpreussischen Endmoränenzuges, dessen erste Stücke im vorigen Jahre hier beschrieben wurden. Auch in diesem Gebiet ergab es sich wieder, dass hier nicht eine einzige scharf ausgeprägte End- moräne ausgebildet ist, sondern dass die hierher gehörigen Bil- dungen auf einen breiteren Raum in mehreren StaiSfeln aus einander gezogen sind, die zwar stellenweise dicht hinter einander liegen, auf grosse Strecken aber auch sehr deutlich getrennt sind und z. Th. stark divergiren. Auf Blatt Reuschwerder sind nur zwei isolirte Stücke dieser Endmoräne vorhanden, die inselartig aus den das ganze übrige Blatt einnehmenden Thalsandflächen her- vortreten, nämlich der Roggener Berg, der sich westlich vom Dorfe Roggen 132 Fuss über das Thalsandniveau erhebt und die kleine Erhebung nördlich von Lomno; letztere ist nur aus Oberem Sand mit schwacher Steinbestreuung aufgebaut, ersterer enthält ausserdem noch vereinzelte, kleinere Ablagerungen von Oberem Grand und auch eine kleine Geschiebepackung.
Auf Blatt Muschacken dagegen bilden die drei hinter einander liegenden Endmoränen geschlossenen Züge , die nur je eine cor- respondirende grosse Unterbrechung haben, südwestlich und west- lich vom Dorfe Muschacken, den Durchbruch eines grossen Hocli- thales, das augenscheinlich eine Hauptabflussader der alten Ab- schmelzgewässer darstellt und sich schnell in die endlose Thal- sandebene verbreitert bezw. in sie ausmündet, die von hier aus nach Osten die Landesgrenze auf so grosse Erstreckung begleitet. Dieses Hochthal, das jetzt ganz trocken liegt, und nur an seiner Ausmündung in die grosse Thalsandebene die kleine Vertiefung des Sawadder Sees aufweist, liegt an dieser Stelle in 455 Fuss Meereshöhe, steigt aber im Norden des Blattes am Durchbruch zwischen der letzten Endmoräne bis zu etwa 500 — 510 Fuss Höhe an; während sich die grosse Thalsandebene nach Osten hin auf Blatt Reuschwerder bis zu 415 Fuss Meereshöhe senkt. Die
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Ränder jenes Hochthaies weisen trotz der gewaltigen Wasser- massen, die ihren Abfluss durch dasselbe genommen haben müssen, durchaus nicht überall Abschnittsprofile auf; es erscheint vielmehr als eine alte vorgebildete Terrainvertiefung, die durch die Erosion wohl noch etwas ausgearbeitet aber nicht hervorgebracht ist, und deren Begrenzung auf der West- bezw. Südwestseite durch Theile der verschiedenen Endmoränen gebildet wird. Au einigen Stellen, so hauptsächlich westlich und nordwestlich vom Dorfe Muschacken schmiert sich der Obere Geschiebemergel den ziemlich steilen Thalgehängen an und reicht bis in das Niveau des Thalsandes herab, ja zieht sich noch bis unter diesen herunter; selbst auf der Südwestseite dieses Thaies, wo der Obere Geschiebemergel nur in isolirten Fetzen vorhanden ist, die meistens oben auf den das Thal begrenzenden Höhen liegen und beim ersten Anblick den Eindruck gewaltiger Erosionswirkungen erwecken, zeigt es sich, dass der Thalrand auch hier wenigstens theilweise durch Auf- pressung entstanden ist, wie die darin auftretenden steil empor- ragenden Vorkommnisse unterdiluvialer Thonmergel beweisen, an deren eines von NO., also von der Thalseite her, eine isolirte, ganz steil stehende Partie Oberen Geschiebemergels augelagert ist, die ebenfalls bis unter das Thalsandniveau herabreicht.
Die älteste der beobachteten Endmoränen streicht als breiter, sehr deutlich aus dem Terrain hervortreteuder Zug stark coupirter Saude mit vereinzelten Grandablagerungen unmittelbar westlich vom Dorfe Ulleschen fast genau N/S. bis nach Jägersdorf, wo sie nach W. umbiegend und sich immer mehr verflachend und ver- schmälernd am Rande des vorerwähnten Hochthaies ihr vorläu- figes Ende erreicht. Jenseits jenes Thaies beginnt die Endmoräne wieder nördlich vom Dorfe Gr. Grabowen, von wo sie, zuerst hauptsächlich durch vereinzelte Geschiebepackungen und starke Geschiebebestreuung, dann auch durch die immer mehr hervor- tretende Terrainerhebung markirt, längs des Thalrandes von NNW. nach SSO. verlaufend südwestlich vom Dorfe Sawadden die Landesgreuze überschreitet und deshalb in ihrem weiteren Ver- lauf nicht bekannt ist.
Die zweite Staffel der Endmoränen beginnt im NO. des
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Blattes unmittelbar westlich von der eben beschriebenen uud ver- läuft in NO. — SW. -Richtung bis westlich von dem Dorfe Mu- schacken, wo sie ebenfalls au dem Hochthale abbricht; sie ist weniger deutlich ausgebildet als die vorhin beschriebene uud be- steht nicht aus einer grossen geschlossenen Erhebung, sondern nur aus einzeln an einander gereihten, mehr oder minder steil her- vortreteuden Sand-Hügeln mit einzelnen flacheren Unterbrechungen dazwischen uud verhältnissmässig schwacher Geschiebebestreuuug. Ihre Fortsetzung beginnt westlich vom Dorfe Wientzkowen, wo sie anfänglich direct nach S. streicht; dann nach einer schmalen Unterbrechung durch die Ausmüudung des Modtker-Thales schwenkt sie in die SW.-Richtung ein und verläuft, immer mehr in eine rein westliche Richtung einlenkend, längs des Südrandes des Modtker- Thales durch das Dorf Magdalenz und überschreitet als schmaler, stark aus dem Terrain hervortretender Wall den Westrand des Blattes, um sich bis in die Nähe der Stadt Neidenburg zu erstrecken.
Bezeichnet wird ihr Verlauf zuerst ebenfalls durch kleine, vereinzelte Geschiebepackuugen, die aber nur einen kleinen Theil der Endmoränen ausmachen, und durch mehr oder minder starke Geschiebebestreuung. Während ihr Hinterrand durch das längs desselben sich erstreckende Modtker-Thal scharf begrenzt wird, verläuft sie nach vorn ganz unmerklich in den vorliegenden Sandr, der hier aber nur geringe Ausdehnung hat, da die abfliessenden Abschmelzgewässer bei dem weiter nach S. eintretenden starken Gefälle bald mehr eine auswaschende als ablagernde Thätigkeit entwickelten und so schon in verhältnissmässig geringer Entfer- nung von der Endmoräne der flache Sandr in ein durch Erosion stark modellirtes Gelände übergeht. Westlich von Magdalenz tritt die Endmoräne dagegen schon deutlich als breite, geschlossene, wenn auch schwache Terrainerhebiing hervor, die unmittelbar westlich vom Dorfe zwar eine kleine Unterbrechung zeigt, dann aber desto deutlicher und bestimmter als schmaler, scharf be- grenzter Wall ausgebildet ist, von dem aus sich nach S. der weite, fast vollständig ebene Sandr erstreckt, der unmittelbar vor der Endmoräne eine sehr starke Beschotterung, weiter nach S. aber nur eine schwache Geschiebebestreuung aufweist.
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Die dritte Endmoräne endlich beginnt ausserhalb des Blattes Mnscl)acken in den nördlich davon gelegenen Goldbergen, an die sich auch die Anfänge der vorhin beschriebenen Endmoränen an- legen, unmittelbar am Ostrande des vorerwähnten Hochthaies; auf dem Blatt selbst streicht sie schon auf der Westseite dieses Thaies als sehr breite und auffällig aus dem Terrain hervortre- tende Erhebung von N. nach S., biegt etwa in der Höhe des Dorfes Wientzkowen allmählich nach W. um und verläuft als sehr breite, stark coupirte Zone von mannigfachem Aufbau über die Dörfer Modtken und Gregersdorf nach W.
Dieses Stück der Endmoräne ist von sehr auffälliger Breite, die Geschiebepackungen und Grandablagerungen nehmen in ihr nur einen verhältnissmässig sehr geringen Raum ein, auch die steilen hohen Terrainerhebungen sind in ihr keine häufigen Er- scheinungen, und eben weil die ganze Bildung nicht auf einen schmalen Strich beschränkt, sondern so in die Breite gezogen ist, ist sie auch verhältnissmässig wenig deutlich und stellenweise über- haupt kaum kenntlich, sondern nur aus dem Zusammenhang zu construiren. Ihre rückseitige Grenze ist überhaupt nicht mit Be- stimmtheit festzulegen, sondern verläuft ganz allmählich und un- trennbar in das Diluvialplateau. Am schärfsten ausgeprägt ist sie in den mächtigen Höhen NW. von Wientzkowen und in der Um- gebung von Modtken, wo einentheils vereinzelte, jetzt meistens schon ausgebeutete Geschiebepackungen und starke Geschiebe- bestreuung, andererseits sehr auffällige steile Kuppen und lange, ostwestlich streichende, hohe Terrainwellen vorhanden sind; diese sind allerdings nicht als reine Druckerscheinungen zu betrachten, da spätere Erosion die zwischen ihnen liegenden Mulden noch er- heblich vertieft und sie noch deutlicher und schärfer heraussfe- bracht hat. Der Südzipfel des Modtker-Thales, der zwischen ihr und der zweiten Endmoräne liegt, verdankt zwar nicht seine Ent- stehung, aber doch einen Theil seiner jetzigen Grösse und Tiefe augenscheinlich den aus ihr hervortretenden Abschmelzo^ewässern. die, eine Einsenkung in der zweiten Endmoräne benutzend, ihren Abfluss SW. von Wientzkowen in das grosse Hochthal fanden. Dass dieses Ausgangsthor aber ebenfalls schon ursprünglich vor-
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lianden und durch die Erosion nur wenig erweitert und vertieft worden ist, beweist eine an seinem Nordrande an der Flanke einer sehr schönen Anfpressnng Unterer Sande und Thone gele- gene Partie Oberen Geschiebeinergels , die noch im Niveau der Thalsohle liegt, und auch in dem Modtker-Thal selbst liegen am Nordrande im Thalniveau noch kleine isolirte Fetzen des Oberen Geschiebemergels.
Auffällig stark ist in diesem Gebiet die Entwicklung der Oberen Sande sowohl in der Horizontalverbreitung wie auch in der Mächtigkeit. Ein grosser Theil der Endmoräne ist aus ihnen aufgebaut; wo der Obere Geschiebemergel unter ihnen noch er- halten, ihr Alter also ganz zweifellos ist, wurden Aufschüttungs- mächtigkeiten von 5 bis 15 Meter beobachtet. Ihre Mächtigkeit ist auf kurze Entfernungen hin starken Schwankungen unterworfen, da ihre Oberfläche oft stark coupirt ist und ziemlich steile, hoch ansteigende Hügel aufweist. Sehr häufig ist der Obere Geschiebe- mergel unter ihnen mehr oder minder zerstört, sodass er auf grosse Strecken hin als nur wenige Decimeter mächtige Schicht, oft auch nur in vereinzelten Fetzen vorhanden ist.
Bei der an so vielen Stellen nachgewiesenen unzweifelhaften Mächtigkeit der Oberen Sande lässt sich die Verbreitung des Oberen Geschiebemergels unter ihnen natürlich nur da nach- weisen, wo grössere Aufschlüsse oder Erosionsränder vorhanden sind und an vielen Stellen muss die Frage nach dessen Vor- handen- oder Nichtvorhandensein als eine offene betrachtet werden. An mehreren Stellen ergab sich mit Gewissheit oder mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass er nicht als geschlossene Schicht, sondern in vereinzelten Partien von sehr geringer Horizontalausdehnung aber verhältnissmässig starker Mächtigkeit (in einem Falle über 3 V2 Meter) vorhanden ist.
An ziemlich zahlreichen Stellen und in weiter Verbreitung, fast ausnahmslos in der Endmoräne, treten kleine Durchragungen Unterdiluvialer Thonmergel auf, die sich meistens sehr steil aus dem Untergründe erheben und häufig bis zu auffallender Tiefe (bis zu 5 Meter) entkalkt sind.
Ebenfalls nur in vereinzelten, steil aus dem Untergründe
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allfragenden Kuppen tritt der Untere Geschiebemergel am Grunde oder dem Rande der Erosionsgebiete hervor und die zwischen ihm und dem Oberen Geschiebemergel liegenden Sande scheinen mei- stens eine erhebliche Mächtigkeit — bei einer Brunnenbohrung im Dorfe Modtken über 40 Meter — zu erreichen. An 3 Stellen jedoch ragen die Kuppen des Unteren Geschiebemergels so sehr in die Höhe, dass sich der Obere Geschiebemergel direct auf sie hinauf legt. Aus diesem Auftreten des Unteren Geschiebe- mergels in Kuppen in so verschiedenem Niveau, ferner aus Brunuenbohrungen und anderen Beobachtungen ergiebt es sich, dass das Relief dieser Gegend auch schon vor der letzten Ver- eisung ein ähnlich stark oder noch schärfer ausgeprägtes gewesen ist als jetzt.
Von älteren Bildungen wurden auf Blatt Reuschwerder an zwei kleinen Stellen unmittelbar an dem die Laudesgrenze bildenden Orzycfluss bei Roggen und Baranowen eigenthümliche, vollständig kalkfreie Thone angetroffen, die in feuchtem Zustand ziemlich lebhaft graublau und grünlich-gelb gefärbt, trocken mattgrau und gelblich sind, z. Th. ziemlich erhebliche Beimengungen ganz fein- sandiger Bestandtheile sowie Einlagerungen von sehr feinen, theil- weise braun gefärbten Quarzsauden enthalten, also wohl sicher miocänen Alters sind.
An beiden Fundpunkten sind sie von 9 — 19 Decimeter Thal- sand bedeckt; an der Fundstelle südlich von Roggen wurde durch eine kleine Aufgrabung constatirt, dass sie hier über 4 Meter mächtig sind ; weitere Aufschlüsse konnten vorläufig nicht erreicht werden und es wäre dringend zu wünschen, dass durch eine tiefere Bohrung ein zusammenhängendes Profil festgestellt würde, um die Mächtigkeit und das event. Vorkommen von Braunkohlen darunter zu constatiren und so Anhaltspunkte für eine schärfere Altersbestimmung zu erhalten.
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reisonal-Verhältuisse
bei der Königl. Preuss. geologischen Laiidesanstalt und Bergakademie am 1. December 1897.
Kuratorium.
1. Freund, Oberberghauptmann, Director der Abtheilung für das
Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Ministerium für Handel und Gewerbe.
2. l)r. Rammelsberg, Professor, Geheimer Regierungsrath.
3. W. Hauchecorne, Dr. phil.. Geheimer Oberbergrath.
Vorstand.
W. Hauchecorne, Dr. phil.. Geheimer Oberbergrath, Direetor der Gesainmtanstalt.
Bei der geologischen Landesaufnahme.
A. Lan des Geologen.
1. G. Berenut, Dr. phil.. Geheimer Bergrath, ausserordentl.
Professor an der Universität, mit der speeiellen Leitung der Flachlandsaufnahmen beauftragt.
2. H. Grebe in Trier.
3. H. Loretz, Dr. phil.
4. F. Wahnschaffe, Dr. phil., Professor, Privatdoeent an der
Universität, zugleich Lehrer der Geologie bei der Berg- akademie.
5. E. Dathe, Dr. phil.
b. K. Keilhack, Dr. phil.
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7. Th. Ebert, Dr. phil., Professor, zugleich beauftragt mit Ab-
haltung palaeontologiscber Repetitorien und Uebungen bei der Bergakademie.
8. M. Koch, Dr. pbil., zugleich beauftragt mit Vorträgen über
Petrographie und mikroskopische Physiographie der Mine- ralien bei der Bergakademie.
9. II. SCHROEDER, Dr. phil.
B. Bezirksgeologen.
1. E. Zimmermann, Dr. phil.
2. A. Leppla, Dr. phil.
3. L. Beushausen, Dr. phil.
4. G. Müller, Dr. phil.
3. H. POTONIE, Dr. phil., zugleich beauftragt mit Vorträgen über Pflanzenversteinerungskunde bei der Bergakademie. 6. A. Denckmann, Dr. phil.
C. Hülfsgeologen.
1. A. Jentzsch, Dr. phil., Professor, Privatdocent an der Uni-
versität in Königsberg i. Pr.
2. R. Klebs, Dr. phil., Professor, in Königsberg i. Pr.
3. C. Gagel, Dr. phil.
4. O. Zeise, Dr. phil.
5. B. Kühn, Dr. phil.
6. L. Schulte, Dr. phil.
7. G. Keusch, Dr. phil.
8. F. Kaunhowen, Dr. phil.
9. M. Schmidt, Dr. phil.
10. R. Michael, Dr. phil.
11. G. Maas, Dr. phil.
12. J. Korn, Dr. phil.
13. W. WoLFF, Dr. phil.
D. Assistenten.
O. VON Linstow, Bergreferendar, Assistent an den mineralo- gischen Sammlungen.
LXXV
E. Nicht angestellte Mitarbeiter.
1. K. VON Fritsch, Dr. phil., Geheimer Regierungsrath, ordentl.
Professor au der Universität in Halle a. S.
2. A. VON Koenen, Dr. phil., Geheimer Bergrath, ordentl. Pro-
fessor an der Universität in Göttingen.
3. E. Kayser, Dr. phil., ordentl. Professor au der Universität
in Marburg.
4. H. Bücking, Dr. phil., ordentl. Professor an der Universität
in Strassburg i. E.
5. H. Grüner, Dr. phil., Professor an der landwirthschaftlichen
Hochschule in Berlin.
6. E. Holzapfel, Dr. phil., Professor an der technischen Hoch-
schule in Aachen.
7. W. Frantzen, Bergrath in Meiningen.
8. F. Klockmann, Dr. phil., Professor an der Bergakademie in
Clausthal.
9. M. Blanckenhorn, Dr. phil., Privatdocent in Erlangen.
10. E. VON Seyfried, Major a. D. in Strassburg i. E.
F. Vorsteher des Zeichn er bürea us ffir die Flachlands- aufnahmen.
Th. Wölfer, Dr. phil., Kultnrtechniker.
Bei der Bergakademie.
A. Lehrer.
1. R. Finkener, Dr. phil.. Geheimer Bergrath, Professor, Lehrer
der Chemie, Vorsteher des Laboratoriums für Mineral- analyse.
2. H. Wedding, Dr. phil., Professor, Geheimer Bergrath, Lehrer
der Eisenhüttenkunde und Eisenprobirkunst.
3. A. Hörmann, Professor, Lehrer der Mechanik, der Maschinen-
lehre und der metallurgischen Technologie.
4. A. Schneider, Professor, Lehrer der Markscheide- und Mess-
kunst.
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5. F. Beyschlag, Dr. phil., Professor, Lehrer der Geognosie
und Lagerstättenlehre, zugleich betheiligt bei den geo- logischen Aufnahinearbeiten.
6. G. Franke, Professor, Lehrer der Bergbau-, Salinen- und
Aufbereitungskunde.
7. R. Scheibe, Dr. phil., Professor, Lehrer der Mineralogie,
zugleich betheiligt bei den geologischen Aufnahmearbeiten in Thüringen.
8. F. Kötter, Dr. phil., Professor, Lehrer der höheren Mathe-
matik.
9. O. PüFAHL, Dr. phil., Professor, Lehrer der Allgemeinen und
Metall-Hüttenkunde, Allgemeinen und Löthrohr-Probir- kuust, chemischen Technologie und technischen Gasanalyse. (1 — 9 etatsmässig angestellt. )
10. A. Eskens, Geheimer Oberbergrath, Lehrer des Bergrechts.
11. G. Brelow, Regierungsrath, Lehrer der darstellenden Geo-
metrie, des Zeichnens und Construirens.
(10 und 11 nicht etatsmässig angestellt.)
B. Chemiker.
1. H. WöLBLiNG, erster Assistent in dem Laboratorium für
Mineralanalyse.
2. R. Heilbrun, Dr. phil., zweiter Assistent daselbst.
3. C. Krug, Assistent im Probirlaboratorium.
4. R. Gans, Dr. phil..
5. K. Klüss, Dr. phil , G. A. Lindner, Dr. phil..
für Analysen im Inter(’sse der Landes-
untersuchung.
Bei der Chemisch -technischen Versuchsanstalt.
Director: Finkener, Professor, Dr., s. o.
Chemiker:
1. J. Rothe (erster Chemiker und Stellvertreter des Directors),
2. Th. Fischer, Dr. phil., 5. R. Wache, Dr. phil.,
3. K. Haack, Dr. phil., G. M. Hohensee,
4. C. ViRCHOW, Dr. phil., 7. C. Radau, Dr. phil.
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Bibliothek.
Vorstand: II auchecorne, s. o.
Bibliothekar: O. Eberdt, Dr. pbil.
Verwaltung.
1. R. Wernicke, Recbnungsratb, Socretär und Rendant.
2. E. Ohmann, Zeichner.
3. H. BrüCHMÜller, Secretär und Kalkulator.
4. W. Pütz, Zeichner.
5. K. Boenecke, Secretär, Verwalter des Kartenarcbivs. C). W. Bottmer, Secretär und Registrator.
Kanzlei.
W. Berglein, Kanzlist.
l
II.
Abhandlungen
von
Mitarbeitern
der Königlichelf geologischen Landesanstalt.
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Die Granite der Gegend von Aaclien.
Von A. Dannenberg und E. Holzapfel in Aachen.
I. Das Vorkommen von Granit.
Von E. Holzapfel.
1. Irn Jahre 1884 wurde beim Bau der Bahnlinie Aachen- St. Vith in einem Eisenbahneinschnitt bei Lammersdorf eine ansehnliclie Masse von Granit aufgedeckt, das erste bekannte Vorkommen dieses Gesteines im rheinischen Schiefergebirge. V. Lasaulx hat dasselbe seiner Zeit untersucht. (Verhandl. d. nat.- hist. Ver. von Rhein!, u. Westfalen 1884, S. 418.) — Schon lange vor dieser Entdeckung war die Vermuthung ausgesprochen worden, dass krystallinische Gesteine als Unterlage des rheinischen Palaeozoi- cums vorhanden seien, und war dieser Schluss vor Allem ans dem Vorkommen alt-krystallinischer Gesteine in den Eruptionsproducten der Tertiärzeit gezogen worden, v. IjASaülx hat die zahlreichen An- gaben über solche Vorkommen kritisch besprochen. Er erkennt nur ein einziges derartiges Stück als echten Granit an, viele Schieferein- schlüsse dagegen als aus einer alten Contactzone stammend, woraus er den Schluss zieht, dass thatsächlich eine granitische Unterlage in weiterer Verbreitung unter dem rheinischen Gebirge vorhanden sei. Ueber das Alter der durch den Granit contactmetamorphisch veränderten, Andalusit-führenden Schiefer äussert sich v. Lasaulx nicht. Jedenfalls aber müssen sie älter sein als der Granit, und wenn dieser dem Urgebirge angehört, mindestens diesem zuge- rechnet werden.
Jahrbuch 1897.
1
2 A. Dannenbirg und E. Holzapfel, Die Granite
Der Granit von Lammersdorf tritt zwischen cambrischen Quar- ziten heraus, und v. Lasaülx sieht in ihm den Kern eines Sattels, die Unterlage des Cambrium, rechnet ihn daher zur archäischen Schichtenfolge. Er zeichnet in dem Profil, S. 433, einen normal gestalteten Sattel, mit steilem Nordflügel und flach fallendem Südflügel, wie solche in der weiteren Umgebung, überhaupt im ganzen Gebirge gewöhnlich sind. Dieser Ansicht schliesst sich LepsiüS (Geologie von Deutschland I, S. 16) an. — Im Gegensatz zu dieser Auffassung vertritt Dewalque (Annales d. 1. soc. geol. de Belgique Bd. XII, S. 158) die Ansicht, dass es sich bei dem Vor- kommen von Lammersdorf nicht um einen Sattel mit einem Kern von Granit handele, sondern um ein gangartiges Auftreten des Gra- nites, der Cambrischen Schichten zwischengelagert sei. Dewalque fand auch neben der Hauptmasse des Granites nach Süden hin eine zweite Bank desselben Gesteins, von der Hauptmasse durch stark veränderte Schiefer getrennt.
J. Gosselet hat den Lammersdorfer Granit in Gesellschaft von V. Lasaülx besucht (PArdenue S. 763) und die Angaben Dewalque’s bestätigt gefunden. Er giebt an, dass v. Lasaülx ausdrücklich die Unrichtigkeit seiner früheren Angaben anerkannt habe. Die Verschiedenheit der früheren AufiPassung v. Lasaulx’s von der Gosselet’s erhellt sofort aus der Nebeneinanderstelluug der von beiden Beobachtern gegebenen Profile. Die zweite, von Dewalque entdeckte Granitpartie von 2 Meter Mächtigkeit, hält Gosselet für eine Apophyse der Hauptmasse.
Contacterscheinungen hat v. Lasaülx nur im geringen Maasse beobachtet. Nur in den, den Granit unmittelbar begrenzenden Quarziten fand sich zwischen den Quarzkörnern ein »weisses, kaolinartiges Product, dem zersetzten Granit selbst gleichend«. Die Schiefer waren zu stark zersetzt, in Thon aufgelöst. — J. Gosselet hält gewisse rauhe Schiefer für metamorphisch ver- ändert. — Die Schichten, zwischen denen der Granit liegt, gehören nach Gosselet zur Assise des Hautes Fanges, der unteren Ab- theilung des Ardennen -Cambrium. —
Im Jahre 1894 wurde behufs Anlage eines zweiten Geleises der Lammersdorfer Bahneinschnitt nach der Berfjseite hin verbreitert,
D 1
der Gegend von Aachen.
3
und bei dieser Gelegenheit das Profil wesentlich besser aufgeschlossen, als bei der ersten Bahnanlage. Sowohl von dem Granit wurden erheblich frischere, wenn auch noch immer stark zersetzte Theile blossgelegt, als auch die benachbarten Schiefer in leidlich frischem Zustande aufgeschlossen. Die- ser neue Aufschluss, der einige wichtige Beobachtungen gestattete , veranlasste eine erneute stratigraphische und petro- graphische Untersuchung, welche letz- tere Herr Dr. Dannenberg zu über- nehmen die Freundlichkeit hatte.
Auf der Nordseite des in der Curve der Bahnlinie 238 Meter i) breit aufge- schlossenen Granites liess sich das südliche Einfallen der Schichten deut- lich erkennen, ebenso dass dieselben, in Uebereinstimmung mit Gosselet’s Profil, verschieden sind von den, den Granit im S. begrenzenden. Dort la- gern am Granit gelbe, rauhe, quarzige Schiefer, bezw. schiefrige Sandsteine, hier hellfarbige, splittrige Quarzite.
Auf diese letzteren folgen tief schwarze, milde, abfärbende Schiefer, deren Spaltflächen mit zahllosen feinen, Hirsekorn - grossen Knötchen bedeckt sind, welche aus von Schiefersubstanz überzogenen Pyritwürfelchen bestehen. Der Schwefelkies ist daher nur auf dem Querbruche wahrzunehmen, nicht auf der Spaltfläche. Bei dem früheren Auf- schluss waren diese Schiefer bis in die Sohle des Einschnittes aufgelöst. Dann folgt die zweite Lage Granit. Wäh-
V. Lasaulx giebt 240 Meter, Lepsius aus Versehen 24 Meter an.
1*
Phyllite Quarzite Veränderte Schiefer rauhe sandige Schiefer Quarzit-Schotter
und schieferige Sandsteine
4 A. Dannenberg und E. Hof^zapfel, Die Granite
rend diese früher nach den Angaben Dewalque’s nnd Gosselet’s 2 Meter dick war, zeigte sie sich nach Erbreiternng des Ein- schnittes anf 4,5 Meter angewachsen. Im S. wird dieser Granit von den gleichen, hier 20 Meter mächtigen Knotenschiefern begrenzt, wie im N., nnd dann folgt ein mannigfacher Wechsel von nor- malen Phylliten mit hellen Quarzitbänken, welche letztere an einer Stelle eine kleine überkippte Mulde bilden. Noch weiter südlich liegt zwischen hellfarbigen Quarziten ein dritter, nur 0,5 Meter mächtiger Granit, der senkrecht steht, nnd in h 10 streicht, während die Quarzitbänke ihr normales Streichen behalten.
Das ganze Profil ist mit einer dicken Lage von Qnarzitschutt bedeckt, wie er auf den Höhen des Venn allgemein verbreitet ist. Nach der Bergseite zu, d. h. nach W. dehnt sich derselbe weit aus, und ist daher keine Aussicht nach dieser Richtung, den Granit im Streichen der Schichten wieder finden, bezw. ver- folgen zu können.
Nach O. hin liegt in geringer Entfernung von der Bahnlinie eine seit vielen Jahren betriebene »Kiesgrube«. Der »Kies«, der hier gelegentlich von den Bewohnern Lammersdorfs geholt wird, ist weiter nichts wie zerfallener Granit. — Noch einige Meter weiter im Streichen nach NO. hin stehen an der Strasse nach Rott Quarzite au, und sind in nicht unbedeutenden Brüchen längs der Strasse nach dem Jägerhaus aufgeschlossen. Von Granit ist hier nichts zu sehen — Obwohl der Aufschluss in dem Bahneinschnitt zur klaren Erkenntuiss der Lagerungsform des Granites nicht zureichend ist, so erblicke ich doch in ihm eine stockförmige Intrusivmasse. Die Gründe für diese Annahme sind namentlich das Auftreten der beiden kleineren Granitpartien, nnd der Umstand, dass trotz der ansehnlichen Breite, welche dass massige Gestein in dem Bahneinschnitt zeigt, bereits 100 Meter im Streichen nach NO., an der Lammersdorf-Rotter Strasse andere Gesteine anstehen. Allerdings kann man hier auch au eine Störung denken, welche den Granit im Streichen abschneidet. Aber die beiden kleineren Granitmassen lassen sich mit Gosselet wohl nur als Apophysen auffassen, vor allem die südlichste, deren Streichen in h 10 von dem Schichtenstreichen sehr abweicht. Auch der Umstand, dass
der Gegend von Aachen.
5
die mittlere Partie, deren Mächtigkeit Gosselet und Dewalque übereinstimmend zu 2 Meter angeben, nach Erbreiterung des Ein- schnittes auf 4,5 Meter angewachsen war, spricht zu Gunsten der Gosselet’ sehen Auffassung. Es ist auch nicht zu verkennen, dass dort, wo Schiefergesteine den Granit begrenzen, diese um- gewandelt erscheinen, und in einiger Entfernung in die gewöhnlichen Ph)dlite übergehen, wenn auch die Minerale der gewöhnlichen Coutactmetamorphose fehlen.
Keinenfalls kann von einer archäischen Grundlage des Cam- brium geredet werden. Wenn man in dem Granit keine Intrusiv- masse sehen will, so muss man annehmen, dass er eine deckenartige Zwischenlage zwischen den Schichten des Cambrium bildet. Da die südlich liegenden Schichten von zwei apophysenartigen Granit- lagern durchsetzt werden, so müsste man diese als das Liegende, die ganze Schichtenfolge demnach für überkippt ansehen.
2. Im Sommer 1896 machte mich Herr J. Winkhold in Eupen, welcher das hohe Venu nach allen Richtungen durchstreift hat, um den geologischen Bau desselben zu erforschen, auf ein zweites, ausgedehnteres Vorkommen von Granit im PJillthal auf- merksam.
Die Füll oder Helle bildet von ihrer Quelle bis dicht vor Eupen die Grenze zwischen Belgien und Preussen, und ihr Thal ist im grössten Theile seines Verlaufes fast ungangbar, oder war es doch bis in die jüngste Zeit. Dies ist wohl der Grund, weshalb der Granit bis dahin unbekannt blieb, obwohl er am Herzogen- bügel einen ansehnlichen, steil von der Thalsohle aufsteigenden Felsen von etwa 20 Meter Höhe bildet. Der Plerzogenhügel, fast genau südlich von Alt-Hattlich gelegen, liegt zwischen dem Spohrbach, der Hill und dem Miesbach. Nach den beiden ersteren bildet er einen steilen, aus Granit bestehenden Absturz, der nach dem Hauptthale zu circa 300, nach dem Nebenthale zu 400 Meter lang ist. Auf der fast ebenen Höhe liegt Quarzitschotter, daun folgt eine im Streichen der Schichten liegende terrassenför- mige Erhebung, die aus cambrischen Quarziten besteht. Das den Granit im S. begrenzende Nebengestein besteht aus Quarzit, dessen Banke mit flacher Wölbung nach S. einfallen. Im Spohr-
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A. Dannenberg und E. Holzapfel, Die Granite
bachthal steht die Grenze zwischen Granit und Quarzit senkrecht. Auf dem rechten Ufer dieses Baches stehen nur Quarzite an. — Gegen- über dem Spohrbach mündet auf belgischer Seite ebenfalls ein Bach in die Hill. Ein wenig oberhalb der Mündung stehen im Bachbett Quarzite an, aber in Entfernung von einigen hundert Metern von der Hill entfernt, fanden sich lose Blöcke von Granit, als Beweis, dass dies Gestein sich nach W. hin noch weit erstreckt, wenn er auch nicht anstehend beobachtet wurde.
Fig. 2.
Die Lagerung des Granites am Herzogenhügel ist nicht be- sonders klar. Indessen ergiebt sich aus der senkrechten Grenze gegen den Quarzit bei flach südlich fallenden Schichten, dass der Granit entweder eine intrusive Masse bildet, oder an einer senkrechten Störung abschneidet. Sein Fehlen auf der rechten Seite des Spohr- baches scheint mehr für die erstgenannte Lagerungsform zu sprechen. Die den Granit im S. begrenzenden Quarzite erscheinen makrosko- pisch etwas abweichend von den gewöhnlichen cambrischen Quar- ziten, sie sehen gelegentlich wie gefrittet aus. Die mikroskopische Untersuchung hat indessen keine wesentlichen Resultate ergeben. Die nördlich angrenzenden Quarzite, insbesondere im Hillbett, sind ungewöhnlich reich an Schwefelkies. — An dem neuen Wege, welcher an dem Abhange des Baalkopfes empor und weiter nach Ternell führt, sind den Quarziten Schiefer zwischengelagert, welche makroskopisch als Fleck- oder Knotenschiefer zu bezeichnen sind, wie sie sich auch sonst gewöhnlich im Contact und dessen Nähe finden. Dass die sonst gewöhnlichen Contactminerale fehlen, dürfte wohl dem Umstand zuzuschreiben sein, dass diese Schiefer
der Gegend von Aachen.
7
immerhin in ansehnlicher Entfernung: — einige hundert Meter — von dem Eruptivgestein entfernt liegen, in dessen nächster Nähe nur Quarzite auftreten, welche für eine Umwandlung wenig ge- eignet sind.
Am Herzogenhügel ist der Granit stark zersetzt, im Bett der Hill dagegen recht frisch. Er ist hier von zahllosen, meist schwachen, in einzelnen Fällen bis 20 Centimeter dicken Quarzadern durch- zogen, in denen sich in geringer Menge Kupferkies, Schwefelkies, Magnetkies und ? Molybdänglanz finden, letzterer nur in ganz kleinen Einsprengungen. —
3. Dass die beiden beschriebenen Vorkommen von Granit nicht die einzigen in der Aachener Gegend sind, ergiebt sich aus mehr- fachen Funden von losen Brocken dieses Gesteines. Schon vor Jahren fand ich zwischen Cornelimünster und Ven wegen, sowie zwischen diesem Orte und Rott eine Anzahl loser Brocken eines lebhaft fleischrothen, recht frisch aussehenden Granites. Die Stücke bei Cornelimünster, welche Faust- bis Kopfgrösse besassen, fanden sich im Gebiet des Kohlenkalkes, auf einigen Haufen von Bach- geröllen, die vorwiegend aus cambrischen Quarziten bestanden, und zum Zwecke der Strassenbeschotteruug zusammengelesen waren. Zwischen Rott und Venwegen fand ich ein vereinzeltes Stück im Gebiete der rothen Vichter Schichten.
Im Sommer 1897 wurden dann eine Anzahl, den vorigen genau gleiche Granitbrocken im unteren Fischbachthal, welches bei Vicht in den Vichtbach mündet, gefunden, und zwar, wie bei Rott, im Gebiete der Vichter Schichten. Auch diese Stücke lagen auf einem Haufen Gesteine, die zur Wegebesserung zer- schlagen waren, und vorwiegend aus Geröllen cambrischer Quarzite bestanden. — Anstehend ist dieser Granit bisher noch nicht gefunden worden. Die Möglichkeit, dass es sich bei den gemeldeten Funden um Gerölle aus den in der Nähe der Fundstellen an- stehenden devonischen Conglomeraten handle, scheint gering zu sein. Die Grösse der in diesen vorhandenen Gerölle ist fast stets eine sehr viel geringere, als die der gefundenen Granitstücke, und Granitgerölle wurden in den Conglomeraten, trotz mehrfachen Nachsuchens, nicht beobachtet. Es ist demnach wahrscheinlich.
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A. Dannenberg und E. Holzapfel, Die Granite
dass noch an mehreren Stellen im Gebiete des Vicht- und Falken - baches Granite anstehen. Beim Fortschreiten der Kartiruuffsar- beiten mögen sie wohl aufgefunden werden.
II, Petrographische Untersuchung der Granite und ihrer Nebengesteine.
Von A. Dannenberg.
1. Der Granit. Das den Herzogenhügel bildende Gestein zeigt in seiner ganzen Masse wesentlich einheitlichen Charakter. Auch die in circa 700 Meter Entfernung auf belgischem Gebiet gefundenen Blöcke sind durch nichts zu unterscheiden von Stücken, die dem Anstehenden des Herzogenhügels selbst entnommen werden, vorausgesetzt dass die verglichenen Proben sich in demselben Verwitterungsstadium befinden. Durch die Verwitterung wird allerdings die äussere Erscheinung ziemlich stark modificirt. Das frischeste Gestein, das thatsächlich erst geringe Zersetzung erlitten hat, findet sich im Bette der Hill, dagegen erweisen sich Stücke, die man am Abhang gegen den Spohrbach oder von den höheren Klippen im Hillthal abschlägt, stets ziemlich stark verwittert. Der makroskopische Habitus unterscheidet sich von dem des Lammers- dorfer Granites vor allen Dingen durch beträchtlich gröberes Korn, so dass das hier vorliegende Gestein als ein mittelkörniger Granit gelten kann, während man jenen als recht feinkörnig be- zeichnen muss. Dieser äusserlich allerdings auffallende Unterschied lässt sich wohl ungezwungen aus den verschiedenen Lagerungsformen und Massenverhältnissen beider Vorkommen erklären: dort lager- oder gangförmiges Auftreten bei verhältnissmässig geringer Mäch- tigkeit, hier eine stockartige Masse von beträchtlicher Ausdehnung. Jene Lagerung praedestinirt zu feinkörniger, diese begünstigt gröber krystallinische Entwickelung. Von den Gemengtheilen tritt Biotit im Allgemeinen hier etwas stärker hervor als beim Lammers- dorfer Gestein, theils mit seiner ursprünglichen schwarzbraunen Farbe, theils durch Verwitterung gebleicht von graugrüner Farbe und talkartigem Aussehen. Im Uebrigen unterscheidet man leicht den meist trüben, kaolinisirten Feldspath von den klaren Quarz-
der Gegend von Aaclien.
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körnerii. Bei den frischen Stücken aus dem Hillbette kann man vielfach schon mit Hülfe der triklinen Zwillingstreifung das Auf- treten von Plagioklas constatiren.
Die Gesammtfarbe des Gesteins ist bei den frischen Stücken eine grünlich -graue, durch Verwitterung wird sie gelblich, nament- lich in den äusseren Theilen, die sich schliesslich mit einer ockerigen Rinde umgeben.
Der stellenweise recht auffallende Reichthum an verschiedenen Schwefelmetallen ist schon in der geologischen Beschreibung hervorgehoben.
Die mikroskopische Untersuchung des Hillthal- Granites ergiebt die denkbar grösste Uebereinstimmung mit dem Lammers- dorfer, so dass die zunächst vielleicht nicht ganz unerheblich erscheinenden Unterschiede im makroskopischen Habitus beider Vorkommen offenbar nur ans der verschiedenen Korngrösse ent- springen. Ein Vergleich der nachfolgenden kurzen Charakteristik mit der von v. Lasaulx^) gegebenen Beschreibung wird am besten die fast völlige Identität erkennen lassen.
Die Zahl der schon makroskopisch erkennbaren wesentlichen Gemengtheile: Quarz, Orthoklas, Plagioklas, Biotit wird auch durch die mikroskopische Untersuchung nicht vermehrt. Quarz, in der gewöhnlichen Weise als xenomorphe Zwischenmasse zwischen den älteren Bestandtheilen eingeklemmt, ist ziemlich reichlich vor- handen. Seine unregelmässigen Körner sind klar, nicht besonders reich an Einschlüssen; die vorhandenen erweisen sich bei starker Vergrössernug aus Flüssigkeit gebildet, meist mit lebhaft tanzen- der Libelle.
Der Orthoklas zeigt höchstens theil weise geradlinige, krystal- lographische Begrenzung, vorherrschend aber ebenfalls noch rein zufällige, durch die älteren und gleichalterigen A.nsscheiduugen bedingte Umrisse. Er ist, auch im frischesten Gestein, stets mehr oder weniger stark zersetzt, wobei Kaolin und Mnskowit gebildet werden. Jener als feinkörnige Trübung ohne weiteres erkennbar, dieser erst zwischen gekreuzten Nicols als lebhaft doppelbrechende
a. a. 0.
10
A. Dannenbekg und E. Holzapfel, Die Granite
Schüppchen hervortretend, die theils regellos durcheinander liegen, theils eine deutliche Orientirung — nach den beiden Hauptspalt- richtungen — zeigen. Die Zersetzung ist oft auf das Innere beschränkt, während der Rand frisch erscheint. In den Anfang- stadien herrscht die Kaolinisirung vor, die Muskowitbildung tritt erst im weiteren Verlauf der Zersetzung ein.
Der ebenfalls ziemlich reichlich vorhandene Plagioklas unterscheidet sich vom Orthoklas, abgesehen von der polysynthe- tischen Lamellirung, auch durch die meist vollkommene automorphe Begrenzung, die ihn als ältere Bildung kennzeichnet. Art und Grad der Zersetzung sind wesentlich dieselben wie beim Orthoklas, nur fällt ausser der centralen häufig auch eine zonare Häufung der Umwandlungsproducte auf.
Die Auslöschungsschiefe beträgt bei Schnitten der Zone JL(OIO) meist 5 — 10^, im Maximum 15 0. Schnitte, die annähernd 11(010) geführt sind, zeigen stets zonaren Bau; die Neigung der Elasticitätsaxen gegen die Hauptspaltbarkeit erreicht hier 180. Im Allgemeinen herrschen jedoch geringere Auslöschungswinkel, welche zumeist innerhalb der Grenzen der für Oligoklas bezeichnenden Werthe bleiben. ’ Die Vergesellschaftung mit Quarz gestattet die Anwendung der von F. Becke angegebenen Bestimmungsmethode durch Vergleichung der beiderseitigen Lichtbrechung. Diese er- giebt für den triklinen Feldspath in den weitaus meisten Fällen eine Lichtbrechung, deren Stärke in allen Lagen — Parallel — wie Kreuzstellung — unter der des Quarzes bleibt. Danach würde Albit oder wenigstens sehr saurer Oligoklas vorliegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in der Regel nur der äusserste, in unmittelbarem Contact mit Quarz befindliche Rand des Plagio- klases auf diese Weise bestimmt werden kann. Bei der allgemein herrschenden isomorphen Schichtung wird die Hauptmasse stets eine abweichende — saurere oder basischere — Zusammensetzung haben. Im vorliegenden Falle besitzt somit die nach Becke’ scher Methode bestimmte Randzone eine sehr saure, fast reinem Albit
b lieber die Bestimmbarkeit der Gesteinsgemengtheile, besonders der Plagio- klase auf Grund ihres Lichtbrecliungs Vermögens: Sitz. kais. Akad, Wiss,, Wien, Math.-nat. CI. ClI. Abth. 1.
der Gegend von Aachen.
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entsprechende Mischung. Darauf sind auch die angeführten absoluten Maxima der Auslöschnng zu beziehen. Die inneren Zonen dagegen und der Kern, also die Hauptmasse, sind basischer und müssen als Oligoklas bezeichnet werden. In vereinzelten Fällen, wo sich diese inneren Schichten mit Quarz berühren, beobachtet man in der That auch gelegentlich eine andere relative Lichtbrechung: oj = y' oder selbst m d y' in der »Kreuzstellung« nach der Bezeichnung Becke’s.
Jedenfalls beweisen die Lichtbrechungsverhältnisse, dass die Auslöschungsmaxima nicht einem basischen Plagioklas (Andesin) entsprechen. Solcher findet sich nur in basischen Concretionen, wo auch Auslöschungsschiefen über 200 beobachtet werden.
Biotit ist zwar nicht besonders reichlich, immerhin aber noch in genügender Menge vertreten. Allerdings fällt seine Anwesenheit bei vorgeschrittener Zersetzung zunächst weniger in die Augen, weil er dann fast völlig gebleicht ist. ln frischem Gestein zeigt er die gewöhnlichen Kennzeichen der Species: in den meist regelmässig rechteckigen Schnitten || c äiisserst kräftigen Pleochroismus (dunkel- braun — schwach gelblich oder fast farblos) und starke Absorption der J__ c schwingenden Strahlen; die seltener beobachteten basi- schen Schnitte sind ohne regelmässige Begrenzung, braun gefärbt ohne Pleochroismus und geben im convergenten Licht ein fast einaxig erscheinendes Interferenzbild.
Doch auch im frischesten Gestein bemerkt man hier und da die beginnende Zersetzung des Biotits am Eintreten der erwähn- ten Bleichunpf. Die Entfärbunar schreitet von den Rändern nach der Mitte vor; in einigermaassen verwittertem Gestein ist sie meist vollständig. Zuweilen bewahren noch einige Blättchen im Innern des Krystalles einen Rest ihrer ursprünglichen Färbung und erscheinen dann in der Absorptionstellung wie braune, mit unmerklichem Uebere:anfT in die farblose Masse verlaufende Fasern. Dreht man um 90P, so dass die Absorption ihr Minimum erreicht, so sind die frischen Stellen von den gebleichten kaum zu unter- scheiden. Zwischen gekreuzten Nicol löschen die gebleichten Blättchen zwar ebenso wie normaler Biotit || und _[_ zur Spalt- barkeit aus, sie kennzeichnen sich aber hier durch den V^erlust
12
A. Dannenberg und E. Hoezareel, Die Granite
der lebhaften Polarisationstöne. Dafür tritt ein eigenthninliches sehr dunkles Blau oder ein mattes Gelb ein; namentlich ersteres ist, wie auch v. Lasaulx^) bemerkt, für den so veränderten Biotit bezeichnend.
Eine weitere Umwandlung, in Chlorit, ist seltener und weniger deutlich. Als Zersetzungsproducte treten zwischen die Spalt- blättchen eingeklemmte, feinkörnige Haufwerke eines stark licht- brechenden und sehr stark doppelbrechenden Minerals auf, das wohl mit ziemlicher Sicherheit als Epidot gedeutet werden kann. Eine Ausscheidung von Erz findet dagegen nicht statt.
Noch eine bemerkenswerthe Eigenthümlichkeit unseres Glim- mers, die sich ebenfalls genau so im Lammersdorfer Gestein findet, ist das Auftreten der sog. pleochroitischen Höfe. Ihr Kern besteht aus meist winzigen Interpositionen, die deshalb kaum näher be- stimmbar sind, zuweilen aber auch aus deutlichen kleinen Zirkon- kryställchen. Das Phänomen dieser Höfe überdauert die Bleichuijg der Biotitsubstanz; sie treten dann in ihrer Dunkelstellung (die bekanntlich wie die des Biotits selbst gegeben ist, wenn die Schwingungen des Lichtes parallel der Spaltbarkeit erfolgen) als schmutzig- grüne Flecke auf farblosem Grunde hervor.
Accessori sehe Gemengtheile sind nnr wenige und diese meist in geringer Menge zu beobachten. Als solche sind Apatit, Zirkon und vielleicht Titanit zu nennen. Im Gegensatz zu der makroskopisch stellenweise so aufiällenden Anhäufung geschwefelter Erze zeigen sich im Schliff meist nur sehr spärliche Erzkörncheu, ein Beweis, dass diese dem Gestein selbst fremd und nur auf Spalten in grösserer Menge eingewandert sind.
Die Bildung secundärer Minerale bleibt trotz der vielfach bedeutend vorgeschrittenen Zersetzung meist auf die erwähnten Neubildungen — Kaolin, Muskowit, Epidot — im Inneren der primären Gemengtheile beschränkt. Nur in einem Falle wurde die Ansiedelung grösserer, selbständiger Individuen neugebildeten Epidots zwischen den primären Mineralen beobachtet. Der betr. Schliff enthält zugleich grössere Mengen der erwähnten SchwefeL
b a. a. 0.
der Gegend von Aachen.
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metalle, und es scheint die ausgiebigere Epidotbildung mit deren Anwesenheit in ursächlichem Zusammenhänge zu stehen, da die Körner des Pyrits oder Pyrrhotins meist von breiten Epidoträndern umgeben sind. Daneben tritt der Epidot auch in selbständigen Körnern und Krystallen auf. Vermuthlich wird seine Bildung durch die Zersetzung des Eisenerzes eingeleitet oder doch begünstigt.
V. Lasaulx hatte seiner Beschreibung des Lammersdorfer Granites auch eine ßauschanalyse beigefügt. Es schien deshalb von Interesse, die Untersuchung des neuentdeckten Vorkommens auch auf die chemische Zusammensetzung auszudehnen, um die Vergleichung der beiden so nahe verwandten Gesteine auch nach dieser Richtung hin durchführen zu können.
Herr L. Schmitz hatte die Freundlichkeit, sich dieser Mühe zu unterziehen. Für seine im technischen Laboratorium der hiesigen Hochschule mit grosser Sorgfalt durchgeführte Analyse sei ihm auch an dieser Stelle gebührender Dank ausgesprochen. Das Resultat ist nachstehend unter I zusammengestellt mit der von V. Lasaulx mitgetheilten Zusammensetzung eines frischen (II)
|
und zersetzten (III) |
Granites |
von Lammersdorf: |
|
|
I. |
II. |
III. |
|
|
Si02 |
70,28 |
66,88 |
67,20 |
|
AI2O,, |
14,93 |
17,89 |
19,10 |
|
Fe2 O3 |
1,42 |
3,75 |
2,84 |
|
FeSs |
1,34 |
— |
— (berechnet aus 0,72 pCt. S) |
|
MnO |
0,06 |
— |
— |
|
’ CaO |
3,29 |
1,44 |
Spur |
|
MgO |
0,76 |
1,53 |
1,34 |
|
K2O |
2,62 |
3,77 |
3,25 |
|
NagO |
4,57 |
3,55 |
3,10 |
|
Glühverlust |
1,44 |
2,01 |
4,07 |
|
100,71 |
100,82 |
100,90 |
Da zur Analyse möglichst frisches Material genommen wurde und der Granit vom Herzogenhügel überhaupt weniger zersetzt ist als der Lammersdorfer, so stellen die Analysen I — III eine fortlaufende Reihe im Sinne der fortschreitenden Verwitterung dar.
14 A. t>ANNENBKRG und E. HoLZAPFEL, Die Granite
Das Bezeichnendste ist die starke Abnahme des Kalkgehaltes, während diese bei den Alkalien nur sehr unbedeutend ist (I und II haben fast gleichen Alkaligehalt). Ferner tritt eine deutliche Zunahme bei der Thonerde hervor im Verhältniss von (rund) 15:18:19.
Freilich sind die beiden Vorkommen trotz ihrer weitgehenden üebereinstimmung nicht bis in’s kleinste Detail direct vergleichbar. Das zeigt namentlich der Unterschied im Si02- Gehalt, der bei dem frischen Granit vom Herzogenhügel schon beträchtlich höher ist als bei dem stark zersetzten Lammersdorfer, während man doch eher das Gegentheil erwarten sollte. Dem gegenüber muss aller- dings hervorgehoben werden, dass der Granit des Hillthales bei der Zersetzung zunächst eine procentische Verminderung seines Kieselsäuregehaltes erleidet: Herr Schmitz fand in verwittertem Gestein nur 68,98 pCt. Si02l
2. DasNebengestein. Bei Besprechung des Lammersdorfer Granites betont v. Lasaulx, dass in den umgebenden Gesteinen keinerlei Contactwirkuimeu nachzuweisen seien. Die leichten Ver- änderungen dieser Gesteine, die vielleicht doch als solche au Zusehen sind, haben bereits im vorhergehenden Abschnitt Würdigung gefunden. Die mikroskopische Untersuchung vermag hier kaum weiteren Aufschluss zu o;eben. Demo^egenüber ist nun die Beobach- tung von Interesse, dass in der Nähe des Herzogenhügels Gesteine auftreten, welche z. Th. solchen der bekannten typischen Granit- contactzonen , speciell den Knotenschiefern gleichen. Die in Betracht kommenden Gesteine sind, ausser den eigentlichen Knoten- schiefem, gelbe phyllitische Gesteine und Quarzite.
Quarzit aus der Nachbarschaft des Granites zeigt sich aus unregelmässigen, aber stets rundlichen Quarzkörnchen zusammen- gesetzt. Dazwischen zieht sich zuweilen ein fast zusammenhän- gendes Netzwerk aus feinen Schüppchen hin, die einen deutlichen, aber nicht besonders kräftigen Pleochroismus (gelbbraun || der fasrigeu Spaltbarkeit, sehr hellgelb J_ dazu), lebhafte Polarisations- farben und gerade Auslöschuug zeigen, also wohl als ein biotit- ähnliches Glimmermineral aufzufassen sind. Andere, daneben oft reichlich auftretende Blättchen zeigen blaugrüne Farbentöne und
der Gegend von Aachen.
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schwache Doppelbrechung. In ihnen wird man ein Chloritmineral zu sehen haben. Doch sind die winzigen völlig unregelmässigen Schüppchen und Fäserchen für eine genauere Bestimmung kaum geeignet. In anderen Fällen tritt der dunkle Glimmer zurück und wird zum Theil durch Muskowit ersetzt. Ein etwas abweichen- des Bild zeigt der Quarzit aus der Nähe des Lammersdorfer Granites: seine Körner sind nicht rundlich, sondern deutlich ge- streckt, wodurch eine Art Parallelstructur der ganzen Masse ent- steht. Jedes einzelne Quarzkorn ist zudem von einer sehr feinkörnigen trüben Zone umgeben, die den Eindruck macht, als sei sie durch Zerdrückung der Randtheile der grossen Körner entstanden. Glimmerartige Schüppchen finden sich hier nur ganz vereinzelt.
Wir sehen also hier zwar deutliche Spuren dynamischer Einwirkung aber keine Neubildungen, die etwa auf den Einfluss des benachbarten Granites zurückgeführt werden könnten. Solche sind allerdings bei reinem Quarzit auch nicht zu erwarten, wie auch V. Lasaülx bei Besprechung der Lammersdorfer Verhältnisse betont. Etwas anders liegt zwar die Sache im Hillthal, wo wir es, wie gezeigt, nicht mit reinen Quarziten zu thun haben. Doch deutet nichts in der Art des Auftretens der erwähnten Glimmer- minerale darauf hin, dass sie als ein Product des Granitcontactes aufzufassen wären.
Unter den schiefrigen Gesteinen interessiren uns in erster Linie die schon erwähnten Knoten schiefer. Die makro- skopische Betrachtung lässt erkennen, dass wir es hier nur mit dem ersten Stadium dieser typischen Umwandlungsform zu thun haben. Die Knötchen sind sehr klein, oft undeutlich, dicht gedrängt, von gelblich -grauer Farbe, also heller als die schwarze oder dunkelgraue Schiefergrundmasse. Auch ist eine Härtung des Gesteins, wie sie bei einem etwas höheren Grade dieser Metamor- phose eintritt, hier noch nicht zu bemerken.
Unter dem Mikroskop kehrt sich das Farbenverhältniss der Knötchen zur Grundmasse um. Man erkennt in jenen die charakte- ristischen Anhäufungen dunklen Pigmentes von unregelmässig elliptischem Querschnitt, umgeben von einem gelben (? Limonit-)
10 A. Dannenberg und E. Holzapp’el, Die Granite
Saum. Diese gelbe Hülle ist es otFenbar, die die helle Farbe der Knötchen im Handstück hervorbringt. Die helle Grundmasse zeigt sich wesentlich aus sehr feinen Quarzkörnchen und Muskowit- schüppchen zusammengesetzt. Das Ganze erscheint durchaus ähnlich einem typischen Knotenschiefer von Andlau. Neben den genannten Hauptbestandtheilen beobachtet man Kryställchen von Turmalin und grünliche Schuppen wahrscheinlich chloritischer Natur. Reichlicher als diese ist ein anderer accessorischer Be- standtheil vorhanden, dessen Natur kaum mit Sicherheit zu be- stimmen ist. Es sind fast undurchsichtige, im durchfallenden Licht daher beinahe schwarz erscheinende, im auffallenden Lichte aber hellgelbe Körnchen. Bei Anwendung stärkster Vergrösse- rungen erkennt man eine stark licht- und doppelbrechende Substanz von orelbbrauner Farbe. Die scheinbare Undurchsichtigkeit rührt
o o
offenbar von der Totalreflexion an den Rändern der winzigen, jedes einzelne Körnchen zusammensetzenden Krystallelemente her. Die angeführten Eigenschaften würden am besten auf Rutil passen. Herr Geheimerath Zirkel hatte die Freundlichkeit, sich auf meine Bitte über diese Objekte zu äussern. Er hält sie für allerfeinste, sagenitische Rutilaggregate und ist geneigt, in dieser Zusammen- ballung der Titansäure eine Contactwirkung zu sehen. Die Auf- fassung würde eine gewisse Bestätigung durch die Beobachtung erhalten, dass unveränderte Thonschiefer dieser Gegend, z. B. auch von Lammersdorf, einen grossen Reichthum au winzigen Rutil- kryställchen von gerundeter, keulen- oder wurstartiger Form enthalten. Trotz ihrer sehr geringen Dimensionen übertreffen sie doch die bekannten »Thonschiefernädelchen« bedeutend an Grösse. Bei Anwendung starker Vergrösserung ist daher ihre gelbbraune Farbe, sowie die lebhafte Doppelbrechung und gerade Auslöschung gut zu erkennen.
In Verbindung mit diesen dunklen Knotenschiefern tritt ein hellgelbes Schiefergestein auf, das sich unter dem Mikroskop als Phyllit erweist. Quarz, reichlicher Muskowit, weniger Chlorit sind seine Hauptbestandtheile. Pyrit ist stellenweise reichlich vorhanden. Das dunkle Pigment fehlt vollkommen. Kleine Turmalinkryställchen sind ziemlich häufig, auch treten die soeben
der Gegend von Aachen.
17
erwähnten gelben Körnchen, also wahrscheinlich Sagenitklümpchen, sehr reichlich auf. Von diesen abgesehen aber fehlt jedes Anzeichen von Contactwirkung.
Die mit feinen Knötchen bedeckten Schiefer aus dem Bereiche des Lammersdorfer Granites zeigen unter dem Mikroskop nichts Bemerkenswerthes. Das dichte schwarze Pigment ist höchstens etwas wolkig vertheilt, die kaum auflösbare Grundmasse scheint aus Quarz mit etwas Muskowit zu bestehen. Die zuweilen massen- haft den Schiefer erfüllenden Pyritwürfelchen besitzen stets auf zwei entgegengesetzten Seiten bartartige Ansätze von faserigem Quarz. Ein besonderes Interesse hinsichtlich der Contactwirkung des Granites vom Herzogenhügel versprachen einige Gesteinsproben, die im Bette eines links in die Hill mündenden Rinnsales in unmittelbarer Berührung mit dem Granit gefunden wurden. Es sind glimmerreiche schiefrige Quarzite bezw. Quarzitschiefer von grauer und gelber Farbe. Die Hauptbestandtheile sind Quarz und Muskowit, letzterer meist sehr reichlich und in ziemlich grossen Blättchen; ferner auffallend viel Rutil meist in kleinen knäuel- förmigen Gruppen (ganz verschieden von den ? Sagenitklümpchen des Knotenschiefers und Phyllites), seltener in einzelnen Kryställchen oder als knieförmige Zwillinge. Neben diesen Bestandtheilen aber bemerkt man Blättchen eines anderen, ebenfalls meist farblosen Glimmers, der sich von dem Muskowit durch seine schwache Doppelbrechung unterscheidet und hierin dem gebleichten Biotit des Granites gleicht, ja man findet sogar solche Blättchen, die noch Reste» der ursprünglichen braunen Färbung und damit den charakteristischen Pleochroismus bewahrt haben.
Um die Uebereinstimmimg vollkommen zu machen, finden sich auch noch die pleochroitischen Höfe in genau derselben Form, wie im Biotit des Granites selbst. Nach alle dem kann man wohl nicht bezweifeln, dass diese Biotitblättchen aus dem Granit stammen und durch dessen Zertrümmerung in das Nebengestein gelangt sind. Letzteres müsste also jüngerer Bildung sein als der Granit. Zu dieser Auffassung passt auch die Abwesenheit aller Contacterscheinungen bei diesen in unmittelbarer Berührung stehen- den Gesteinen. Um so grösser wird die Schwierigkeit, dies
2
Jahrbuch 1897.
A. Dannenberg und E. Holzapfel, Die Draniie
Verhalten mit dem Auftreten der Knotenschiefer in Einklang zu bringen. Vielleicht lässt sich dieser augenscheinliche Widerspruch in der Weise lösen, dass mau die Entstehung der Knotenschiefer nicht auf den am Herzogenhügel anstehenden Granit, sondern auf eine andere, vielleicht in geringer Tiefe verborgene Masse zurückführt. Dadurch würde sich auch das Fehlen der inneren Zonen der normalen Contacthöfe an der Oberfläche erklären. Jeden- falls enthält die Annahme noch weiterer zu Tage tretender oder verdeckter Granitmassen, deren Spuren ja in Sediment — und Eruptivgesteinen verschiedentlich nachgewiesen sind, nichts Un- mögliches oder Widersinniges. Vielleicht erbringt die genaue Kartirung hierfür noch eine thatsächliche Bestätigung.
Der in losen Blöcken bei Cornelimünster und Vicht gefundene Granit erweist sich bei mikroskopischer Untersuchung als ein normaler Biotitgranit, der den vorstehend beschriebenen, anstehend bekannten Gesteinen augenscheinlich ,sehr nahe steht. Er ist im Allgemeinen noch etwas grobkörniger als das Vorkommen am Herzogenhügel, doch wurde auch ein feinkörniges Stück gefunden, dass dem letzteren in Korngrösse und Structur völlig gleicht. Die Ausbildung der einzelnen Gemengtheile ist wesentlich dieselbe wie am Herzogenhügel und bietet somit nur zu wenigen Bemerkungen Anlass.
Das Gestein der Findlinge ist verhältnissmässig sehr frisch. Dies zeigt sich am auffälligsten an den kräftigen Farbentönen des Biotits, der hier noch fast gar keine Bleichung oder sonstige Umwandlung erlitten hat und daher aueh die Erscheinung der pleochroitischen Höfe in hervorragender Schönheit aufweist. Als Besonderheit ist zu erwähnen, dass als Kern solcher Höfe — falls überhaupt ein sicher erkennbares Mineral vorliegt — neben Zirkon hier ziemlich häufig auch Apatit und zwar in relativ grossen Kryställchen auftritt. Von den Feldspathen ist der Orthoklas auch hier schon ziemlich zersetzt, unter starker Kaolin- und Muskowitbil- dung. Dermehr automorphePlagiok las ist durchschnittlich weniger verändert, oft sogar fast völlig frisch. Den vorwiegend geringen
der Gegend von Aachen.
19
Auslöschungsschiefeu zufolge muss er zumeist dem Oligoklas angehören, abgesehen von den bei deutlich zonarem Bau gelegentlich vorhandenen basischen Kernen, in denen die Schiefe der Auslöschung auf 20^ steigt.
lieber den Quarz ist nichts Besonderes zu sagen.
Muskowit wurde nicht beobachtet; auch accessorische Ge- mengtheile treten nicht hervor.
2*
Eine grosse Felis-Art aus märkischem Diluvium.
Von Herrn Henry Schröder in Berlin.
Im Jahre 1895 erhielt ich nebst mehreren anderen, nur frag- mentarisch erhaltenen Knochen aus den Kiesgruben am Bahnhof Oderberg-Bralitz das Metacarpale eines carnivoren Säugethiers, dessen Grösse nicht zu den beiden bis jetzt aus märkischem Diluvium bekannten Carnivoren, Canis lupus und Ursus sp., passte. Es lag nahe, den Knochen als zu Felis gehörig zu betrachten; die vermuthete Beziehung stellte sich bei einem Vergleich mit dem orleichen Knochen des lebenden Löwen und den Abbildungen
o O
der Felis spelaea als richtig heraus
Durch die Gestalt der proximalen Gelenkfläche und die des Proximal - Endes der Diaphyse erweist sich der Knochen als ein zweites rechtes Metacarpale. Da der Knochen sehr stark abge- rieben ist, lässt sich ein specieller Vergleich der einzelnen Arti- culationsflächen desselben mit denen des recenten Felis leo nicht durchführen, jedoch ist in den allgemeinen Umrissen eine voll- ständige Uebereinstimmung vorhanden, die Herr Prof. Nehring mit mir an dem recenten Material der landwirthschaftlichen Hoch- schule feststellte.
In der folgenden Tabelle gebe ich in der ersten Columne die Maasse des Oderberger Metacarpale. Die 4 anderen Columnen enthalten die auf Meter umgerechneten Angaben von Dawkins und Sanford.
9 Dawkins und Sanford, Pleistoc. Mamm. p. 137, PI. XIX, fig. 6 und PI. XXI, fig. 2.
Henry Schröder, Eine grosse Felis- Art aus märkischem Diluvium. 21
|
Felis leo var. spelaea |
Felis leo W. A. S. |
|||||
|
Oderberg |
Sanford Hill |
Ilford Brickearth |
Br. Museum |
Felis tigris Br. Museum |
||
|
Grösste Länge .... |
0,105 |
0,107 |
0,107 |
0,090 |
0,102 |
0,095 |
|
Kleinster Umfang . . |
0,046 |
0,056 |
0,048 |
0,034 |
0,039 |
0,039 |
|
Querdurchmesser der proximalen Articu- |
||||||
|
lation |
0,021 |
0,025 |
0,021 |
0,018 |
0,020 |
0,020 |
|
Vertical- Durchmesser |
0,028 |
0,030 |
0,028 |
0,024 |
0,025 |
0,027 |
|
Querdurchmesser der |
||||||
|
distalen Articulation |
0,021 |
0,027 |
0,020 |
0,016 |
0,019 |
0,019 |
|
Vertical-Durchmesser |
? |
0,049 |
0,038 |
0,033 |
0,039 |
0,040 |
Der Vergleich ergiebt eine ausgezeichnete Uebereinstimmung in den Grössenverhältnissen; namentlich gleicht das Oderberger Metacarpale dem Englischen aus den Ilford Brickearths. Selbst- verständlich lässt sich an der Hand dieses Knochens über die Be- ziehuDg der diluvialen grossen Katzenart zu Felis leo und tigris Nichts sagen. Da die neueren Untersuchungen die Identität der Felis spelaea mit Felis leo wahrscheinlich machen, stehe ich nicht au, den vorliegenden Knochen als Felis leo zu bezeichnen. Ich bemerke, dass das Vorkommen des Löwen in Norddeutschem echt- glacialem Diluvium meines Wissens bisher nur durch NehrinG be- kannt geworden ist; in dem Bericht des Westpreussischen Pro- vinzial-Museums 1895, S. 16, erwähnt Conwentz »die vordere Partie des zweiten Backzahns aus dem rechten Unterkiefer des Höhlenlöwen, Felis spelaea Goldf. aus der Kiesgrube Gross- Waplitz, Kreis Stuhm«.
Die Farbe des Knochens ist die für diluviale Reste allge- gemeine: eine graubraune; sein sonstiger Erhaltungszustand ist in- sofern abweichend, als alle Kanten und Ecken deutlich eine ge- wisse Rundung aufweisen, welche nur auf eine Abrollung in stark bewegtem Wasser zurückzuführen ist. Ebenso sind die übrigen mir übergebenen Knochenfragmente von Elephas sp., Bos sp. und Cervus sp. an den Bruchstellen sämmtlich kanten- und ecken-gerundet.
Dies Verhalten veranlasst mich, auf die geologische Zu-
22 Henry Schröder, Eine grosse Felis- Art aus märkischem Diluvium.
sammensetzung der die Lagerstätte der Knochen bildenden Schichten hier näher einzugehen.
Es kann hiernach keinem Zweifel unterliegen, dass diese Säugethiere nicht an Ort und Stelle gestorben sind, wo ihre Knochen jetzt gefunden werden. Es sind zwei Möglichkeiten vorhanden, entweder wurden die Knochen noch in frischem Zu- stande nach dem vollständigen Zerfall des Cadavers von Wasser stark hin und her bewegt, zwischen Blöcken und Geröllen zerbrochen und dann im Kies eingebettet, oder sie waren bereits fossilisirt, als neu einbrechende Finthen die sie einschliessenden Schichten zerstörten, die Knochen zerbrachen, deren Bruchflächen abgerollt wurden, und sie an anderer Stelle wieder ablagerten.
Für die letztere Annahme spricht nun die geologische Zu- sammensetzung der Gegend von Oderberg, indem sich namentlich in den Gruben am Oderberger Bahnhof, aber auch an vielen anderen Stellen, der Nachweis führen lässt, dass hier thatsächlich eine Zerstörung diluvialer Schichten zu diluvialer Zeit statt- gefunden hat.
Ich habe die Grandgruben von Bahnhof Oderberg -Bralitz mehrere Jahre hinter einander besucht und die dort anstehenden Schichten, namentlich die tieferen, sehr verschieden gut auf- geschlossen gefunden. Die nachstehende Beschreibung ist aus der Combination dieser mehrfachen Beobachungen entstanden. Von oben nach unten sind vorhanden:
Das Thalsand bis 2 Meter mächtig, mittelkörnig, mit ein- zelnen grösseren und kleineren Geschieben, die sich z. Th. in Lagen ordnen und im Liegenden stellen- weise zu
Da Gl einer bis 0,5 Meter mächtigen Blocklage mit sandigem Bindemittel zusammenschliessen. Darunter folgt dSi u. dgi Grand und Spathsand mit Geröll-Lagen nach NO. bis 10 Meter mächtig, ausgezeichnet diagonal geschichtet, sonst aber horizontal gelagert. In den liegendsten Partien dieser Ablagerung kommen die Säuge- thierreste vor. Der Grand geht in d G2 Blockpackung bis 0,5 Meter Mächtigkeit über. Meistens
Henkv Schrödei!, Eine grosse Felis-Ait aus märkischem Diluvium. 23
ist dieselbe jedoch nur eine Blocklage, deren Blöcke z. Th. in
d m Geschiebemergel stecken, der, soweit es in der Grube zu beobachten ist, bis 1 Meter Mächtigkeit erreicht. Darunter folgt
dh ein röthlicher, fein geschichteter Thoninergel, in dieser Grube nur 0,2 Meter mächtig, darunter dS2 mittelkörniger Spathsand nicht durchsunken.
Die tiefere Blocklage (d G2), der Geschiebemergel (d m) und der Thonmergel (dh) nehmen nach NO. zu an Mächtigkeit ab, dm und dh keilen sich in derselben Richtung bald vollständig aus, so dass nur noch die Blocklage die hangenden Sande und Grande (dSi u. dgO von den liegenden Sanden (dS2) trennen; auch sie verschwindet nach NO. zu vollständig, so dass dSi u. dQi direct auf d$2 liegt. An Stelle der Blöcke treten nun zahlreiche Gerölle von Geschiebemergel und Thonmergel von rundlicher oder brod- laibartiger Form und häufig mehreren Decimetern Durchmesser. Das Material dieser Gerölle — namentlich die des Thonmergels, gleichen dem dicht dabei Anstehenden in der eigenthttmlich blassröthlichen Farbe und Schichtung — stammt jedenfalls von den weiter südwestlich beobachteten zusammenhängenden Geschiebe- mergel- und Thonmergelbänken her und es kann wohl kein Zweifel obwalten, dass wir in den Geröllen das durch Wasser- gewalt zerstörte Anstehende vor uns haben, dessen gröbstes Ma- terial, die Geschiebe der Grundmoräne, in der Form der Block- packung (082) zurückgeblieben ist.
Solche Gerölle, namentlich von Geschiebemergel, sind mir von mehreren Stellen bekannt: von Liepe und Oderberg aus f*lateaudiluvium, vom südlichen Rand der Hohensaathener Terrasse zwischen Oderberg und Hohensaathen und namentlich aus der Schwedter Terrasse, wo sie mit Blockpackung verknüpft sind und in solcher Grösse Vorkommen , dass man bei flüchtiger Be- trachtung glaubt, einen steinigen Geschiebemergel vor sich zu haben. Derartige Gerölle von Geschiebemergel und Thonmergel kenne ich ausserdem aus Ostpreussen , von wo sie auch von
24 Henry Schröder, Eine grosse Felis- Art aus märkischem Diluvium.
Klebs erwähnt werden. G. Müller fand sie bei Gross-Freden, Prov. Hannover. Zeise i) beobachtete sie im Grünenthaler Ein- schnitt des Nord-Ostsee-Canals und nimmt für sie fluviatile Ent- stehung an, wie sie auch Joseph Lomes ^), entgegen den An- schauungen von Mellard Heade^), nach welchem sie nur an einer See mit Ebbe und Fluth entstanden sein können, für englische Vorkommnisse behauptet. In dem vorliegenden Fall ist eine marine Entstehung vollkommen ausgeschlossen und ausserdem die Be- ziehung zu dem Anstehenden völlig klar.
Die aus dem anstehenden Geschiebemergel und Thonmergel Geröll-formenden Kräfte sind augenscheinlich dieselben, wie die- jenigen, welche die Säugethierknochen abgerollt, die geringe Mäch- tigkeit des Geschiebemergels und die über ihm befindliche Block- lage (dGs) veranlasst und die Ablagerung der groben Sande und Grande (dSi) und (dgi) verursacht haben. Die Zeit der Ent- stehung der letzteren ist entscheidend für die Beurtheilung der ganzen Lagerstätte. In ihrer petrographischen Zusammensetzung hat man zunächst keinen Anhalt für ihr Alter, ob sie alt-, inter- oder jungglacial oder bereits der Zeit der Thalbildung angehören. Die Lage der Grande und Sande innerhalb der Neuenhagen-Bra- litzer Terrasse, das Vorkommen der Geschiebemergel-Gerölle und der sie begleitenden Blockanhäufungen in der Hohensaathener und Schwedter Terrasse^) legt ein sehr spätglaciales Alter nahe. Erstens widerspricht jedoch dieser Annahme der Umstand, dass die geringe Mächtigkeit des Geschiebemergels, die ja auf die gleichen Ursachen zurückzuführen ist, und ebenso Grand- und Gerölllager mit Geschiebemergelgeröllen auch an anderen Stellen, z. B. direct gegenüber Bralitz bei Oderberg, in zweifellosem Plateau -Diluvium beobachtet und also auf thalbildende Ablation nicht zurückzuführen sind. Zweitens lassen die Verhältnisse am
1) Neues Jahrb. 1895, II. p. 472, und 1896, I. p. 458.
2) An ancient glacial shore. Geolog. Mag. 1894, p. 222 u. 223.
2) An ancient glacial shore. Geolog. Mag. 1894, p. 76, 77.
Die durch Berendt, Krause, Kemele bekannt gewordenen Fundpunkte diluvialer Säugethiere der näheren und weiteren Umgebung von Eberswalde liegen zum Theil auch in den Terrassen. Die Fundstellen sind mir durch Augen- schein leider nicht bekannt.
Henry Schröder, Eine grosse Felis-Art aus märkischem Diluvium. 25
Bahühof Oderberg-Bralitz eine derartige Deutung aus nachfolgen- den Gründen nicht zu.
Die Sande und Grande (dSi und dfli), welche an ihrer Basis die Säugethiere führen, sind nämlich, wie oben bereits gesagt, an mehreren Stellen von einer bis 0,5 Meter anschwellenden Block- lage (da Gl) bedeckt, über welcher dann noch bis 2 Meter Sande (Bas) von mittlerem Korn und meistens undeutlicher Schichtung lagern. Derartige Blockanhäufungen in hohem Niveau (nicht zu verwechseln mit dG‘2) finden sich häufig innerhalb der Neuen- hagener Terrasse nördlich der Dörfer Neuenhagen, Alt - Glietzen und Neu-Glietzen. Sie sind auch hier unterlagert von Granden, wie zahlreiche, nach Ausbeutung der Blöcke wieder verfallende Gruben beweisen. Unter diesen ist dann auch wieder in einem tieferen Aufschluss am Gr.- Krebs-See wenig über dessen 2,2 Meter Meereshöhe betragendem Niveau Geschiebemergel beobachtet worden, der sich östlich bis Neu-Glietzen weiter verfolgen lässt und dessen Stellung als altglacial in den Aufschlüssen am gegenüberliegen- dem Ufer der Neuen Oder westlich Alt-Küstrinchen durch Erosion des Plataurandes unzweifelhaft ist.
Zwischen Neuenhagen und Alt-Glietzen sinkt der Obere Ge- schiebemergel, z. Th. bedeckt von den Thonmergeln des Neuen- hagener Staubeckens, von der Höhe der Endmoräne nach N. herab in das Thalniveau, dessen Meereshöhe hier wenig unter 20 Meter liegt. Dieser Umstand zwingt zu der Annahme, dass die ungefähr in gleicher Höhe oder wenig darunter befindliche obere Blockpackung (daGi) das Residuum der zur Zeit der Thal- bilduug zerstörten jungglacialen Grundmoräne ist. In Folge dessen ist der Grand, Geschiebemergel und Blockpackung im Liegenden derselben unterdiluvial im BERENDT’schen Sinne. Die Frage, ob die Entstehung der Blockpackung und der Grande alt-, inter- oder jungglacial ist, lässt sich, glaube ich, durch fol- genden Schluss beantworten. Da der Geschiebemergel in den Bralitzer Gruben nach Obigem der ersten Vergletscherung ange- hört uüd die Säugethiere sich an anderen Stellen zweifellos auf primärer Lagerstätte über demselben befinden und damit inter- glacial sind, so bleibt für die Grande der Oderberger Gruben j^ur interglaciales oder jungglaciales Alter übrig.
26 Henry Schröder, Eine grosse Felis- Art aus märkischem Diluvium.
Sie siüd entweder in interglacialen Strömen oder beim Vor- rücken der zweiten Vergletscherung von deren vor oder unter dem Eise befindlichen Gletscherströmen abgelagert. Eine Ent- scheidung darüber, ob die Grande noch interglacial oder schon jungglacial sind, ist nicht zu treffen; jedoch dürfte man zu letz- terem neigen, da die Anwesenheit des Inlandeises grössere, mit starker Strömung versehene Wassermassen bedingt und damit den Absatz grosser Grandmassen leichter verständlich macht. Das gleiche Agens bewirkte die Zerstörung der Sängethier-führenden Interglacial-Schichten, rollte deren Säugethierreste, trug die alt- glaciale Grundmoräne (dm) theilweise ab und hinterliess als deren Rest Geschiebemergel-Gerölle und Blockpackung (dG2); an anderen Stellen griff die Zerstörung noch tiefer, die Grundmoräne ver- schwand vollständig, und aus den darunter liegenden Thonmergeln entstanden ebenfalls Gerölle, ja, es mögen noch die Sande tiefster Stufe (dS2) in Mitleidenschaft gezogen sein.
Ich bin mit Wahnschaffe der Ansicht, dass die beschriebene Zerstörung interglacialer Schichten durch jungglaciale i) Wasser- massen an zahleicheren Punkten in unserem Diluvium vorkommt, als man glaubt und mit ein Grund der ausserordentlichen Selten- heit interglacialer Schichten ist. Als einen solchen Punkt möchte ich die jüngst von Wahnschaffe-) beschriebenen Thongruben von Halbe ansehen; die dort beobachtete Steinsohle, die Wahn- schaffe als den Rückstand eines ausgeschlämmten Geschiebe- mergels ansieht, zwischen dem Thon und dem Sande, das Vor- kommen einer Torfscholle in dem Sande und die deutliche Ab- rollung des Schädelfragmentes von Ursus sp. sprechen dafür.
Um Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich hier noch der üeberzeugung Ausdruck geben, dass an vielen der bekannten Punkte interglacialer Säugethierfauna sich die Ueberreste an ursprüng- licher Lagerstätte befinden, denn die Erhaltung einzelner, leicht zerbrechlicher Stücke widerlegt eine gegentheilige Ansicht. Jedoch glaube ich, dass anscheinend in demselben stratigraphischen Niveau
1) Vergl. auch Jentzsch, dieses Jahrb. 1893, S. LV.
2) Dieses Jahrb. 1896, S. 126—135.
Hknby Schrödkr, Eine grosse Felis- Art aus märkischem Diluvium. 27
— mangels jeden Merkmales, das eine Unterscheidung intergla- cialer und glacialer Sande und Grande gestattet — primär ab- gelagerte und secundär abgerollte Stücke nicht weit von einander Vorkommen können, je nachdem die Zerstörung durch jüngere Wassermassen mehr oder weniger tief in’s Liegende eingegriffen hat. So ist wohl kein Zweifel , dass ein grosser Theil der Säugethierreste in Rixdorf sich auf primärer Lagerstätte befindet, obwohl mir mehrere Mammuthzähne mit dem Fundort Rixdorf, die eine deutliche Abrollung aufweisen, vorliegen.
Maasse einiger Renthiersiangen aus Wiesen- kalk.
Von Herrn Alfred Jentzsch in Königsberg in Pr.
Gelegentlich der Beschreibung einer diluvialen Renthierstange von Halbe hat Herr F. Wahnschaffe i) dieselbe zwar — ebenso wie Herr Dames die Rixdorfer Funde — zum hocharktischen Renthier (Rangifer grönlandicus) gestellt, aber auch mit Recht darauf hingewiesen, dass im Alluvium Renthiergeweihe von ähnlicher Grösse verkommen. Da das Ostpreussische Provinzial- museum — neben den von mir zuerst gefundenen frühglacialen Renthierresten der Elbinger Haffziegeleien — auch eine Anzahl alluvialer Reste von solchen enthält, so schien es mir nützlich, die grösseren unserer Exemplare zu messen. Des Vergleichs wegen füge ich unter No. 1 und 2 die Maasse eines recenten schädelechten Renthiergeweihes bei, welches unser Museum direct aus Norwegen erhalten hat. No. 4 — 12 stammen aus Wieseu- kalk bezw. aus dem Untergrund von Torflagern Ost- und West- preussens, und zwar
No. 4 von Zöpel bei Maldeuten , Kreis Mohrungen (G. A. 34, 9), Section XXI, Elbing der geolo- gischen Karte der Provinz Preussen.
» 5 von Stawisken, Kreis Berent (G. A. 15, 59).
» 6 von Wokellen bei Pr.-Eylau (G. A. 18, 38).
» 7 von Garbnicken bei Wildenhof Kreis Pr.-Eylau
(G. A. 18, 37).
*) Dieses Jahrbuch für 1896, S. 126 — 135.
Ale’ked Jentzsch, Maasse einiger Kenthierstangen aus Wiesenkalk. 29
No. 8 von Kalgen bei Königsberg, Kreis Fischhausen (G. A. 18, 19).
» 9 aus der Nähe von Lenzen, Kreis Elbing (G. A.
17, 43).
» 10 u. No. 11 von Streitswalde , Kreis Heiligenbeil (G. A. 17, 34).
» 12 aus »Ostpreussen«. Dagegen ist » 3 bei Nidden (G. A. 3, 46), auf der Kurischen Neh-
rung gefunden und gehört wohl dem dortigen »alten Waldboden« an, ist mithin geologisch jünger als No. 4 — 12.
Vergleichshalber stelle ich daneben (nach Conwentz) 13. die Maasse des grössten westpreussischen Stückes aus Wiesenkalk von Remboschewo, Kreis Carthaus (G. A. 15, 4?), und (nach Wahnschaffe) 14. die Maasse des grössten aus dem norddeutschen Diluvium gemessenen Stückes von Halbe (G. A. 45, 5o).
Dabei messe ich, soweit möglich, a) die volle Länge im Bogen entlang der äusseren Wölbung; soweit die Spitze abgebrochen, deute ich das durch -f- an;
b) Die Sehnenläuge, geradlinig von der Wurzel bis zur Spitze (aus dem Verhältniss von a:b ergiebt sich die Krümmung);
c) Die Länge der Eissprosse von ihrer Abzweigung gerechnet;
d) Den Abstand von der Eissprosse zur Hintersprosse (der kleinen, zunächst der Eissprosse folgenden Sprosse) von Mitte zu Mitte der Abzweiguugsstellen geradlinig ge- messen;
e) Den Abstand von der Hintersprosse bis zur 1 . Endsprosse von Mitte zu Mitte der Abzweigungsstellen gemessen;
f) Den Umfang der Stange an der dünnsten Stelle zwischen Augen- und Eissprosse;
g) Desgl. etwa 100 Millimeter über der Eissprosse;
h) Desgl. etwa 40 Millimeter über der Hintersprosse.
Durch die Vergleichung dieser Maasse kommen sowohl die Grössenverhältnisse der Geweihe an sich, als auch deren Unter-
3Ö Alfred Jentzsch, Maasse einiger Renthierstangen aus Wiesenkalk.
schiede nach rechts und links, nach dem Geschlecht und ihrer Variabilität hervor.
' Das Stück No. 4 habe ich zwar bereits abgebildet. [Da diese Abbildunsc aber in Fachkreisen nicht hinreichend bekannt zu sein scheint, möge sie hier wiedergegeben werden.]
In seinen Grössenverhältnissen, insbesondere in der bedeuten- den Entwicklung der Eissprosse, schliesst sich das Renthier der nordostdeutschen Wieseukalke, gleich dem diluvialen, der hoch- arktischen Varietät an, was vortrefflich zu dem Florenbilde unseres Wiesenkalks passt, welches durch Dryas octopetala^ Salix polaris und Betula nana auf baumarme Einöden deutet, die der späteren Bewaldung unseres Landes vorangingen. Folgende Tabelle zeigt dies im Einzelnen.
üebersicht der Geologie Ost- und Westpreussens, Führer durch die geolog. Sammlungen des Provinzialmuseums. Königsberg 1892, S. 23.
Alfred Jentzsch, Maasse einiger Renthierstangen aus Wiesenkalk. ^ I
|
— |
Länge |
Abstand |
Umfang |
|||||
|
Volle Länge a |
Sehnen - länge b |
der Eis- sprosse c |
Eissprosse Hintersprosse bis bis Hintersprosse 1. Endsprosse d 1 e |
über der Augen- sprosse f |
über der Eis- 1 sprosse g 1 |
über der Hinter- sprosse h |
||
|
recent 1. rechts |
1058 |
803 |
362 |
213 |
365 |
120 |
105 |
94 |
|
2. links |
1100 |
724 |
381 |
238 |
305 |
120 |
103 |
97 |
|
Waldboden 3. links |
455 -h |
380 -h |
150 -h |
175 |
175 |
80 |
56 |
56 |
|
Wiesenkalk 4. rechts |
1355 |
770 |
483 |
345 |
375 |
|
115 |
122 |
|
5. » |
885 |
738-1- |
354-f- |
445 |
— |
126 |
119 |
126 |
|
6. » |
500-1- |
450-1- |
200-1- |
255 |
— |
140 |
72 |
80 |
|
7. » |
405 |
350-1- |
75 4- |
195 |
100 |
75 |
58 |
68 |
|
8. » |
915 |
600 |
280 |
180 |
365 |
98 |
94 |
90 |
|
9. links |
1182-1- |
870-h |
— |
ca. 360 |
560 |
— |
126 |
127 |
|
10. » |
610-h |
530-1- |
180 4- |
Hintersprosse ist nicht entwickelt |
— |
90 |
72 |
— |
|
11. » |
495-+- |
420-+- |
180 4- |
210 |
— |
85 |
64 |
60 |
|
12. » |
455 -L |
425-1- |
277 -1- |
260 |
160 |
100 |
60 |
65 |
|
13. » |
1100 |
1010 |
480 |
— |
— |
154 |
130 |
— |
|
Diluvium 14. rechts |
ca. 940 -+- 0 |
850-1- |
482 |
ca. 2801) |
j 500 4- 1) |
138 |
130 |
128 |
Die fett gedruckten Zahlen sind die beobachteten Maxim alwerthe. Man sieht sofort, dass jenes grösste diluviale Stück von Halbe übertroffen wird in der vollen Länge und in der Länge der Eissprosse durch das abgebildete Stück No. 3 von Zölp; in der Sehnenlänge und im Umfange über der Eissprosse durch das Stück No. 13 von Remboschewo, in der Entfernung zwischen Eis- und Hintersprosse durch No. 4 von Stawisken, in der Entfernung zwischen Hintersprosse und erster Endsprosse durch No. 8 von Lenzen. Auch der Umfang desselben über der Eissprosse wird von No. 13 erreicht und von No. 8 nahezu erreicht; der Umfang über der Hintersprosse ist nur 1 Milli- meter grösser als bei No. 8, welcher Unterschied innerhalb der Beobachtungsfehler liegt.
Die Mannichfaltigkeit der in obiger Tabelle niedergelegten Maasse wird gestatten, auch Bruch- stücke von Renthierstangen nach ihrer Grösse annähernd zu schätzen. Dabei ist indess zu be- rücksichtigen, dass die Hintersprosse sehr variabel ist und dass der Umfang über der Augensprosse wenig Anhalt gewährt, da bisweilen die Eissprosse so nahe an die Augensprosse rückt, dass zwischen beiden die Stange nicht Raum hat, sich zu runden.
Im Gegensätze zu diesem Wieseukalk-Ren ist das Wald-Ren der Kurischen Nehrung mit viel kleinerem Geweihe ausgerüstet gewesen.
0 Von mir nach der Zeichnung gemessen.
lieber zwei anscheinend bearbeitete Gesteins- stücke aus dem Diluvium.
Briefliche Mittheilung
des Herrn G. Maas an Herrn W. Hauchecome.
Den von P. G. Krause und W. Dames beschriebenen Spuren menschlicher Thätigkeit aus dem Diluvium Norddeutschlands scheint sich ein neuer Fund anzureihen, welcher bei den geologischen Aufnah me- Arbeiten dieses Jahres in der Umgehend von Posen gemacht wurde, die abgebildeten beiden Feuersteinsplitter.
Der grössere derselben (Fig. la, Ih), ein aus hellgrauem Feuer- stein bestehendes dreiseitiges Prisma, hat eine Länge von 38 Milli- meter, eine Breite von K) Millimeter und eine Dicke von 3 Milli- meter. Während das eine Ende eine unzweifelhaft natürliche Bruch- fläche darstellt, zeigen sich an dem anderen Ende (Fig. Ib) folgende Eigenthümlichkeiten. Die völlig glatte Endfläche zeigt eine leichte Wölbung und geht allmählich in die breite Prismenfläche über, indem die zwischen den beiden Flächen befindliche Kante deutlich abgeschlifien ist. Auch die zwischen den beiden schmalen Prismen- flächen liegende Kante ist an diesem Ende durch eine kleine, völlig glatte und nicht den muscheligen Bruch des Feuersteines zeigende, dreieckige Fläche abgestumpft.
Das kleinere der beiden Stücke (Fig. Ic), welches die Gestalt einer Pfeilspitze besitzt, besteht aus graubraunem Feuerstein und hat eine flach convexe Unterseite und eine aus vier flach concaven Flächen bestehende Oberseite. Seine Länge beträgt 19 Millimeter, die grösste Breite, 11 Millimeter hinter der Spitze, 17 Millimeter
G. Maas, Ueber zwei anschemend bearbeitete Gesteinsstiicke etc. 33
und die Dicke an dieser Stelle, von wo sie bis zum hinteren Ende sich nicht ändert, 4,7 Millimeter. Besonders fällt an diesem Stücke
Fig. 1.
a b c
neben der Gestalt die feine Zähnung der die Spitze bildenden Kanten der Unterseite auf.
Herr Prof. Dr. Voss, Director im Königlichen Museum für Völkerkunde zu Berlin, welcher auf meine Bitte die beiden Stücke gütigst einer Untersuchung unterzog, gab über dieselben das Ur- theil ab, »dass das eine Peuersteinstück, ein sogenanntes pris- matisches Messer, wohl unzweifelhaft als menschliches Artefact angesehen werden kann, das andere Stück scheint allerdings auch von Menschenhand seine jetzige Form erhalten zu haben, indess ist dies doch nicht so sicher als bei dem Messer«.
Es lässt sich allerdings nicht bestreiten, dass Formen wie die der aufgefundenen Stücke auch auf natürliche Weise entstehen können, durch Aneinanderschlagen beim Fall oder in sehr stark strömendem Wasser oder durch Insolation. Doch müssen dann die Verhältnisse, unter denen die Stücke gefunden wurden, diese Möglichkeit wahrscheinlich erscheinen lassen.
Die beiden Feuersteinstücke fanden sich in der grossen Kies- grube am Schilling bei Posen, westlich der nach Naramovice führenden Chaussee, in der sich das in der Abbildung 2 wieder- gegebene Profil (nach einer Photographie des Verfassers) zeigt. Die Oberfläche besteht aus einer etwa 2 Meter mächtigen Decke von oberem Geschiebemergel mit seiner Verwitterungsrinde. Dar- unter treten in der abgebauten bis zum oberen Grubenrande
Jahrbuch 1897.
3
34 G"* Maas, lieber zwei anscheinend
7 Meter hohen Wand geschichtete Spathsande des unteren Dilu- viums hervor, welche eine Gesammtmächtigkeit von etwa 1 0 Meter
Fig. 2.
X bezeichnet die Fundstelle.
besitzen, da der untere Geschiebeinergel erst in einer Tiefe von 5 Meter unter der Grubensohle erbohrt wird. In den gröberen Sanden, welche hier in häufigem Wechsel mit feinkörnigen auf- treten, finden sich die Reste einer Süsswasserfauna, bestehend aus Valvata piscinalis Müll., Planorbis marginatus Drap., Bithynia tentaculata L. und Pisidium amnicum Müll. Ausserdem ist diese Kiesgrube ein Fundort für diluviale Säugethierreste, von denen hier Elephas prhnigenius Blümb., Bison priscus H. v. Mey. und Equus caballus L. genannt seien. An der in der Abbildung bezeichneten
bearbeitete Gesteinsstücbo ans dem Diluvium.
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Stelle, etwa 2 Meter über der Gmbensohle, fanden sich nun die beiden Feuersteinstücke, welche in feinkörnigen, deutlich geschich- teten Sanden als einzige grössere Gesteinsstücke etwa 10 Centimeter von einander entfernt lagen. Die Sandschichten stiessen zunächst an den in sie eingebetteten Fremdkörpern ah und wölbten sich erst all- mählich über dieselben, was nur dadurch zu erklären ist, dass die Stücke bereits während der Ablagerung der sie umgebenden Sande an ihrer späteren Stelle lagen. Die geschilderten Lagerungsverhältnisse in näherer und grösserer Entfernung von den Feuersteinstücken lassen die Annahme, dass die Stücke erst später an die Stelle gelangten, an welcher sie aufgefunden wurden, unmöglich er- scheinen. Befanden sich die Stücke aber auf ihrer ursprünglichen Lagerstätte, so stösst ihre Erklärung als natürliche Bildungen auf grosse Schwierigkeiten. Da es sich, wie die Schalenreste deutlich beweisen, um Ablagerungen aus fliessendem Wasser handelt, so ist ein Absplittern der Stücke durch Insolation völlig ausgeschlossen. Die Gewässer, welche die Sande in unmittelbarer Umgebung der Feuersteiusplitter ablagerten, können keine solche Stromgeschwindig- keit besessen haben, dass sie die Splitter durch Anprall an einen harten Widerstand von anderen Gesteinsstücken abzusprengen ver- mochten. Ueberhaupt stösst die natürliche mechanische Entstehung der Stücke an der Fundstelle auf die grosse Schwierigkeit, dass sich ausser den beiden Splittern in den ganzen umgebenden Sandmassen kein einziges grösseres Gesteinsstück auffinden liess. Entstanden die Stücke aber an einer anderen Stelle, so ist die Annahme aus- geschlossen, dass dieselben etwa durch fliessendes Wasser trans- portirt wurden, denn einmal fehlen ihnen alle Spuren eines der- artigen Transportes, Abrollung oder dergl. , und zweitens konnte eine Umlagerung durch die Gewässer nicht bewirkt werden, welche die feinkörnigen Sande der Fundstelle zur Ablagerung brachten.
Unter Berücksichtigung aller dieser Verhältnisse dürfte dem- nach die Annahme gerechtfertigt erscheinen, dass die beiden Feuersteinsplitter in der That menschliche Artefacte darstellen, die, wie ihr Zustand begreiflich macht, unbrauchbar geworden waren und deshalb fortgeworfen wurden.
3
Bemerkungen zur Gliederung des Senon am nördlichen Harzrande.
Von Herrn Gottfried Müller in Berlin.
Im Archiv für Anthropologie und Geologie Schleswig-Holstein’s Bd. II, Heft 2, bringt E. Stolley eine neue Gliederung des nord- deutschen und baltischen Senon , bei deren Begründung er auch des öfteren auf zwei von mir in diesem Jahrbuch veröffentlichte Arbeiten zurückkommt ^). Seine abweichenden Ansichten kommen hierbei mehrfach in einer Weise zum Ausdruck, dass ich noth- gedrungen auf einige derselben eingehen muss, schon um bei den der Materie fernerstehenden Fachgeuossen nicht die Meinung auf- kommen zu lassen, dass ich Stolley’s Aussetzungen als berechtigt anerkenne.
In meiner Erstlingsarbeit bemühte ich mich nachzuweisen, dass die von Schlüter auf Grund seiner exacten palaeontologischen und stratigraphischen Untersuchungen aufgebaute Gliederung des westfälischen Senon schwer in Einklang zu ' bringen sei mit der von Ewald in seiner geognostischen Karte zum Ausdruck ge- brachten Eintheilung der subhercynischen Oberkreide, was der Hauptsache nach auf die von Ewald zu wenig beachtete grosse facielle Verschiedenheit der senonen Ablagerungen im Osten und Westen zurückzuführen ist. Dass sich Ewald trotz alledem ein bleibendes Denkmal gerade mit seiner geognostischen Karte gesetzt
b Beitrag zur Kenntniss der Oberen Kreide etc. 1887. Die Rudisten der Oberen Kreide etc. 1889.
Gottfried Müller, Bemerkungen zur Gliederung des Senon etc. 37
hat, will ich hier nicht weiter ausführen, zumal dies auch schon an anderer Stelle genügend hervorgehoben ist.
Stolley hat die Belemneen bei seiner Gliederung zu Grunde gelegt und kommt in Folge dessen naturgemäss zu anderen Er- gebnissen als wie Schlüter und diejenigen Autoren, die Schlüter gefolgt sind, ohne jedoch wesentlich Neues zur Kenntniss der Schichtenfolge beizutragen. Ob jedoch eine Form wie Actinocamax granulatus^ die nach Stolley sowohl zu Act. quadratus als auch zu Act. westfalicus Uebergänge zeigt (siehe Seite 238: y>Act. gra- rmlatus leicht zu A. westfalicus hinneigend«; y>Act. granulatus z. Th. zu A. westfalicus neigend«; ferner Seite 285, Taf. 2, Fig. 22, 23, wo Uebergangsformen zwischen A. quadratus und A. granulatus beschrieben und abgebildet werden u. s. f.) geeignet ist, eine be- sondere »Granulatenkreide« auszuscheiden, erscheint mir mehr als zweifelhaft.
Diese Frage dürfte erst genügend gelöst werden können, wenn die subhercynische Kreide neu geologisch aufgenommen ist, und die Faunen der EwALD’schen bezw. ScHLÜTER’scheu Horizonte bearbeitet vorliegen. Hierzu reicht weder das Besichtigen von Sammlungen? noch der einmalige Besuch einzelner Lokalitäten aus, vor allem bei den complicirten Verhältnissen (rascher Wechsel der Facies und Störungen) des in Frage kommenden Gebietes. Es möge je- doch nicht unerwähnt bleiben, dass Stolley Act. granulatus vom Petersberge bei Goslar anführt, wo von den senonen Schichten nur Mergel (Paradiesgrund) erschlossen sind, die das Gonglomerat im Eisenbahneinschnitt zum Hangenden haben, also nur zum Emscher gerechnet werden können, was von Schlüter und mir längst festgestellt ist, und auch von Stolley an einer anderen Stelle nochmals hervorgehoben wird.
E. Stolley fällt jedoch auch Urtheile über die Lagerungs- verhältnisse von Aufschlüssen, die er gar nicht gesehen hat bezw. gesehen haben kann, da sie inzwischen vollkommen der Beobachtung entzogen sind. Es sind dies die Zillyer Aufschlüsse. Seit einer Reihe von Jahren sind die dortigen Phosphoritgräbereien von den betreffenden Firmen aufgegeben, und in Folge dessen ausser einer Halde und einer Sandgrube nichts mehr zu sehen. Trotzdem
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Gottfried Müller, Bemerkungen zur Gliederung des Senon
kommt E. Stolley ausschliesslich auf Grund seines Studiums der HAENLEiN’schen Sammlung zu dem Resultat, dass die bezeichneten Emscher Formen aus dem Mergel im Liegenden des Sandsteins stammen, obwohl ich ausdrücklich und wiederholt hervorgehoben hatte, dass die liegenden, grauen Mergel keine einzige der von ZiLLY aufgezählten Formen geliefert haben, sondern dass diese sämmtlich aus dem Sandstein bezw. dem Phosphoritconglomerat stammen, welche über den grauen Mergel liegen. Letztere sind auf den ehemals belgischen Gruben überhaupt nicht, in denen auf der sog. Trift nur hie und da bei Versuchsarbeiten biosgelegt worden.
Im Frühling 1891 fand ich jedoch in einer Mergelgrube auf dem Frohmissenberg bei Berssel (nach Ewald im Heimburggestein angelegt) Ammonites westfalicus v. Strome. Da jedoch dort bis jetzt nicht die Phosphoritconglomerate festgestellt sind, so ist die Beziehung dieser grauen Mergel zu dem Conglomerat noch nicht festgestellt. Und selbst wenn die Mergel am Frohmissenberg älter sind als die Sandsteine und Phosphoritconglomerate mit thonigem, thonigsandigem und reinsandigem Bindemittel, was ich für wahr- scheinlich halte, so würde der Fund nur beweisen, dass dieselben zum Emscher zu rechnen sind und sich nicht nur petrographisch, sondern auch faunistisch von dem liegenden Cuvieri-Pläner trennen lassen.
Auf Seite 232 schreibt Stolley: Ich stelle nun zunächst Müller und Dames gegenüber Folgendes fest: »In den Conglo- meraten von ZiLLY tritt der echte Actinocamax westfalicus auf, wie eine Anzahl von Exemplaren in der Sammlung des Herrn Rittmeister VON Haenlein beweist, die unzweifelhaft aus den Conglomeraten stammen«.
Das Gegentheil habe ich nie behauptet, wenn mir auch die betreffenden Exemplare entgangen sind, die vielleicht erst später von Herrn VON Haenlein erworben sind. In seinen weiteren Ausführungen stellt sich Stolley dann auf den von mir vertretenen Standpunkt, dass die sandigen Conglomerate zum Emscher zu rechnen sind.
9 Neues Jahrbuch für 1890, Bd. II: Das Alter der glaukonitischen Sand- steine und Conglomerate von Zilly. Briefliche Mittheilung.
am nördlichen Harzrande.
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Bezüglich der Stellung der Stapelburger Rudistenkalke hebt E. Stolley seine abweichende Ansicht in folgender Weise hervor: »G. Müller neigt entschieden dazu, das den Ilsenburgmergel überlagernde Stapelburger Conglomerat in ein höheres Niveau als das der Quadratenkreide zu stellen und es der unteren Mucro- natenkreide zu parallelisiren. Ich halte letzteres nicht für angängig, denn darauf, dass Jasche die Belemnitella mucronata vom Burgberge bei Stapelberg anführt, darf man nicht das ge- ringste Gewicht legen, zweitens kommt in den Trümmerkalken der Umgegend von llsenburg, wie oben erwähnt, Act. quaclratus vor, und schliesslich könnte der von G. Müller mit Recht heran- gezogene Vergleich der Stapelburger Trümmerkalke mit denjenigen der schwedischen Mammillaten-Kreide ebenfalls nur für ein der Quadratenkreide entsprechendes Alter der ersteren sprechen, da die Mammillaten-Kreide Schonen’s der deutschen Qua- dratenkreide entspricht und nicht, wie Müller annimmt, über derselben liegt. Es scheint mir diese letztere Auffassung Müller’s auf die Darstellung Moberg’s zurückzuführen zu sein, der von einer schwedischen Quadratenkreide unter der Mammillaten- kreide spricht. Die Stapelburger Trümmerkreide muss man ent- schieden noch zur Quadratenkreide ziehen; es liegt nicht einmal der Beweis dafür vor, dass sie deren höchste Schichten repräsentirt, wenn auch die Möglichkeit zugegeben werden muss, dass sie am Harzrande deren jüngste Bildung darstellt.«
Wozu diese Auseinandersetzungen Stolley’s dienen sollen, ist mir unerfindlich, und werden sie jedem sein, der meine Bemerkungen über das Alter der Stapelburger Trümmerkalke liest, die ich hier auszugsweise bringen will:
»Da diese Rudisten -Arten nach Angabe von Lündgren nur in dem Ignabergakalk oder der Zone mit Act. mammillatus Nilss. in Schweden (nach Schlüter synchronistisch mit der deut- schen Quadratenkreide) verkommen, so liegt ein Vergleich des Trümmerkalks von Stapelburg mit dem schwedischen »Grus- oder Trümmerkalk« sehr nahe. . . . Allerdings fehlt bei uns Act. mammillatus Nilss., der zur Zeit mit Sicherheit nur aus der bal- tischen Kreide bekannt ist. Von den sonst für die Bestimmung
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Gottfried Müeeer, Bemerkungen zur Gliederung des Senon
des Horizonts so wichtigen Cephalopoden habe ich nur unbestimm- bare Bruchstücke von Belemnitiden gefunden. Jedoch zählt J ASCHE Belemnitella mucronata Schloth. vom Burgberg bei Stapelburg auf, wo dieselben Schichten wie in der Wiese nördlich von Stapelburg aufgeschlossen sind. Nach den Angaben Griepenkerl’s findet man in der oberen Quadratenkreide der Umgebung von Königslutter Act. quadratus und Belemnitella mucronata neben ejn- ander vor, und zwar so, dass unten A. quadratus.^ nach oben hin B. mucronata in überwiegender Menge auftritt. Wenn nun auch somit das Vorkommen von B. mucronata Schloth. kein be- stimmter Beweis dafür ist, dass der Trümmerkalk von Stapelburg als untere Mucronatenkreide zu deuten ist, was ich früher als möglich angesehen hatte, so bilden die Stapelburger Kalke jedenfalls die jüngsten Bildungen der oberen Qua- dratenkreide am nördlichen Harzrande. Dies würde jedoch nicht mit der Annahme in Widerspruch stehen, dass die Entstehung der Stapelbuiger Trümmerkalke und der Ignabergakalke mit Act. mammillatus gleichzeitig vor sich gegangen ist, da letztere un- mittelbar unter der typischen Mucronatenkreide und über der Quadratenkreide folgen.«
Ueber die Stellung der Mammillatenkreide bitte ich Stolley’s Auseinandersetzungen auf S. 249 nachzulesen ^). Jeder Un-
9 Diese führen bekanntlich auch Bel. mucronata neben Act. mammillatus. (Siehe Lundgren: Ofversigt af Sveriges Mesozoiska Bilduingar. Lund 1888.)
Für diejenigen, welche nicht im Besitz der SroLLEY’schen Arbeit sind, lasse ich an dieser Stelle in einem Auszug seine Bemerkungen über die Kreide von Lägerdorf folgen: »An der oberen Grenze der Quadratenkreide tritt in Läger- dorf auch Act. mammillatus Nilss. auf, wie ich früher schon hervorgehoben habe, und zwar scheint das Verhältniss so zu sein, dass man nicht von einer eigenen Zone des Act. mammillatus sprechen kann, sondern dass in dem Grenz- niveau zwischen der Quadraten- und der überlagernden Mukronaten- kreide alle drei Formen neben einander auftreten Ganz ent-
sprechend wie in Schweden der unterste Theil der Mammillaten-Zone auf Ifö und bei Rödmölla vereinzelt den quadratus enthält, und nach oben Act. mammillatus und Bel. mucronata sich mischen, tiitt also in Lägerdorf in den obersten Schichten der Quadraten -Kreide vereinzelt der Act. mammillatus auf und tritt einerseits mit Act. quadratus., andererseits mit Bel. mucronata in Berührung.« Diese Erörteruugen Stolley’s scheinen meiner Ansicht nach auch die von Stolley als fraglich hingestellte Anschauung zu stützen, dass die Stapelburger Trümmerkalke die jüngsten Bildungen der Quadratenkreide über- haupt repräsentiren.
am nördlichen Harzrande.
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befangene wird sich dann fragen, wie Stolley ans meinen obigen Ausführungen mir die Neigung unterlegen kann, die Stapel- burger Rudistenkalke mit der unteren Mucronatenkreide zu pa- rallelisiren. Da ich nie in Schweden war, habe ich mir natur- gemäss die Ansicht der schwedischen Autoren zu eigen gemacht, sowie des besten Kenners der deutschen Oberen Kreide, welcher die Mammillatenkreide für synchronistisch mit der deutschen Qua- dratenkreide erklärt. Ich hatte keine Veranlassung, mich über Lagerungsverhältnisse in weitschweifiger Weise auszulassen, die ich nie gesehen. Vielmehr ist dem Schlusssatz meiner Abhandlung etwa derselbe Werth beizumessen, wie dem Theil von Stolley’s Schema, wo er die baltische Quadratenkreide folgendermaassen abfertigt: Quadratenkreide von Lägerdorf, zu oberst mit Act. mam- millatus etc.
Trümmerkreide von Schonen, Holland und Bleckinga mit Act. mammillatus.^ zu unterst mit Act. quadratus.
Als Beweis für seine Ansicht, dass die Stapelburger Trümmer- kalke zur Quadratenkreide zu ziehen seien, was ich, um dies noch- mals hervorzuheben, auch nicht bestritten habe, führt Stolley einen A. quadratus von Eckerburg zwischen Ilsenburg und Harz- burg au. Der Fundort >?Eckerburg« ist mir nicht bekannt, es ist wohl der Trümmerkalk östlich Eckerkrug an der Chaussee nach Stapelburg. Stolley bringt jedoch nicht den Beweis, dass dieser Kalk gleichaltrig mit dem von Stapelburg ist. Der Fundort liegt noch etwa 2,5 Kilometer südlich vom Burgberg bei Stapelburg. Mit demselben Recht dürfte Stolley die Stapelburger Kalke parallelisiren mit • den Conglomeraten des Sudmerbergs und des Butterbergs bei Harzburg und die Stapelburger Rudistenkalke zur »Granulatenkreide« rechnen.
Hätte E. Stolley die Arbeiten genauer durchgelesen, deren Ergebnisse er polemisch erörtert, so würde er, trotz seiner aus- gesprochenen Neigung nach dieser Richtung hin, es wohl unter- lassen haben, Gegensätze zwischen seiner Auffassung und der früherer Autoren so in den Vordergrund zu stellen, um daun schliesslich der Hauptsache nach doch zu denselben Resultaten wie jene zu gelangen.
Neuere Forschungen auf dem Gebiete der Glacialgeologie in Norddeutschland erläutert an einigen Beispielen
zugleich erschienen als
Führer für die Excursionen der deutschen ^geologischen Gresellschaft in das norddeutsche Flachland vom 28. September bis 5. October 1898.
Von den Herren G. Berendt, K. Keilhack, H. Schröder und F. WahnschafTe in Berlin.
(Hierzu Tafel I — IV.)
I. Die Einwirkungen des Inlandeises auf den Untergrund und die erodirende Thätigkeit der von ihm ausgehenden
Schmeizwasser.
F. W.
Nachdem im Jahre 1875 Otto Torell durch eine Ver- gleichung der skandinavischen und norddeutschen Quartärbildun- gen, sowie durch Auffindung der GlacialschliflPe auf den Schichten- köpfen des Rüdersdorfer Muschelkalkes die Inlandeistheorie für Norddeutschland zuerst aufgestellt und daselbst eiugeführt hatte, sind durch die von diesem Standpunkt ausgehenden For- schungen der norddeutschen Geologen so viele Beweise für die Richtigkeit dieser Theorie erbracht worden , dass die ehemalige Inlandeisbedeckung Norddeutschlands gegenwärtig als eine fest- stehende geologische Thatsache angesehen werden kann. Eine
G. Berendt, K, Keilhack, H. Schröder und F. Wahnschaffe etc. 43
besondere Aufmerksamkeit hat man den dynamischen Erscheinun- gen des Inlandeises gewidmet, zu denen vor allen Dingen die Einwirkungen des sich fortbewegenden Eises auf den Untergrund und die erodirende Thätigkeit der von ihm ausgehenden Schmelz wasser gehören. Von den Erscheinun- gen der erstgenannten Art sollen hier die Glacialschrammen und -schliffe auf dem anstehenden Gestein, die Bildung der Localmoränen, und die Schichtenstörungen durch den Druck des vorrückenden Eises besprochen werden, von denjenigen der letzteren Art die Strudellöcher oder Rieseutöpfe, die Strudel- seen, die Schluchtenbildung, sowie überhaupt die Entstehungs- weise des ganzen Reliefs der glacialen Erosionslaudschaft. Alle diese Erscheinungsformen glacialer Thätigkeit sollen durch Beispiele, die Rüdersdorf, Finkenwalde, Buckow und schliesslich auch Falkenberg und Freienwalde a/0, bieten, erläutert werden. Letzgenannte Gegend wird dann auch Gelegenheit bieten das hiesige Tertiär in einigermaassen ungestörter Lagerungsfolge auf längere Erstreckung nachzuweisen.
Rüdersdorf.
Was zunächst die Schrammen und Schliffe auf dem an- stehenden Gestein betrifft, so sind dieselben, besonders dann, wenn andere, den glacialen Ursprung bestätigende Erscheinungen hinzukommen, stets als die besten Beweise für ehemalige Glet- scherbedeckung angesehen worden.
Rüdersdorf bildet in dieser Hinsicht einen klassischen Punkt, weil die Auffindung der Gletscherschrammen auf dem dortigen Muschelkalk für die ganze Entwickelung der Glacialgeologie eine hohe Bedeutung erlangt hat. Bereits im Jahre 1836 erwähnte der schwedische Geolog Sefström auf Grund einer Mittheilung Gustav Rose’s, dass nach Aussage des Verwalters der Rüders- dorfer Kalkbrüche der Kalkfelsen unter der Dammerde abgenutzt oder geschliffen gefunden worden sei, mit deutlichen Riefen darauf. Als Rose daraufhin eine Excursion nach Rüdersdorf unternahm, waren die Schichten bereits abgesprengt, sodass er selbst nichts davon gesehen hat. Sefström erklärte damals die Erscheinungen
44
G. Berendt, K. Keilhack, H. Schröder und F. Wahnschaffe,
in Rüdersdorf, sowie auch die bereits in Skandinavien bekannten FelsschliflPe und Schrammen durch eine grosse petrodilaunische Fluth, die sich in ganz ähnlicher Weise, wie dies früher Leopold VON Buch angenommen hatte, über Skandinavien durch die Ost- see bis nach Norddeutschland fortgewälzt und durch die mit- geführten Gerolle und Geschiebe das anstehende Gestein ge- glättet und geschrammt haben sollte.
Im Jahre 1867 wurde die Aufmerksamkeit auf die Sef- STRÖM’sche Mittheilung durch von Helmersen gelenkt, der zuerst die Ansicht aussprach, dass die Rüdersdorfer Schrammen als Glet- scherschliffe gedeutet werden könnten. Diese Bemerkung fand da- mals unter den deutschen Geologen, die fast ausnahmslos zu den An- hängern der LvELL’schen Drifttheorie gehörten, wenig Beachtung.
Auch Eck, dem wir die eingehende Monographie über die Rüdersdorfer Trias verdanken, hat bei seinen Untersuchungen die Schrammen daselbst nicht beobachtet, auch spricht er sich gegen die Auffassung von Helmersen’s aus. Erst Torell, der auf Grund der SEFSTRÖM’schen Mittheilung in Begleitung von G. Berendt und A. Orth am 3. November 1875 eine Excursion nach Rüdersdorf unternahm, gelang es, im östlichen Theile des Alvenslebenbruches auf den durch sorgfältige Abräumung des Oberen Geschiebemergels soeben entblössten Schichtenköpfen des dort im Abbau befindlichen Schaumkalkes die Schrammen und Schliffe in deutlichster Weise ausgeprägt und in einer Länge von 2 — 3 Meter über die ganze Fläche fortsetzend von Neuem aufzu- finden. Noch an demselben Abend hielt Torell in der Sitzung der deutschen geologischen Gesellschaft unter Vorlage von ge- schrammten Muschelkalkplatten von Rüdersdorf einen Vortrag, in welchem er ausführte, dass hier echte Gletscherschrammen vor- lägen und dass der über den Schichtenköpfen lagernde und im ganzen norddeutschen Flachlande ebenso wie in Dänemark und in Südschweden verbreitete Geschiebemergel nur als die Grund- moräne eines von Skandinavien ausgehenden Inlandeises zu er- klären sei. Diese Ansicht, welche namentlich zu Anfang von Seiten der älteren Geologen lebhaften Widerspruch erfuhr, hat wie ein zündender Funke gewirkt, sodass in schneller Folge durch
Neuere Forschungen auf d. Gebiete d. Glacialgeologie in Norddeutschland. 45
die gemeinsame Arbeit der in dem nordeuropäischen Glacialgebiete thätigen Geologen die Inlandeistheorie fest begründet und weiter ausgebaut wurde.
Im Jahre 1880 wurden auf Torell’s Anregung von G. DE Geer und dom Verfasser, der damals mit der geologisch-agrono- mischen Aufnahme des Messtischblattes Rüdersdorf beschäftigt war, die dortigen Schrammen einer genauen Untersuchung und Messung unterzogen. Dabei stellte es sich heraus, dass auf den zur Zeit entblössten Schichtenköpfen und Schichtoberflächen zwei sich kreuzende Schrammen Systeme von verschiede- nem Alter vorhanden waren. Das ältere System, welches nur wenig tief eingeritzte, meist vereinzelt auftretende und oft völlig abgeschliffene, aber noch deutlich erkennbare Schrammen zeigte, hatte im Mittel die Richtung von Nordnord west nach Südsüdost, das jüngere, oft nur allein vorhandene, mit sehr deutlichen und oft tief eingeritzten Schrammen die Richtung Ost -West. Es ist die Vermuthung ausgesprochen worden, dass die älteren Schrammen mit der Richtung Nordnord west-Südsüdost von der ersten Ver- eisung, die als Grundmoräne den Unteren Geschiebemergel ab- setzte, herrühren, während die jüngeren Schrammen offenbar durch die letzte Vereisung -bewirkt worden sind. Für diese Ansicht lässt sich der Umstand geltend machen, dass in dem Unteren Geschiebemergel, der südlich von dem Rüdersdorfer Muschelkalk am östlichen Ufer des Kalksees zu Tage tritt und von dort am Ostgehänge des Kalkgrabens bis zu den Grandgruben am Schulzen- berge verfolgt werden kann, Muschelkalkbruchstücke zahlreich als Geschiebe verbreitet sind. Oberhalb des grossen Röthaufschlusses am Abhange des Schulzenberges bildet der Untere Geschiebe- mergel die Basis der dort im Abbau befindlichen interglacialen Sande und Grande und in einem Hohlwege, der in die Grube hineinführt, konnte man früher beobachten, dass der Untere Geschiebe- mergel ganz mit Muschelkalkgeschieben erfüllt war, darunter zahlreiche geschrammte und geschlifPene Stücke von den früher im Krienbruch abgebauten harten Bänken mit Ceratites nodosus.
Seit dem Jahre 1875 Hessen sich die Schrammen in Rüders- dorf beim Fortschreiten des Abbaus nach Osten zu stets in aus-
46 Gr. Berendt, K. Keilhack, H. Schröder und F. Wahnschaffe,
gezeichneter Ausbildung im Alvenslebenbruche beobachten. Sie zeigten sieb überall dort, wo der Obere Geschiebemergel die mit 20 — 30^ nach Nord einfallenden Schichten unmittelbar bedeckte, wo dagegen Sande oder Grande unter dem Geschiebemergel auf- traten, war niemals Schrammung oder Politur auf den Sebiebten- köpfen vorhanden, sondern dieselben besassen dann die stumpfen, abgerundeten Oberflächenformen, wie sie fliessendes Wasser, wenn dasselbe Sand und Geröll zu transportiren hat, hervorruft. Ver- schiedentlich konnten in gleicher K-ichtimg fortsetzende Schrammen von 10 — 20 Meter Länge beobachtet werden. Sehr deutlich war an den geglätteten und oft ausgekehlten Schichtenköpfen das Phä- nomen der Stoss- und Lee-Seite zu sehen, sodass wohl, entgegen meinen früheren, wesentlich auf de Geer’s Beobachtungen sich stützenden Auffassungen vom Jahre 1881 1), die Schrammung durch eine Bewegung des Inlandeises von Ost nach West hervorgerufen worden ist. Leider wird es bei dem Fortschreiten des Abbaus im Alvenslebenbruch nicht möglich sein, die geschrammten Schichten- köpfe in einer kleineren Partie an Ort und Stelle zu erhalten, sodass schon in allernächster Zeit dieses wichtige Glacialphänomen nicht mehr in Rüdersdorf zu beobachten sein wird.
Nach Auffindung der Schrammen in Rüdersdorf sind diese unmittelbaren Spuren eines sich fortbewegenden Inlandeises an ver- schiedenen Stellen nachgewiesen worden. In grösserer Anzahl fanden sich diese Punkte im Randgebiete des norddeutschen Flach- landes, namentlich im Königreich Sachsen, wo ältere Gesteinskuppen häufiger unter dünner quartärer Decke zu Tage treten. Eine Uebersicht über sämmtliche bekannt gewordene Fuudpunkte von Glacialschrammen und -schliffen auf anstehendem Gestein inner- halb des norddeutschen Flachlandes hat der Verfasser in seinem Aufsatze: »lieber Glacialerscheinungen bei Gommern unweit
Magdeburg« (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. XXXV, S. 831 bis 848) und in der Schrift: »Die Ursachen der Oberflächengestaltung des norddeutschen Flachlandes«. Stuttgart 1891, S. 62 — 72) ge- geben. Hinzuzufügen ist noch das Vorkommen von Glacial-
b Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. XXXIII, 1881, S. 710.
Neuere Forschungen auf d. Gebiete d. Glacialgeologie in Norddeutschland. 47
schrammen auf den Kalken des weissen Jura beim Dorfe Kroto- schin unweit der Stadt Bartschin in Posen, auf einer Basaltkuppe westnordwestlich von Jauer in Schlesien und auf der Culmgrau- wacke von Hundisburg bei Magdeburg.
Wenn das von dem Inlandeise überschrittene anstehende Gestein dem Eisdruck ausreichenden Widerstand entgegengesetzte, so wurden die Schichten abgeschliffen, abgehobelt und rundhöcker- artig umgestaltet, war jedoch das Gestein schon vorher durch die Verwitterung und den Spaltenfrost gelockert und in Folge dessen nicht genügend widerstandsfähig, so wurden die oberen Lagen auf- gebogen, zertrümmert, in den unteren Theilen des Eises mit fort- geschleppt und zum Theil auf’s Innigste mit dem Material der nordischen Grundmoräne vermischt. Auf diese Weise entstand die sogenannte Localmoräne, oder die Localfacies des Ge- schiebelehms, wie sie von H. Credner bezeichnet worden ist. In Rüdersdorf war eine derartige Localmoräue früher an der Ost- und Südseite des Alvenslebenbruches in ausgezeichneter Weise zu beobachten, doch sind diese Stellen leider dem fortschreitenden Abbau zum Opfer gefallen. Die seiner Zeit vom Verfasser ge- zeichneten Profile mögen diese Verhältnisse näher veranschaulichen.
Die Profile zeigen, wie sich die Localmoräne gebildet hat. Offenbar war es hier der von oben wirkende Druck des Eises, der die Schichten zertrümmerte, faltete, stauchte und den Geschiebe- mergel sackartig zwischen die umgebogenen, bereits in einzelne Bruchstücke aufgelösten Schichten hineinpresste. Nordische Ge- schiebe fanden sich zuweilen bis auf einen Meter tief in der Localmoräne, oder auch zwischen die aufgebogeuen Schichten ein- gekeilt. In Fig. 2 sieht man eine losgerissene Muschelkalkscholle rings von unregelmässigen Kalkbruchstücken umgeben, und aus der Biegung und Spaltung der Scholle ergiebt sich, dass die Ab- lagerung fortbewegt worden ist. Der Rüdersdorfer Localmoräne völlig analoge Bildungen sind zuerst von H. Credner am Aus- gehenden der Grauwacke von Klein-Zschocher, sodann vom Ver- fasser bei Velpke, Danndorf und Gommern, von Sauer auf der Grauwacke von Otterwisch, von Geinitz im mecklenburgischen Kreidegebiete, von Haas im Miocängebiet des östlichen Schleswig-
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G-. Berendt, K. Keilhack, H. Schröder und F. Wahnschaffe,
Holstein, auf der senonen Kreide von Lägerdorf-Scbinkel, auf dem Segeberger Gypsberg, von Keilhack vom Koschenberg bei Senften- berg, von Berendt am Rande des Warmbrunner Thaies in den Vorbergen des Riesengebirges und von G. Müller nördlich von Dortmund im Canaleinschnitt bei Holthausen auf der Kreide be- schrieben worden.
Noch ein drittes Glacialphänomen ist von Rüdersdorf zu be- sprechen, das zwar nicht durch die unmittelbare Einwirkung
Fig. 1.
Fig. 1 uud 2. Profile von der Ostseite des Alvenslebenfiruches bei Rüdersdorf senkrecht gegen das Streichen des Muschelkalkes.
L* i Oberen Dilurialmergel gehörig.
UM Localmoräne.
K Schichtenköpfe des Muschelkalkes, in Fig. 1 am Aus- gehenden gebogen und gestaucht.
Neuere Forschungen auf d. Gebiete d. Glacialgeologie in Norddeutschland. 49
des Inlandeises, sondern durch die von der Oberfläche desselben in Spalten herabstürzenden Schmelzwasser entstanden ist. Es sind dies die auf den ausgehenden Schichtenköpfen des Schaum- kalkes im